Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transparenz steigert den Ertrag

09.05.2014

Forscher der Universität Göttingen untersuchen Verträge mit Kleinbauern in Entwicklungsländern

In vielen Entwicklungsländern werden Lebensmittel von Kleinbauern produziert und auf traditionellen Märkten gehandelt. Um eine hohe Lebensmittelqualität gewährleisten zu können, schließen Unternehmen der Ernährungsindustrie zunehmend Lieferverträge mit Landwirten ab.


An der Milchsammelstelle werden Proben für die Qualitätskontrolle entnommen.

Foto: Christoph Saenger

Solche Verträge mit Kleinbauern funktionieren jedoch oftmals nicht, da sich die Bauern entweder betrogen fühlen oder die Unternehmen über zu geringe Liefermengen und die Nichteinhaltung vertraglicher Regeln klagen. Agrarökonomen der Universität Göttingen erforschen deshalb, wie Verträge mit Kleinbauern verbessert werden können. Eine Studie ist kürzlich in der Fachzeitschrift American Journal of Agricultural Economics erschienen.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Matin Qaim am Göttinger Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung beschäftigt sich mit Milchlieferverträgen in Vietnam. Der Milchpreis, den vietnamesische Kleinbauern von den Molkereien erhalten, hängt von verschiedenen Qualitätskriterien ab, die in den Molkereilaboren getestet werden.

Die Bauern können diese Tests nicht überprüfen. Daher vermuten sie, dass die Molkereien die Laborergebnisse und damit den Preis nach unten verfälschen. Die Lieferverträge sind aufgrund dieser „asymmetrischen Information“ – eine Partei weiß mehr als die andere – von starkem Misstrauen geprägt.

Um herauszufinden, welchen Effekt höhere Markttransparenz haben könnte, führten die Göttinger Wissenschaftler ein Experiment mit 200 zufällig ausgewählten Milchbauern in Vietnam durch. Die Hälfte der Bauern erhielt Gutscheine, mit denen sie die Qualität ihrer Milch in einem unabhängigen Labor jederzeit testen lassen konnten, um die von der Molkerei mitgeteilten Ergebnisse zu überprüfen.

Die anderen Bauern hatten diese Möglichkeit nicht. Von allen Bauern wurden über 12 Monate hinweg Daten gesammelt. Ein solch randomisiertes experimentelles Design ist für Wirkungsanalysen besonders geeignet, wurde aber im Bereich der Agrarökonomie bisher kaum angewendet. „Die Kontrollmöglichkeit durch die Gutscheine wirkte sich deutlich auf das Verhalten der Bauern aus. Aufgrund der höheren Transparenz investierten sie erheblich mehr in die Produktion und steigerten die Milchmenge um 40 Prozent“, erklärt Dr. Christoph Saenger, Erstautor der Studie.

Ebenso stieg das Einkommen, obwohl der durchschnittliche Milchpreis unverändert blieb. Damit können auch die Molkereien profitieren, da höhere Liefermengen pro Bauer verringerte Logistikkosten bedeuten. „Probleme von asymmetrischer Information treten im Kleinbauernsektor häufig auf“, so Prof. Qaim. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass bessere Verträge zu höherer Markteffizienz und wirtschaftlicher Entwicklung beitragen können.“

Originalveröffentlichung: Christoph Saenger et al. (2014). Impact of third-party contract enforcement in agricultural markets – a field experiment in Vietnam. American Journal of Agricultural Economics. Doi: 10.1093/ajae/aau021.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Matin Qaim
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften – Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-4806, E-Mail: mqaim@uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/en/42360.html

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie