Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wellness für die Milchkuh

07.03.2012
Schmeckt die Butter besser, wenn sich die Kuh wohlfühlt? Wie viel darf der Liter Milch kosten? Wie sieht die Milchkuh der Zukunft aus? Was hat ein Glas Milch mit Umweltschutz zu tun? Stehen Kühe auch in Zukunft auf der Weide?

Nach Antworten auf diese Fragen sucht das neue Zentrum für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung (Center of Integrated Dairy Research) – kurz „CIDRe“. Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen arbeiten in dem nun gegründeten Zentrum der Universität Bonn für eine ausgewogene und nachhaltige Milchwirtschaft zusammen.

Seit mehr als 10.000 Jahren nutzt der Mensch Kühe für die Milch- und Fleischgewinnung, als Düngerlieferant und Zugtier. In kalten Zeiten hüllte er sich in wärmende Felle oder das Leder der Tiere. Kurzum: Rinder halfen dem Menschen, unter widrigen Umständen zu überleben. Die Produktionsbedingungen haben sich im Lauf der Zeit aber stark gewandelt.

Ursprünglich gaben Kühe etwa acht Liter Milch am Tag, um ein Kalb zu ernähren. Moderne Hochleistungskühe bringen es heute auf täglich 50 Liter – mit teils drastischen Folgen. „Das System der Milchwirtschaft ist schon seit Längerem nicht ausbalanciert“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Büscher, Sprecher des neuen Zentrums für Integrierte Milchwirtschaftliche Forschung an der Universität Bonn (CIDRe).

Stark gestiegene Milchleistung führt zu Problemen

Wegen der stark gestiegenen Milchleistung brauchen Kühe in den ersten 100 Tagen nach der Kalbung häufig deutlich mehr Energie, als sie mit dem Futter aufnehmen können. „Dieses Ungleichgewicht kann zu Fett- und Muskelabbau führen sowie Stoffwechselkrankheiten auslösen“, sagt die Veterinärmedizinerin Dr. Susanne Plattes, Koordinatorin des CIDRe. Die Hochleistungsmilchkühe sind anfälliger für Fruchtbarkeitsstörungen oder Infektionen an Klauen und Euter. „Das Wohlbefinden der Tiere rückt aus ethischen und ökonomischen Gründen in den Mittelpunkt“, berichtet Dr. Plattes. „Wenn eine artgerechtere Haltung zu besseren Produkten führt, liegen auch die wirtschaftlichen Vorteile auf der Hand.“

Folgen für die Umwelt

Handfest sind auch die Umweltauswirkungen der modernen Milchproduktion: Aus den Mägen des Milchviehs können Gase entweichen, die den globalen Klimawandel weiter anheizen. Die zentrale Frage der am CIDRe beteiligten Forscher aus Agrarwissenschaften, Informatik, Physik, Veterinärmedizin, Ökonomie und Sozialwissenschaften lautet deshalb: Wie lässt sich das komplexe System der Milchwirtschaft in eine ausgewogene Balance führen? Über die reine Milchleistung hinaus sollen sowohl die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere als auch der Umweltschutz bei der Erzeugung auf einen Nenner gebracht werden. Damit verbunden sind auch sozioökonomische Fragen – etwa wie viel Geld den Verbrauchern eine nachhaltige Milchwirtschaft wert ist.

Einzigartige Forschung im Versuchsstall Frankenforst

Erst einmal müssen viele Daten gesammelt werden, um dann das System der Milchwirtschaft auch hinsichtlich des Wohlbefindens der Tiere und des Umweltschutzes zu optimieren. Eine zentrale Rolle nimmt dabei der Versuchsstall Frankenforst der Universität Bonn auf diesem Forschungsgebiet ein. „Er ist einzigartig in ganz Deutschland und ermöglicht Wissenschaft auf höchstem Niveau“, sagt Prof. Büscher. Zahlreiche Messfühler erfassen dort etwa, wie viel Futter eine Kuh frisst und wie viel sie sich bewegt. Wasseraufnahme, Milchfluss und –inhaltsstoffe sowie Herzfrequenz sind weitere Parameter, die digital aufgezeichnet werden und anhand derer die Wissenschaftler feststellen können, wie es um jede einzelne Kuh bestellt ist. Das Verhalten der Tiere wird in Zusammenarbeit der Universität Halle-Wittenberg analysiert.

Umfassende Messdaten sollen ein Simulationsmodell ermöglichen

Die Wissenschaftler wollen das System der Milchwirtschaft möglichst vollständig mithilfe der Messdaten erfassen und darauf aufbauend Modelle entwickeln. „Damit können wir dann verschiedene wichtige Fragen beantworten“, sagt Dr. Plattes. „Etwa wie sich Lösungen des Zielkonflikts zwischen größerer Bewegungsfreiheit und der damit verbundenen höheren Ammoniak- und Geruchsemission finden lassen.“ Darüber hinaus interessiert die Wissenschaftler, ob Kühe mit hoher Milchleistung ein erhöhtes Gesundheitsrisiko aufweisen. Aber auch ökonomische Fragestellungen werden bearbeitet, wie etwa die unterschiedliche Entwicklung der Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung auf Acker- und Grünlandstandorten.

Förderung junger Forscher

„In den letzten Jahren ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit in der milchwirtschaftlichen Forschung an der Landwirtschaftlichen Fakultät deutlich intensiviert worden“, sagt der Dekan Prof. Dr. Karl Schellander. „CIDRe wird im Rahmen dieses Schwerpunktthemas die Stärken der Beteiligten bündeln, die interdisziplinäre Forschung intensivieren und dazu beitragen, die Sichtbarkeit im In- und Ausland zu erhöhen.“ Das Zentrum dient auch der besonderen Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses - unter anderem in der Theodor-Brinkmann-Graduiertenschule, die Master-Studiengänge und die strukturierte Doktorandenausbildung der Fakultät unter einem Dach vereint. Außerdem soll das CIDRe eine interdisziplinäre Sommerschule abhalten.

Kontakt:

Prof. Dr. Wolfgang Büscher (Sprecher)
CIDRe (Center of Integrated Dairy Research)
Tel: 0228/732396
E-Mail: buescher@uni-bonn.de
Dr. med. vet. Susanne Plattes (Koordinatorin)
CIDRe (Center of Integrated Dairy Research)
Tel: 0228/739418 oder 06552/6009915
E-Mail: cidre@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/058-2012
http://www.cidre.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: CIDRe Futter Kühe Messdaten Milch Milchkuh Milchleistung Milchwirtschaft Versuchsstall Wellness Wohlbefinden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie