Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Umweltforschung: TUM-Agrarwissenschaftler machen Nachhaltigkeit messbar

18.08.2009
Umweltaktivisten sprechen genauso gern von ihr wie Politiker, Ökonomen oder Marketingspezialisten - die "Nachhaltigkeit" ist heute ein Modewort.

Das Problem: Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der für viele Dinge stehen kann und unterschiedliche Interpretationen zulässt. Agrarwissenschaftler der TU München bringen Licht ins Dunkel.

Sie haben es mit Kollegen aus Wissenschaft und Praxis geschafft, die "Nachhaltigkeit" im Agrarbereich zu konkretisieren. Mit ihrer Hilfe ist der facettenreiche Begriff messbar geworden - zum Vorteil von Landwirten, Lebensmittelherstellern und Verbrauchern.

Nicht auf Kosten der Umwelt und nachfolgender Generationen zu leben, sondern bei der Nutzung von Ressourcen auf das Gleichgewicht von Nehmen und Nachwachsen zu achten - das ist eine Kernidee des Nachhaltigkeitskonzepts. Es stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und lässt sich auf eine Grundregel reduzieren: Schlage im Wald nie mehr Holz, als nachwachsen kann. Heute ist die Nachhaltigkeitsidee in allen Wirtschaftszweigen bedeutsam, doch die Tücke liegt in der Umsetzung: "Regenerierbare Systeme sind in der Regel sehr komplex. Landwirte, die ihren Betrieb nachhaltig führen wollen, brauchen fundierte Entscheidungsgrundlagen", so Prof. Kurt-Jürgen Hülsbergen vom Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der Technischen Universität München (TUM).

Die Forschungsfrage: Wie kann man den Nachhaltigkeitsstatus der Höfe mit verfügbaren Betriebsdaten ermitteln und gezielt verbessern? Das Ziel war hoch gesteckt - es ging darum, die Umweltbilanz landwirtschaftlicher Betriebe zu verbessern, ohne dabei deren Wirtschaftlichkeit und soziale Leistungsfähigkeit zu vernachlässigen. Dazu entwickelte das Forscherteam in jahrelanger Detailarbeit Indikatoren und Modelle, um die Nachhaltigkeit von Agrarbetrieben zu analysieren, zu bewerten und zu optimieren. Denn eine nachhaltige Landwirtschaft dient allen: Sie schont natürliche Ressourcen, spart Energie, Pflanzenschutz- und Düngemittel und sorgt so für eine gesündere Umwelt, wettbewerbsfähigere Betriebe und sichere Lebensmittel.

Dank des neuen Indikatorenmodells sind die TUM-Forscher jetzt in der Lage, Agrarbetriebe anhand ihrer Stoff- und Energieflüsse als Systeme zu beschreiben. "Mit treffgenauen Methoden können wir die Emissionen in Luft und Gewässern ermitteln, aber auch mit speziellen Tools die Gefährdung von Böden durch Erosion und Schadverdichtung. Völlig neu entstanden sind in den vergangenen Jahren Methoden zur Klimabilanzierung sowie Indikatoren zur Biodiversität. Damit können wir alle wesentlichen Umweltwirkungen der Landwirtschaft erfassen", so Hülsbergen. In Zusammenarbeit mit Agrar-Forschern von der Universität Halle-Wittenberg wurden diese Modellkomponenten in eine Software integriert. Beim Praxistest auf deutschlandweit 80 Höfen errechnete der Computer daraus "virtuelle Betriebe", deren Umweltdaten anhand von Grafiken sichtbar sind.

Aber natürlich reicht es nicht, umweltbewusst zu wirtschaften: Erst die Balance solcher Öko-Faktoren mit ökonomischen und sozialen Aspekten macht einen Betrieb wirklich nachhaltig. Um auch diese Faktoren berücksichtigen zu können, entwickelte der TUM-Lehrstuhl für Wirtschaftlehre des Landbaus zusammen mit dem Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim ein zweites Indikatoren-Set. Es berücksichtigt relevante Wirtschaftskennzahlen, etwa Gewinn- oder Investitionsrate, aber auch soziale Faktoren wie Mitbestimmung, Arbeitsbelastung und Entlohnungshöhe. Dank dieser Ergänzung ist der Nachhaltigkeitsstatus von Agrarbetrieben heute komplett messbar.

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft hat auf Basis der wissenschaftlichen Ergebnisse bereits ein Zertifizierungssystem nach europäischer DIN-Norm aufgebaut. Werden die Zielwerte eingehalten, so bekommt der getestete Betrieb das Zertifikat "Nachhaltige Landwirtschaft - zukunftsfähig". Auch die Lebensmittelwirtschaft nutzt das neue Indikatorenmodell: Zwei große deutsche Bäckereiunternehmen haben damit schon überprüft, wie nachhaltig ihre Getreide-Zuliefererbetriebe wirtschaften.

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme
Prof. Dr. Kurt Jürgen Hülsbergen bzw. Dipl.-Ing. Norman Siebrecht
85350 Freising-Weihenstephan
Tel. 08161/71-3032 bzw. -4499
Fax 01861/71-3031
E-Mail: huelsbergen@wzw.tum.de bzw. norman.siebrecht@wzw.tum.de
http://www.wzw.tum.de/oekolandbau/
Mehr Informationen im Netz:
http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/
Kostenloses Bildmaterial:
http://mediatum2.ub.tum.de/node?id=806924
Hintergrund:
Das Forschungsprojekt wird seit 2003 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.wzw.tum.de/oekolandbau/
http://www.nachhaltige-landwirtschaft.info/
http://mediatum2.ub.tum.de/node?id=806924

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz