Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Stress für Jungziegen – Vom richtigen Zeitpunkt der Eingliederung in die Herde

10.09.2013
Die Eingliederung junger Milchziegen in eine bestehende Herde bedeutet Stress für alle beteiligten Tiere.

Rangkämpfe und aggressives Verhalten können zudem zu Verletzungen bei den Ziegen führen. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) fanden heraus, unter welchen Bedingungen sich junge Ziegen mit möglichst wenig Stress in neue Herden eingewöhnen. Am besten funktioniert dies kurz nach dem Ablammen, wenn es Kitze in der Herde gibt. Die Ergebnisse der Studie publizierten die Wissenschafter vor Kurzem im Journal of Dairy Science.


Milchgebende Ziegenmütter haben weniger Stress
Simone Szabò

In Milchziegenherden ist es gängige Praxis Ziegenkitze wenige Tage bis Wochen nach der Geburt von ihren Müttern zu trennen. In Milch produzierenden Herden gelangt damit mehr wertvolle Milch zum Verkauf anstatt an die Jungziegen verfüttert zu werden. Meist werden die Jungziegen erst nach etwa acht Monaten wieder in die Herde eingegliedert. Entweder geschieht dies kurz nach der ersten Trächtigkeit der Jungziegen oder nach dem ersten Ablammen, dem Gebären von Kitzen. Die Sozialstruktur einer Ziegenherde ist streng hierarchisch.

Herdenfremde Tiere müssen erst wieder ihren Platz finden. Deshalb können Veränderungen in der Herdenzusammensetzung zu schwerwiegenden Rivalitäten und vermehrtem aggressivem Verhalten führen. Solche Stressfaktoren resultieren auch in geringerer Milchproduktion. Ziel einer tiergerechten Haltung ist es, den Stress für die Tiere so gering wie möglich zu halten.

Milchgebende Mütter haben weniger Stress

Eine möglichst schonende Eingliederung der Jungziegen in die Herde der Altziegen muss zum richtigen Zeitpunkt geschehen. Susanne Waiblinger vom Institut für Tierhaltung und Tierschutz untersuchte dazu 32 junge Ziegen. Die Hälfte der Tiere wurde während der so genannten „Trockenphase“ in die Herde eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt sind sowohl Jung- als auch Altziegen trächtig und geben keine Milch. Die zweite Jungziegen-Gruppe wurde kurz nach dem Ablammen,, wenn alle Ziegen Milch geben und die Kitze mitlaufen, in die Herde eingegliedert.

Das Ergebnis: Jungziegen erfahren insgesamt deutlich weniger sozialen Stress, wenn sie in Herden kurz nach dem Ablammen eingeführt werden. In „trockenen“ Herden waren die Tiere häufiger mit aggressivem Sozialverhalten konfrontiert und Stresshormone stiegen deutlich an. Waiblinger meint dazu: „Möglicherweise führt die Anwesenheit von Ziegenkitzen zur Ausschüttung von Oxytocin. Das „Bindungshormon“ stärkt nicht nur die Bindung zwischen Mutterziege und Kitz, sondern wirkt auch beruhigend, prosozial und stressmindernd. Es kommt folglich seltener zu aggressivem Verhalten in der Herde und insgesamt verläuft eine Eingliederung neuer Herdenmitglieder entspannter.“

Junge Ziegen bevorzugen die Nähe ihrer Freunde

Sind die Jungziegen erst einmal in die neue Herde eingegliedert, suchen sie die Nähe ihrer bekannten und gleichaltrigen Artgenossen. Es bilden sich kleine Untergruppen. Waiblinger erklärt: „Das Sozial- und Erkundungsverhalten in einer Herde ist ein verlässlicher Indikator für das Stresserleben der Tiere. Ziegen, die wenig gestresst sind, halten sich auch mehr in Nähe von unbekannten erwachsenen Ziegen auf. Gestresste Ziegen umgeben sich lieber mit ihnen bekannten Artgenossen.“ In weiteren Studien soll nun erforscht werden, ob Stress eher durch die Anwesenheit von Kitzen reduziert wird, oder ob die Milchproduktionsphase der Ziegen eine bedeutendere Rolle spielt.

Forschungsschwerpunkte von Susanne Waiblinger liegen in der Haltung kleiner Wiederkäuer und Rinder und der Beziehung zwischen Tier und Mensch. Die Wissenschafterin erforscht verschiedene Arten des Umgangs mit den Nutztieren und wie sich unterschiedliche Haltungspraktiken auf Stress und Befinden der Tiere auswirken.

Der Artikel “Introducing young dairy goats into the adult herd after parturition reduces social stress” von S. Szabò, K. Barth, C. Graml, A. Futschik, R. Palme und S. Waiblinger wurde vor Kurzem im Journal of Dairy Science veröffentlicht.

http://dx.doi.org/10.3168/jds.2012-5556

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Susanne Waiblinger
Institut für Tierhaltung und Tierschutz
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 250 77-4905
susanne.waiblinger@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive