Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treibhausgasbilanzen von Land- und Forstwirtschaft werden umfassend erforscht

25.01.2010
Braunschweiger Forscherteam koordiniert EU-Projekt mit mehr als 40 Partnern

Der überwiegende Teil der europäischen Landfläche wird land- und forstwirtschaftlich genutzt. Mit Blick auf den Klimawandel ist es daher von besonderem Interesse, wie viel Treibhausgase durch die Land- und Forstwirtschaft aufgenommen und gebunden beziehungsweise in die Atmosphäre abgegeben werden. Man spricht hier von Senken- bzw. Quellenfunktion.

Eine der größten europäischen Forschungsanstrengungen zur Aufklärung dieser Mechanismen, das so genannte 'GHG-Europe'-Projekt, wird in diesen Tagen auf den Weg gebracht. Koordiniert wird das Projekt, das mehr als 40 Arbeitsgruppen aus ganz Europa umfasst, vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) in Braunschweig.

Ehrgeiziges Ziel des Projektes ist es, die Treibhausgasbilanz Europas zu berechnen, die Größenordnung der verschiedenen Treibhausgasquellen und -senken zu erfassen und ihre regionale Verteilung und zeitliche Dynamik zu bestimmen. Dafür stellt die Europäische Union innerhalb der nächsten dreieinhalb Jahre fast 7 Millionen Euro zur Verfügung, weitere etwa 12 Millionen Euro fließen aus nationalen und universitären Mitteln in das Projekt. "Wir versuchen, die anthropogenen Faktoren wie die Landnutzung von natürlichen Faktoren wie dem Wetter und der Klimavariabilität zu trennen", erläutert die Projektkoordinatorin Dr. Annette Freibauer vom Institut für Agrarrelevante Klimaforschung des von Thünen-Instituts. "Wenn wir die ablaufenden Prozesse besser verstehen, können wir eher abschätzen, welche Maßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft ergriffen werden müssen, um deren positiven Effekt für die Klimabilanz auch für die Zukunft zu erhalten."

Zum Auftakt des Projekts treffen sich Wissenschaftler aus über 40 europäischen Forschungseinrichtungen vom 27. bis 29. Januar in der italienischen Stadt Orvieto. Welche Ökosysteme werden am sensibelsten auf Klimaveränderungen reagieren? Welche Managementoptionen stehen in der Land- und Forstwirtschaft zu Verfügung, um Kohlenstoffsenken zu erhalten und Treibhausgasemissionen zu minimieren? Fragen dieser Art versucht 'GHG-Europe' zu beantworten.

In dem Projekt sollen die Erkenntnisse aus verschiedenen nationalen und internationalen Klimaforschungsprojekten zu einer integrierenden Gesamtbewertung zusammengefasst werden. Aufbauend auf den Messungen von über 100 kontinentalen Mess-Stationen, verteilt über alle Klimaregionen und Ökosysteme Europas, wird analysiert, welchen Beitrag die unterschiedlichen Landnutzungssysteme zu den Emissionen und Senken der drei wichtigsten Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) leisten. Die Wissenschaftler bringen Langzeitmessungen aus ganz Europa zusammen und initiieren Treibhausgasmessungen in Regionen, die bisher kaum untersucht wurden, wie die osteuropäischen Wälder und die mediterrane Macchia (Strauchheide). Die Messwerte aus diesem Netzwerk an Beobachtungsstationen fließen in Computer-Modelle, um Vorhersagen über zukünftige Treibhausgasemissionen bei sich veränderndem Klima treffen zu können. Dazu werden auch sozioökonomische Modelle genutzt, um die Wechselwirkungen zwischen ökonomischer Entwicklung, Landnutzungsszenarien und Treibhausgas-Emissionen zu verstehen. "Zum ersten Mal in Europa werden in einem umfassenden Ansatz alle drei wichtigen Treibhausgase zusammen untersucht. Dies ist besonders wichtig, um die Rolle der Land- und Forstwirtschaft für den Klimaschutz zu verstehen", sagt Annette Freibauer. So nehmen Wälder weltweit etwa ein Drittel der menschlichen Emissionen von Kohlendioxid auf. Diese Senke unterliegt aber starken jährlichen Schwankungen. In dem besonders warmen Sommer 2003 ging zum Beispiel die CO2-Aufnahme der Wälder in Europa fast auf Null zurück. Auf der anderen Seite werden Lachgas und Methan aus der Landwirtschaft und durch die Entwässerung von Mooren freigesetzt und kompensieren in Europa völlig die positive Rolle der Wälder für den Klimaschutz.

Hintergrund der Forschungen sind die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und die laufenden Verhandlungen für ein Post-Kyoto-Abkommen, in dem eine deutliche Verringerung der Treibhausgas-Emissionen festgeschrieben werden soll. 'GHG-Europe' will eine Gesamtklimabilanz möglich machen, in dem nicht nur die positiven Senkenleistungen der Biosphäre berücksichtigt sind, sondern auch die durch die Landnutzung und natürliche Quellen verursachten Treibhausgase. Für langfristige Klimaschutzbemühungen ist es unabdingbar zu verstehen, wie Ökosysteme auf den Klimawandel reagieren und wie sie dauerhaft klimafreundlich genutzt werden können. Das Projekt stellt damit sicher, dass Europa an vorderster Front der Klimaforschung bleibt.

Kontakt:
Dr. Annette Freibauer (Projektkoordinatorin)
Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Institut für Agrarrelevante Klimaforschung
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531 596-2634, E-mail: annette.freibauer@vti.bund.de

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblick ins geschlossene Enzym

26.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Laser – World of Photonics: Offene und flexible Montageplattform für optische Systeme

26.06.2017 | Messenachrichten

Biophotonische Innovationen auf der LASER World of PHOTONICS 2017

26.06.2017 | Messenachrichten