Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Virus lässt Zuckerrüben einen Bart wachsen

08.09.2008
Nach der Entdeckung neuer Virus-Typen geht der Kampf der Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts gegen das Rhizomania-Virus in eine neue Phase.

Das "süße" Wurzelwerk der Zuckerrübe hat es nicht nur dem Menschen angetan. Auch das Rhizomania-Virus - wissenschaftlich BNYVV für Beet necrotic yellow vein virus - findet offenbar Geschmack an ihm.

Bei einem Virusbefall verkümmert die Hauptwurzel der Rübe und es bilden sich Bündel von dünnen Seitenwurzeln. Da diese wie ein Bart anmuten, wird die Viruskrankheit Wurzelbärtigkeit der Rübe genannt. Bei der Infektion seines Rüben-Wirtes erhält das Rhizomania-Virus Hilfe von einem bodenbürtigen Pilz namens Polymyxa betae. Einmal im Boden vorhanden, wird man den Krankheitserreger nicht mehr los.

"Bisher gibt es keine Bekämpfungsmöglichkeiten gegen das Virus direkt. Die Ernteeinbußen können lediglich durch klassische Resistenzzüchtung vermindert werden", berichtet Dr. Thomas Kühne vom Julius Kühn-Institut in Quedlinburg. Dazu werden Gene in aufwendigen Kreuzungen aus wilden Vorfahren der Zuckerrübe übertragen. Die so erhaltenen toleranten Pflanzen werden zwar vom Virus befallen und es vermehrt sich auch in den Rübenzellen, jedoch tritt die Krankheit nicht auf. Somit erhält man erntefähige Zuckerrüben. "Da Viren jedoch sehr anpassungsfähig sind, war es nur eine Frage der Zeit, dass neue Virus-Typen entdeckt würden, die auch bei solchen partiell resistenten Zuckerrüben die Wurzelbärtigkeit auslösen", erklärt Kühne.

Gerade haben JKI-Wissenschaftler auf einem Symposium in Quedlinburg über zwei neue Virustypen aus Großbritannien berichtet und ein neuer Typ, der große Ähnlichkeiten mit einem BNYVV aus China hat, ist an einem Standort in Sachsen-Anhalt nachgewiesen worden. "Für uns bedeutet das, dass wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen dürfen", sagt Dr. Kühne. Um beim Wettlauf mit den Viren mithalten zu können, versuchen die Virologen am JKI herauszufinden, welche Gene einzelne Isolate des BNYVV aggressiver machen als andere.

Dabei entwickeln sie auch die für die weitere züchterische Verbesserung der Resistenz notwendigen Diagnosemethoden. Denn nur wenn man weiß, mit welchem Krankheitserreger man es zu tun hat, kann man die Pflanzen per Züchtung dagegen wappnen. Neben Rhizomania und Rübe werden in Quedlinburg auch die beiden bodenbürtigen Mosaikviren der Wintergerste, BaYMV und BaMMV, sowie weitere durch Polymyxa (Pilze) übertragenen Viren an Weizen, Roggen und Tritikale (ein Futtergetreide) untersucht.

Informationen zu den Tagungsbeiträgen finden sich im englischen Abstractband der Tagung unter: http://www.iwgpvfv2008.bafz.de/ (S. 27, 37)

Ihr Ansprechpartner vor Ort:
Dr. Thomas Kühne
Leiter des Instituts für Epidemiologie und Pathogendiagnostik am
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI)
Erwin-Baur-Str. 27, 06484 Quedlinburg
Tel.: 03946/47-502
E-Mail: thomas.kuehne(at)jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.iwgpvfv2008.bafz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie