Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virusresistente Weinrebe

01.07.2009
Viren können den Weinbauern um seine Ernte bringen: Befallen sie die Weinreben, helfen oft sogar Pestizide nichts mehr. Zudem sind diese Chemikalien umweltschädlich. Forscher züchten nun Pflanzen, die Antikörper gegen die Viren produzieren und somit resistent sind.

Ein guter Wein muss reifen. Doch der Weg zum Fass ist lang. Schon vor der Lese haben die Weinreben Hindernisse aller Art zu überwinden: Zu heiße oder zu regenreiche Perioden können ganze Ernten vernichten.

Dazu kommen allerlei Schädlinge: Neben Ungeziefer wie der Reblaus oder Kräuselmilbe machen dem Wein auch Pilze wie der Mehltau oder Viren wie das »Grapevine fanleave virus«, kurz GFLV, zu schaffen. Dieses Virus infiziert die Weinrebe und löst die Reisigkrankheit aus. Deformierte und stark vergilbte Blätter, kleinere Trauben und Ernteverluste sind die Folgen.

Gegen GFLV soll bald ein Kraut gewachsen sein: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Aachen arbeiten daran, bestimmte Rebsorten gegen GFLV resistent zu machen. Dabei nutzen die Wissenschaftler gentechnische Verfahren. »Die von uns veränderten Pflanzen produzieren Antikörper«, erklärt Dr. Stefan Schillberg, Abteilungsleiter am IME. »Diese Antikörper ‚erkennen’ die Viren und verhindern, dass sie sich in der Pflanze vermehren und Schaden anrichten können.« Damit das Gewächs die Antikörper produziert, müssen die Forscher die Erbsubstanz der Rebe verändern und die genetische Information für die Antikörper in die Pflanze einschleusen. Diese Aufgabe erledigen winzige Helfer, die Gentechniker schon seit über zwanzig Jahren nutzen: Agrobakterien. Das sind Bodenbakterien, die von Natur aus Teile ihres eigenen Genoms auf das der Pflanze übertragen. Die Forscher führen das Antikörper-Gen in die Bakterien ein, die es dann quasi wie ein Transportvehikel auf die Pflanze übertragen.

Noch laufen die Versuche der Wissenschaftler bei einer Modellpflanze. Erste Tests haben bereits gezeigt, dass die veränderten Pflanzen bis zu hundert Prozent resistent gegenüber dem Virus sind. »Die Produktion des Antikörpers in der Pflanze funktioniert sehr effektiv«, sagt Schillberg. »Als nächstes stehen die Versuche mit Weinreben auf dem Plan und später die Feldversuche.« Langfristig haben die Forscher das Ziel, den Einsatz von Pestiziden zu drosseln.

»Um GFLV beizukommen, sind bestimmte Chemikalien notwendig«, erklärt Schillberg. Doch die Wirkung hält sich oft in Grenzen. Zudem sind die Pestizide umweltschädlich und daher in vielen Ländern verboten. Vor allem Länder wie Chile, die stark auf den Weinanbau angewiesen sind, könnten von den pathogenresistenten Weinreben profitieren und ihre Ernteerträge verbessern.

Dr. Stefan Schillberg | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Wie das Wissen in der Technik entsteht

17.01.2017 | Förderungen Preise

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik