Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie Satellitenbildinformationen aus dem All für Landwirte nutzbar gemacht werden können

06.10.2016

Vom Julius Kühn-Institut koordiniertes Verbundforschungsprojekt will Daten von Satelliten so aufbereiten, dass Landwirte künftig die Nährstoffversorgung, Reifegrad oder Krankheiten ihrer Bestände beobachten und darauf reagieren können.

Erdbeobachtungssatelliten liefern wichtige Informationen über den Zustand und die Veränderungen unseres Lebensraums, auch über landwirtschaftlich genutzte Flächen. In Deutschland bewirtschaften etwa 285.000 landwirtschaftliche Betriebe knapp über die Hälfte der Gesamtfläche des Landes (52 %).


Satellitenbild der Domäne Beberbeck (Hessen) Echtfarbendarstellung, so wie man sie aus dem All sehen würde.

Quelle: Sentinel-2-Satellit/ESA (European Space Agency)


„Rötliches Bild“= falschfarbene Infrarotversion. Vegetation erscheint in verschiedenen Rottönen. Gut erkennbar die unterschiedlichen Waldtypen (dunkelrot Nadelwald und hellrot Laubwald). Orangefarbene Flächen zeigen Zuckerrüben und Zwischenfrüchte an, bläulichen Flächen sind offener Boden nach der Bestellung.

Quelle: Sentinel-2-Satellit/ESA (European Space Agency)

Allerdings waren bisher aktuelle Informationen, die sich aus Satellitenbildern ergeben, meist nur für Experten verfügbar, da die Beschaffung und Auswertung der Daten für einzelne Landwirte zu kostspielig und kompliziert war. Die Partner des jetzt gestarteten Verbundprojektes AGRO-DE wollen das ändern. „Unser Ziel ist es, aktuelle Informationen aus Satellitenbildern deutschlandweit für die Landwirtschaft aufzubereiten und über das Internet bereitzustellen“, erklärt der Koordinator Dr. Holger Lilienthal, der am Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig forscht.

Gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und den Firmen EOMAP und Hanse Agro soll ein Daten- und Auswertungscluster geschaffen werden, das den landwirtschaftlichen Betrieben, Beratern, Lohnunternehmern und Serviceprovidern ermöglicht, aufbereitete Fernerkundungsinformationen zeitnah zu nutzen und in ihre Betriebsabläufe zu integrieren. Das Projekt wird für die nächsten drei Jahre mit 1,85 Mio. Euro vom Deutschen Landwirtschaftsministerium über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert.

„Die Informationen sollen am Ende in verschiedenen Formen, z. B. als Karten- oder Datendienst oder aber als Bilddaten bzw. in Form eines dynamischen Modellierungsergebnis, bereit gestellt werden“, erklärt Dr. Lilienthal weiter. Beispielsweise liefern die Sentinel-1-Satelliten über Deutschland mit ihrer wolkendurchdringenden Radartechnik garantiert alle 2-3 Tage aktuelle Informationen über die Entwicklung der Vegetationsbestände.

Alle 3-4 Tage werden die Flächen von den multispektralen Sentinel-2-Systemen überflogen. Aus diesen verfügbaren Rohdaten ließe sich mit Hilfe der richtigen Auswertungstechnik Pflanzenparameter bestimmen, etwa der Reifegrad des Korns, die Nährstoffversorgung oder die Ausbreitung von Krankheiten. Entsprechend könnten die Anbauer mit Maßnahmen reagieren. Hier soll AGRO-DE Pionierarbeit leisten. Dazu wird die Hessische Staatsdomäne Beberbeck zum Demonstrationsbetrieb. Der Betrieb wird die im Projekt erarbeiteten neuen Informationsprodukte auf ihre Nutzbarkeit in der landwirtschaftlichen Praxis testen und bewerten.

Mit dem AGRO-DE-Projekt sollen erstmalig alle Landwirte in Deutschland von aktuellen Satelliteninformationen profitieren. Indem ein offener Zugang zu den Informationsprodukten geschaffen wird, wird der Einsatz von Precision-Farming-Technologien weiter stimuliert. „Ertragsabschätzung aus dem All, präziser Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz und insbesondere eine schnellere Reaktionsmöglichkeit auf Stress- und Krankheitssituationen könnten damit bald Realität werden“, blickt Lilienthal in die Zukunft.

Und diese aktuellen Informationen sollen auch kleinstrukturierte Betriebe und Betriebe mit ökologischem Landbau ansprechen. Darüber hinaus könnten AGRO-DE-Werkzeuge künftig auch Forschungseinrichtungen, Bundes- und Landesbehörden sowie Nichtregierungsorganisationen (NGO) bei ihrer Arbeit unterstützen, da methodisch einheitlich hergestellte Datensätze für Deutschland bereitstehen. Der offizielle Startschuss für das zunächst auf drei Jahre angelegte Verbundprojekt hat am 26.09.16 auf der Hessischen Staatsdomäne Beberbeck bei Kassel stattgefunden. Weitere Eckdaten zu AGRO-DE sind nachstehend zusammengestellt.

Projekttitel:„Aufbau eines Clusters zur Bereitstellung von aktuellen Fernerkundungsprodukten
für die Landwirtschaft (AGRO-DE)“

Koordination: Julius Kühn-Institut, Standort Braunschweig
Dr. Holger Lilienthal vom JKI-Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde

Projektkonsortium: Julius Kühn-Institut (JKI) Braunschweig; Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) mit dem Deutschen Fernerkundungszentrum Oberpfaffenhofen; EOMAP GmbH & Co. KG, Seefeld; Hanse Agro - Beratung und Entwicklung GmbH, Gettorf

Fördersumme: 1,85 Mio. Euro
Projektlaufzeit: 3 Jahre (bis August 2019)
Projektträger: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), FKZ: 2815704815

Hintergrund: Im Rahmen des Europäischen Copernicus Programms (siehe unter http://www.copernicus.eu oder http://www.d-gmes.de) werden seit 2014 Sentinel-Erdbeobachtungssatelliten gestartet, die operationell Satellitenbilddaten in bisher nicht gekannter Menge, zeitlicher Auflösung und technischer Qualität liefern. Für Deutschland können mit den neuen Sentinel-1-Satelliten garantiert alle 2-3 Tage aktuelle Informationen über die Entwicklung der Vegetationsbestände mit Hilfe wolkendurchdringender Radartechnik gewonnen werden. Alle 3-4 Tage werden die Flächen von den multispektralen Sentinel-2-Systemen überflogen, so dass deutlich mehr wolkenfreie Aufnahmen erhalten werden. Im Vergleich zu den meisten existierenden Fernerkundungsmissionen sind diese Rohdaten kostenfrei verfügbar. Die hohe zeitliche, räumliche und spektrale Auflösung ermöglicht völlig neuartige Datenprodukte, die auch für kleinstrukturierte landwirtschaftliche Betriebe sehr interessant sein könnten. Angesichts der Strategie der EU, das Copernicus-Programm auch nach 2020 mit neuen Satelliten auszurüsten, ist die Entwicklung eines Daten- und Auswertungsclusters mit operationellen Verarbeitungsketten, wie im neuen Verbundprojekt angestrebt, mittel- und langfristig sinnvoll.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Holger Lilienthal
Julius Kühn-Institut, Fachinstitut für Pflanzenbau und Bodenkunde
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531 596-2136
E-Mail: holger.lilienthal@julius-kuehn.de

Stefanie Hahn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ein Feuerwerk der chemischen Forschung

24.08.2017 | Veranstaltungen

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eisberge: Mathematisches Modell berechnet Abbruch von Schelfeis

24.08.2017 | Geowissenschaften

Besseres Monitoring der Korallenriffe mit dem HyperDiver

24.08.2017 | Geowissenschaften

Rauch von kanadischen Waldbränden bis nach Europa transportiert

24.08.2017 | Geowissenschaften