Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welche Gene machen Hunde taub?

04.12.2013
TiHo-Forscher entdecken Gene für die angeborene Innenohrtaubheit bei Dalmatinern.

Über 90 verschiedene Hunderassen können unter einer angeborenen Innenohrtaubheit leiden. Besonders häufig betroffen sind Hunderassen mit bestimmten Genvarianten für eine Weißscheckung des Fells oder dem sogenannten Merle-Faktor, der die Synthese von Farbpigmenten stört und zu einer Aufhellung des Fells führt.


Beim Dalmatiner wurde die Vererbung der angeborenen Innenohrtaubheit bisher am intensivsten untersucht.

Foto: majtas/Fotolia

Professor Dr. Ottmar Distl und Susanne Kluth aus dem Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben die genetischen Ursachen für die angeborene Innenohrtaubheit bei 235 Dalmatinern untersucht.

Dafür haben sie mehr als 170.000 über das gesamte Genom verteilte genetische Varianten einem Screening auf Innenohrtaubheit unterzogen. Ihre Ergebnisse liefern die Grundlagen, um die Entstehung und Entwicklung der Taubheit besser zu verstehen. Die Forscher haben sie in der Novemberausgabe des Online-Fachmagazins PLoS ONE veröffentlicht (http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0080642).

Die genetischen Mechanismen, die zur Innenohrtaubheit führen können, sind sehr komplex. Verschiedene Genvarianten sind in der Lage, die Krankheit auszulösen. „Hunde mit zwei oder mehr Genvarianten für Innenohrtaubheit sind zu über 90 Prozent von Innenohrtaubheit betroffen“, sagen die Forscher. Bei ihren Untersuchungen haben die Wissenschaftler Gene gefunden, die die Entwicklung verschiedener Strukturen im Innenohr beeinflussen.

Hierzu zählen die Tektorialmembran, die sich innerhalb der Hörschnecke befindet, und das Corti‘sche Organ, dessen Haarzellen die akustischen Signale in Nervensignale umformen und an den Hörnerv weiterleiten. Tiere, denen die Pigmentzellen der Haut, die sogenannten Melanozyten, im Innenohr fehlen, sind ebenfalls von Innenohrtaubheit betroffen.

Die Melanozyten müssen in das Innenohr einwandern, um dort wichtige Aufgaben für das Zustandekommen des akustischen Hörsignals zu erfüllen. Dies konnte bisher nur in Mausmodellen und einer sehr seltenen natürlichen Mutante weißer Rinder nachgewiesen werden.

Die jetzt vorliegenden genetischen Kenntnisse liefern den Forschern der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover die Basis, um die Ursachen der angeborenen Innenohrtaubheit aufzuklären. Mit den neuesten Methoden der Genomanalyse wollen sie jetzt das Genom von Hunden mit angeborener Innenohrtaubheit mit dem von normal hörenden Hunden vergleichen.

Ihr Ziel ist es, die angeborene Innenohrtaubheit bei möglichst vielen Hunde- und Katzenrassen zu untersuchen. „Nur die Kenntnis der genetischen Krankheitsursachen hilft Hunde- und Katzenzüchtern, dieses erbliche Leiden effektiv zu bekämpfen und ihre Zucht entsprechend zu gestalten. Unsere Forschung ist damit ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz“, sagt Distl. Derzeit entwickeln die Wissenschaftler einen Gentest, mit dem sich die Innenohrtaubheit nachweisen lässt. Dalmatiner-Züchter könnten dafür schon jetzt EDTA-Blutproben (durch Zugabe von EDTA gerinnt das Blut nicht) an das Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung schicken. Züchter, die die Testentwicklung bei weiteren Rassen und Katzen unterstützen wollen, können dem Institut helfen, indem sie Probenmaterial (EDTA-Blut) und Hörtestbefunde zur Verfügung stellen.

Beim Dalmatiner wurde die Vererbung der Innenohrtaubheit bisher am intensivsten von allen Hunderassen erforscht. Bei den Rassen Australian Cattle Dog, Boston Terrier, English Cocker Spaniel, English Setter, Jack Russell Terrier, Australian Shepherd und Border Collies tritt Innenohrtaubheit häufiger auf, wenn die Tiere mit einer stärkeren Weißscheckung gezüchtet werden.

Die Originalpublikation
Congenital sensorineural deafness in Dalmatian dogs associated with quantitative trait loci
Susanne Kluth, Ottmar Distl
PLOS ONE, DOI: 10.1371/journal.pone.0080642
Kontakt
Professor Dr. Ottmar Distl
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Tierzucht und Vererbungsforschung
Tel.: +49 511 953-8875
ottmar.distl@tiho-hannover.de

Sonja von Brethorst | idw
Weitere Informationen:
http://www.tiho-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie