Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weidehaltung in Überschwemmungsgebieten

27.05.2009
Studie zur Dioxinbelastung und Risikobewertung

Böden in Überschwemmungsgebieten können wegen der mit dem Wasser transportierten Schadstoffe mit Dioxinen und Polychlorierten Biphenylen (PCB) belastet sein. Die Beweidung flussnaher Grünlandflächen in diesen Gebieten sollte daher standortdifferenziert erfolgen.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung über die Risiken für die Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit, wenn Lebensmittel liefernde Tiere auf mit Dioxin und PCB belasteten Flächen gehalten werden.

Die Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie der Landwirtschaftskammer Hannover kommen in ihrer Studie, die in den "Übersichten zur Tierernährung" veröffentlicht wurde, zum Ergebnis, dass auch auf kontaminierten Flächen mit besonderen Vorkehrungen noch Futtermittel mit vertretbaren Belastungen an Schadstoffen angebaut werden können. Die traditionelle Beweidung flussnaher Flächen in Überschwemmungsgebieten sei dagegen mit höheren Risiken für die Lebensmittelsicherheit verbunden.

Bei tragenden Schafen oder Kühen, die auf belasteten Grünlandflächen geweidet wurden, konnte ein Übergang von Dioxinen auf die Frucht und in das Kolostrum nachgewiesen werden. Bei der Weidemast von Rindern kam es zu einer Belastung der Lebern, die vielfach die zulässigen Höchstwerte übertraf. In der Muskulatur war die Dioxinbelastung dagegen geringer.

Um die Interessen des Hochwasserschutzes, der Landwirtschaft und der Lebensmittelsicherheit zu berücksichtigen, müsse daher auf gewässernahen Flächen die Rind- und Schaffleischproduktion standortdifferenziert erfolgen. Muttertiere sollten nur dann auf kontaminierten Flächen weiden, wenn ihre Milch nur kurzfristig für die Nachzucht genutzt wird. Die eigentliche Mast der Tiere müsse auf anderen Standorten mit unbelastetem Futter erfolgen. Bei Mutterkühen, die wiederholt auf kontaminierten Flächen geweidet wurden, sei davon auszugehen, dass diese Tiere nicht mehr als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden können.

Nach Ansicht der beteiligten Wissenschaftler zeigt die Studie, wie komplex die Zusammenhänge betrachtet werden müssen, wenn es um Fragen der Futtermittel- und Lebensmittelsicherheit geht. Ohne die Kenntnis von Standortgegebenheiten könne nur bedingt oder überhaupt keine Aussage über die Futtermittelsicherheit gemacht werden. Zusätzliche Untersuchungen in weiteren Regionen sowie an Fluss- und Wasserläufen seien unabdingbar.

Hintergrundinformationen:
Dioxine sind chlororganische Verbindungen, die fast überall auf der Welt vorkommen und in der Umwelt kaum abgebaut werden. Polychlorierte Biphenyle (PCB) entstehen als unerwünschte Nebenprodukte bei der Herstellung chlororganischer Chemikalien oder bei Verbrennungsreaktionen. Die Stoffe gelten als krebsauslösend und schädigen das Immunsystem. Die Stoffe sind fettlöslich und reichern sich im Organismus an. Über die letzten Jahrzehnte ist die Belastung der Lebensmittel mit Dioxinen deutlich zurückgegangen. Die Risiken, die von Dioxinen ausgehen, werden aber weiter intensiv untersucht. Kenntnisse über das Vorkommen von Dioxinen und PCB in landwirtschaftlichen Flächen sind von besonderer Bedeutung, da die Stoffe über diesen Eintragsweg in die menschliche Nahrungskette gelangen können.

Renate Kessen | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de
http://www.bfr.bund.de/cm/208/schafleber_kann_stark_mit_dioxinen_und_pcb_belastet_sein.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Software-App für optimale Düngergabe
09.11.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

nachricht Win-Win-Situation Arznei- und Gewürzpflanzen + Bestäuber-Insekten
06.11.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Maximale Sonnenenergie aus der Hausfassade

23.11.2017 | Architektur Bauwesen

Licht ermöglicht „unmögliches“ n-Dotieren von organischen Halbleitern

23.11.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Urbakterien Entzündungsreaktionen auslösen können

23.11.2017 | Biowissenschaften Chemie