Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachstum nicht auf Kosten von Gesundheit und Lebensdauer

11.12.2015

Dummerstorfer Wissenschaftler finden im Mausmodell wichtige Zusammenhänge zwischen Lebensdauer, reproduktiver Entwicklung und Stoffwechsel

Nutztierwissenschaftler konnten am Mausmodell nachweisen, dass das Wachstum und die Lebensdauer nicht kausal zusammenhängen. „Bis ins aktuelle Jahr wurde von einschlägigen Fachgesellschaften intensiv die Frage diskutiert, ob nun ein derartiger ursächlicher Zusammenhang zwischen Wachstum und Lebensdauer besteht oder nicht“, so der Molekularbiologe PD Dr. Andreas Höflich vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf.


Die Forschung mit der Maus - wie alt werden wir und was beeinflusst die Lebensdauer? Die Maus soll dabei helfen, Antworten zu finden.

Fotos: FBN

„Wir können nun diese Frage eindeutig mit nein beantworten.“ Die Studienergebnisse wurden vor kurzem in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift „Aging Cell“* veröffentlicht, die sich mit Aspekten der Alterungsforschung befasst.

Gehen hohe Wachstumsraten zu Lasten von Lebensdauer und Gesundheit? Diese Frage ist nicht nur für Nutztiere, sondern auch für den Menschen selbst höchst relevant. „Wir wollten in Erfahrung bringen, über welchen Mechanismus das Bindungsprotein 2 für den Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor (IGFBP-2) das Leben verlängert“, erläuterte PD Dr. Andreas Höflich.

„Wir fanden heraus, dass IGFBP-2 über seine sogenannte Integrin-Bindungsstelle zwar das Leben verlängern kann, aber definitiv nicht über den Einfluss des Körperwachstums. Die Veränderung einer einzigen Aminosäure innerhalb des Proteins IGFBP-2 reicht aus, um die unterschiedlichen biologischen Wirkungen von IGFBP-2 voneinander zu trennen. Mäusemodelle mit einer solchen Veränderung waren kleiner, ohne länger zu leben. Somit ist offensichtlich, dass Wachstum und Lebensdauer über unterschiedliche Mechanismen gesteuert werden, also nicht kausal zusammenhängen.“

Fortpflanzung und Stoffwechsel beeinflussen Lebensdauer

Damit ist eine der grundlegenden Hypothesen im laufenden, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekt bestätigt: IGFBP-2 verlängert das Leben über seine Integrinbindung. IGFBP-2 erhöht bei weiblichen Mäusen die Lebensdauer, verlangsamt aber gleichzeitig die Fortpflanzung und beeinflusst den Stoffwechsel.

„Anstelle eines allgemein vermuteten Zusammenhanges zwischen Wachstum und Lebensdauer fanden wir eine Verbindung zwischen Lebensdauer, reproduktiver Entwicklungsdynamik und dem Stoffwechsel. Somit werden über die Integrin-Bindungsstelle von IGFBP-2 neben der Lebensdauer zusätzlich auch reproduktive Entwicklung und Stoffwechsel gesteuert. Es reicht also nicht, das Körperwachstum zu reduzieren, um das Leben der Tiere zu verlängern. Stattdessen muss man viel stärker die reproduktive Entwicklung und den Energiestoffwechsel im Zusammenhang von Gesundheit und Lebensdauer in einem ganzheitlichen Ansatz berücksichtigen als bisher angenommen“, so das Fazit von Höflich.

Die Ergebnisse aus Dummerstorf haben das Interesse amerikanischer Wissenschaftler geweckt. Das von der DFG geförderte Forschungsvorhaben soll jetzt mit der sogenannten Methusalem-Maus fortgesetzt werden. Dieses Mausmodell von der Universität Ohio ist für seine Langlebigkeit bekannt.
Die neue Lebensdauerstudie wird im modernen Dummerstorfer Maushaus durchgeführt (s. https://idw-online.de/de/news412388), das vor fünf Jahren eröffnet worden ist.

FOTOS FBN:
Die Forschung mit der Maus - wie alt werden wir und was beeinflusst die Lebensdauer? Die Maus soll dabei helfen, Antworten zu finden. PD Dr. Andreas Höflich (v. li.), Dr. Julia Brenmoehl und Dr. Christina Walz sind in der Sache wieder einen Schritt weiter gekommen.


*Dissociation of somatic growth, time of sexual maturity, and life expectancy by overexpression of an RGD-deficient IGFBP-2 variant in female transgenic mice.
Aging Cell. 2015 Oct 28. doi: 10.1111/acel.12413. [Epub ahead of print]
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26507795

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 89 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.

Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen u.a. in Form der WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.100 Personen, darunter 9.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,64 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de

Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf

Institut für Genombiologie
Forschungsprojekt PD Dr. rer. nat. habil. Andreas Höflich
T +49 38208-68 744
E hoeflich@fbn-dummerstorf.de

Wissenschaftsorganisation Dr. Norbert K. Borowy
T +49 38208-68 605
E borowy@fbn-dummerstorf.de
http://www.fbn-dummerstorf.de

Norbert K. Borowy | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie