Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Thünen-Wissenschaftler berechnen das Holzangebot der Wälder in den kommenden vierzig Jahren

29.06.2015

Ergebnisse der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung veröffentlicht

Wie könnte sich der Wald in Deutschland in den nächsten 40 Jahren entwickeln und wie können wir ihn nutzen? Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Waldökosysteme in Eberswalde haben dies in einem Simulationsmodell dargestellt. Danach könnten die Wälder in den nächsten vier Jahrzehnten im Mittel 77,7 Mio. Kubikmeter Rohholz pro Jahr (Erntefestmeter ohne Rinde) liefern.


Holzverarbeitung im Sägewerk

(Michael Welling)

Bei einer solchen angenommenen Holzentnahme steigt der Holzvorrat in den Wäldern im Verlauf der projizierten 40 Jahre weiter leicht an: um fast 6 % von 3,7 Mrd. auf 3,9 Mrd. Vorratsfestmeter. Dabei nimmt die Waldfläche mit älteren Bäumen um 22 % zu und das durchschnittliche Alter des Waldes steigt auf 94 Jahre an. Nach der dritten Bundeswaldinventur war der Wald 2012 im Durchschnitt noch 77 Jahre alt.

Dieses Szenario spiegelt die Einschätzungen von Forstexperten aus Bund und Ländern zur Waldbewirtschaftung wider und bezieht aktuelle und erwartete Marktbedingungen sowie die bestehenden gesetzlichen Vorgaben ein. In der Waldentwicklungs- und Holzaufkommens-modellierung (WEHAM) wird es Basisszenario genannt.

Wälder liefern mehr Holz, Anteile der Baumarten verschieben sich

Vergleicht man das im WEHAM-Basisszenario errechnete künftige Rohholzaufkommen mit dem der zurückliegenden Jahre, so ergibt sich eine Steigerung: Nach Auswertungen der Bundeswaldinventur sind von 2003 bis 2012 rund 75,7 Mio. Kubikmeter Rohholz pro Jahr genutzt worden, mithin 2 Millionen weniger als in der jetzigen Projektion.

Zum Rohholzpotenzial trägt die Holzartengruppe Fichte mit 44 % am stärksten bei, gefolgt von den Holzartengruppen Buche (29 %), Kiefer (20 %) und Eiche (8 %). Doch auch hier zeigen sich Verschiebungen: Im Vergleich zum Zeitraum 2003 bis 2012 wird das Potenzial der Holzartengruppe Fichte bis zum Jahr 2027 um 20 % unter der bisherigen Nutzung liegen, das Potenzial der Kiefer vergrößert sich um etwa 8 %. Die WEHAM-Berechnungen zeigen, dass die Potenziale der Holzartengruppen Buche (+ 59 %) und Eiche (+ 97 %) ebenfalls deutlich über der bisherigen Nutzung liegen.

Basisszenario und Alternativen

In das jetzige WEHAM-Basisszenario gehen die Einschätzungen von Forstexperten aus Bund und Ländern ein. Doch die Erwartungen an den Wald in Deutschland sind vielfältig und verändern sich. Thünen-Wissenschaftler arbeiten deshalb aktuell in einem Verbundprojekt an alternativen WEHAM-Szenarien, welche die unterschiedlichen gesellschaftlichen Vorstellungen zur Waldbehandlung abbilden sollen. Diese werden in einem Beteiligungsprozess mit verschiedenen Nutzer- und Interessensgruppen unter besonderer Berücksichtigung von Klima- und Biodiversitätsschutz entwickelt. Ziel ist es, aufgrund alternativer WEHAM-Szenarien die Entscheidungsgrundlage für eine nachhaltige Waldbehandlung zu vergrößern.

Hintergrund

Die Waldentwicklung- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM) schätzt die Entwicklung des Waldes und das Rohholzpotenzial für die nächsten Jahrzehnte. Für Politiker, Verbände, Wissenschaft und Forst- und Holzwirtschaft ist sie ein Instrument zur Prüfung waldbaulicher Ziele und zur Planung von Nutzung und Verarbeitung des Rohstoffes Holz und von Investitionen in diesen Bereich. Die Modellierung basiert auf den Daten der alle zehn Jahre erfolgenden Bundeswaldinventur. Sie wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft koordiniert, von den Ländern durchgeführt und vom Thünen-Institut wissenschaftlich koordiniert und ausgewertet.

Kontakt:
Karsten Dunger
Thünen-Institut für Waldökosysteme, Eberswalde
Tel: 03334 3820-328
Mail: karsten.dunger@ti.bund.de

Weitere Informationen:

https://bwi.info - Ergebnisdatenbank der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung und der dritten Bundeswaldinventur
http://www.bundeswaldinventur.de - Ausgewählte Ergebnisse der Bundeswaldinventur:
http://www.ti.bund.de/de/wf/verbundforschungsprojekt-weham-szenarien/ - Verbundprojekt WEHAM-Szenarien

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie