Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tilling-Verfahren - Zuchtfortschritt mit Abkürzung

10.02.2010
Die bekannten konventionellen Züchtungsmethoden haben einen entscheidenden Nachteil: Sie sind meist zu langsam. Die Natur sorgt zwar dafür, dass sich das Erbgut von Pflanzen von Zeit zu Zeit verändert, indem beispielsweise die Sonneneinstrahlung Mutationen im Erbgut auslöst.
Das ist aber langwierig und vom Zufall abhängig. Allerdings können durch die Auswahl von besonders günstigen Mutationen Pflanzen mit besonderen Eigenschaften gewonnen werden.

Forscher des Fraunhofer Instituts für Molekulare und angewandte Ökologie (IME) in Aachen haben ein neues Verfahren entwickelt, das das Auftreten von Mutationen durch den Einsatz von Chemikalien beschleunigt. Mit Hilfe des so genannten Tilling-Verfahrens werden vergleichsweise schnell eine große Anzahl von Mutatanten erzeugt, die schon gleich nach dem Auskeimen analysiert und ausgewählt werden können.

Eine Genomanalyse kann in diesem Stadium bereits Aufschluss darüber geben, ob eine gewünschte Eigenschaft in der Pflanze enthalten ist. Tausende Keimlinge werden untersucht, die günstigen Proben aussortiert und alle anderen verworfen. Auf diese Weise kann innerhalb weniger Wochen herausgefunden werden, ob ein Keimling die gewünschte Eigenschaft besitzt, ohne die Pflanzen erst Monate später am Ende der Vegetationsperiode bewerten und auswählen zu müssen. "Tilling" steht dabei für "Targeting Induced Local Lesions In Genoms", was so viel heißt wie gezielt ausgelöste Störung der anatomischen Struktur in Genomen - so wie es die Natur vormacht.

Von praktischer Bedeutung ist diese Methode beispielsweise für die Stärkegewinnung aus Kartoffeln. Nur eine Stärkesorte ist für die industrielle Verarbeitung erwünscht, nämlich Amylopektin. Es wird in der Papier- und Klebstoffproduktion und in der Textilherstellung in großem Maßstab benötigt.

Im Lebensmittelbereich ist es bekannt als Soßenbinder oder als Bestandteil von Süßspeisen. Die Kartoffel produziert aber auch Amylose, eine unerwünschte Stärkekomponente. Mit Hilfe des Tilling-Verfahrens konnten mutierte Kartoffeln ausgesucht werden, deren Gen zur Produktion der unerwünschten Amylose zufällig ausgeschaltet war. Das spart der Industrie Energie und Kosten, da nun keine aufwändige Trennung der beiden Stärkearten mehr erforderlich ist. In diesem Fall ist der schnelle Zuchtfortschritt auch ohne gentechnische Verfahren erreicht worden.

Friederike Eversheim | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Berichte zu: Amylose Erbgut Kartoffel Keimling Mutation Zuchtfortschritt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Im Focus: Forscher entschlüsseln erstmals intaktes Virus atomgenau mit Röntgenlaser

Bahnbrechende Untersuchungsmethode beschleunigt Proteinanalyse um ein Vielfaches

Ein internationales Forscherteam hat erstmals mit einem Röntgenlaser die atomgenaue Struktur eines intakten Viruspartikels entschlüsselt. Die verwendete...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

Forschung zu Stressbewältigung wird diskutiert

21.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individualisierte Faserkomponenten für den Weltmarkt

22.06.2017 | Physik Astronomie

Evolutionsbiologie: Wie die Zellen zu ihren Kraftwerken kamen

22.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Spinflüssigkeiten – zurück zu den Anfängen

22.06.2017 | Physik Astronomie