Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie viel Mensch verkraftet der Boden?

03.02.2010
Fruchtbare Böden sind nötig, um Nahrung und Rohstoffe zu erzeugen. Doch die Weltbevölkerung wächst - und mit ihr der "Leistungsdruck" auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wie lange halten Ackerböden so etwas durch? Darüber forscht die Geografie-Professorin Birgit Terhorst von der Universität Würzburg.

Wann trägt ein Ökosystem seine Bewohner nicht mehr und bricht zusammen? Diesen Prozess ergründet Birgit Terhorst in Mexiko, weil er dort schon einmal stattgefunden hat: auf der Halbinsel Yucatan in der Region um Quintana Roo, die unter anderem während der so genannten präklassischen Periode (250 bis 950 A. D.) von den Maya dicht besiedelt war.

Berühmt ist die Hochkultur der Maya unter anderem für ihre Landwirtschaft, in der es bereits Bewässerungssysteme gab. Das Gebiet, in dem die Würzburger Professorin forscht, war damals extrem stark besiedelt und intensiv landwirtschaftlich genutzt: Man geht davon aus, dass die Maya-Zivilisation während der Präklassik zeitweise über 13 Millionen Menschen zählte.

Maya hielten Brachzeiten nicht mehr ein

"Die Maya betrieben eine Form des Ackerbaus, bei der die Flächen regelmäßig brachzuliegen hatten", sagt Birgit Terhorst. Doch je stärker die Bevölkerung wuchs, desto häufiger hielten die Maya die nötige Brache nicht mehr ein: "Die Böden laugten aus, fielen verstärkt der Erosion zum Opfer und überzogen das Gestein am Ende nur noch als dünne Schicht."

Die Professorin ist überzeugt: "Die Zerstörung der Böden hat mit dazu geführt, dass die Kultur der Maya unterging." Andere wissenschaftliche Thesen weisen einem Klimawandel die Schuld zu: Ihnen zufolge wurden den Maya mehrfache Trockenzeiten zum Verhängnis, in denen die Niederschläge für die Landwirtschaft weitgehend ausblieben. "Aber wir haben in den Böden für den gleichen Zeitraum eindeutige Beweise dafür gefunden, dass zumindest die Region von Quintana Roo gut mit Wasser versorgt war", so Terhorst.

Kooperation mit Eichstätt und Mexiko

Die Wissenschaftlerin und ihr Team wollen in einem neuen Projekt jetzt weitere Beweise finden, die ihre These für eine größere Region untermauern. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben; Birgit Terhorst kooperiert dabei mit dem Geografen Professor Bodo Damm von der Universität Eichstätt und mit Dr. Elizabeth Solleiro von der mexikanischen Hochschule UNAM (Universidad Nacional Autonoma de Mexico).

Erste Exkursion im Frühjahr

Im Frühling gehen die Projektpartner auf eine erste Geländeexkursion nach Mexiko: Mit Erdbohrern ziehen sie Bodenproben und bestimmen Zustand und Mächtigkeit der Böden. Mikroskopische und bodenchemische Analysen geben dann unter anderem Aufschluss über Mineralgehalt und Pflanzennährstoffe.

Interessant sind besonders Stellen, an denen geschichtlich "alte" Böden erhalten sind, meist überdeckt durch jüngere Schichten. "Mit unseren Analysen können wir dann Rückschlüsse auf die damaligen Verhältnisse ziehen und sie mit den heutigen vergleichen", sagt Terhorst.

Quintana Roo eignet sich sehr gut für das Projekt

Wie haben sich Nährstoffhaushalt und Tragfähigkeit der Böden verändert, in welchem Ausmaß hat sich die Landschaft durch Eingriffe der Maya verändert? Für solche Untersuchungen eignet sich die Region Quintana Roo sehr gut, weil sie seit den Maya nur noch dünn besiedelt war und kaum noch landwirtschaftlich genutzt wurde.

Das Projekt läuft bis 2011. Es soll neue Erkenntnisse liefern, mit denen Wissenschaftler besser abschätzen können, wie viel "Besiedlungs- und Landwirtschaftsdruck" ein Ökosystem auf Dauer verkraftet und mit welchen Maßnahmen es sich womöglich stabilisieren lässt. Diese Frage ist in vielen Regionen der Erde aktuell - überall dort, wo die Bevölkerung stark wächst und wo Anbauflächen und Nahrung knapp sind.

Kontakt

Prof. Dr. Birgit Terhorst, Professur für Bodenkunde am Institut für Geografie der Universität Würzburg, T (0931) 31-85585, birgit.terhorst@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen