Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum viele Pilze für den Wald wichtig sind

24.10.2013
Göttinger Forstwissenschaftlerinnen untersuchen die Nährstoffversorgung von Bäumen durch Pilze

Im Herbst sprießen die Pilze aus dem Waldboden, aber das ganze Jahr über leben viele Speisepilze unsichtbar, unterirdisch in enger Symbiose mit den Wurzeln der Bäume. Dieser Zusammenschluss von Pilz und Wurzel wird als Mykorrhiza bezeichnet.


Mykorrhizapilze ummanteln die empfindliche Wurzelspitze, schützen sie vor Schädlingen und führen dem Baum Nährstoffe aus dem Boden zu.

Foto: Universität Göttingen

Wissenschaftlerinnen der Abteilung Forstbotanik und Baumphysiologie der Universität Göttingen haben herausgefunden, dass verschiedene Mykorrhizapilze für die Nährstoffversorgung der Bäume besonders bei Trockenheit oder fehlender Sonneneinstrahlung wichtig sind. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift ISME Journal (International Society for Microbial Ecology) erschienen.

Die Göttinger Wissenschaftlerinnen erforschen die funktionale Bedeutung der Biodiversität von Mykorrhizapilzen. Dabei setzen sie stabile Isotope ein und verfolgen ihren Weg in die mikroskopisch kleinen Wurzelspitzen, die mit unterschiedlichen Pilzen vergesellschaftet sind. Mykorrhizapilze ummanteln die empfindliche Wurzelspitze, schützen sie vor Schädlingen und führen dem Baum Nährstoffe aus dem Boden zu.

Im Gegenzug erhalten die Pilze Zucker für ihren Energiebedarf vom Baum. Aber warum ist eine Buche im Wald mit vielen verschiedenen Pilzen besiedelt? Würde für den Baum nicht auch eine einzige Pilzart ausreichen, um die Ernährung zu verbessern? Die Forscherinnen konnten nachweisen, dass Wurzeln ohne Mykorrhizapilze Stickstoff – einen wichtigen Pflanzennährstoff – genauso gut aufnehmen wie Wurzeln, die in der Pilzsymbiose leben. Aber kaum erfährt die Pflanze leichten Trockenstress, der im Sommer in den oberen Bodenschichten häufig auftritt, oder wird durch Konkurrenten unter Schatten gesetzt, funktioniert die Aufnahme der nicht-mykorrhizierten Wurzel nicht mehr gut.

Nun zeigen sich die Vorteile der Pilze und ihrer Diversität: Während einige Pilzarten den Stickstoff besonders effizient unter Wassermangel an die Bäume weiterleiten, werden andere besonders aktiv, wenn die Zuckerversorgung kritisch wird, zum Beispiel, wenn die Photosynthese im Schatten nicht mehr so gut funktioniert. So wird durch eine hohe Pilzdiversität die Nährstoffversorgung auch unter stark fluktuierenden Umweltbedingungen gesichert. „Wir konnten zum ersten Mal zeigen, welchen Beitrag einzelne Pilzarten in ihrer komplexen, natürlichen Gesellschaft haben und die Stickstoffaufnahme durch ein mathematisches Modell vorhersagen. Unsere Ergebnisse untermauern, warum es im Klimawandel sehr wichtig ist, die Pilzdiversität zu erhalten“, so Dr. Rodica Pena.

Originalveröffentlichung: Rodica Pena and Andrea Polle: Attributing functions to ectomycorrhizal fungal identities in assemblages for nitrogen acquisition under stress, ISME Journal, Doi:10.1038/ismej.2013.158.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Andrea Polle
Georg-August-Universität Göttingen
Büsgen-Institut – Abteilung Forstbotanik und Baumphysiologie
Büsgenweg 2, 37077 Göttingen, Telefon (0551) 39-33480
E-Mail: apolle@gwdg.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/67024.html

Thomas Richter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft
06.12.2016 | Steinbeis-Europa-Zentrum

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops