Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Teure Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Weizen

10.02.2011
Zusatzkosten übersteigen Aufwand für Forschung

Für jeden Franken, der für Forschung ausgegeben wurde, flossen zusätzlich 1.26 Franken in Schutz- und Biosicherheitsmassnahmen sowie in die behördliche Begleitung und Überwachung der Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Weizen an den Standorten Reckenholz und Pully. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung des Nationalen Forschungsprogramms «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» (NFP 59).

Vom Moratorium für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVP), welches kürzlich bis auf Ende 2013 verlängert wurde, ist die Forschung ausgenommen: Sie soll in dieser Zeit Erkenntnisse zu Nutzen und Risiken solcher Pflanzen gewinnen und diese der Politik als Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellen. Als Teil dieser Bemühungen fanden – im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramms «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen» (NFP 59) – in Reckenholz (ZH) und Pully (VD) Freilandversuche mit gentechnisch verändertem Weizen statt. Untersucht wurde, ob die im Labor festgestellte Resistenz dieser Pflanzen gegen die Pilzerkrankung Mehltau auch im Freiland besteht und welche Auswirkungen die Pflanzen auf die Umwelt haben.

Nun hat ein Team um Thomas Bernauer von der ETH Zürich die Kosten dieser Versuche unter die Lupe genommen. Die Resultate der Untersuchung sind soeben in der Fachzeitschrift «Transgenic Research» erschienen (*).

Hohe Zusatzkosten
Die Kosten, die zusätzlich zur reinen Forschungstätigkeit anfielen, definiert Bernauer als Mass für die Erschwerung der Forschungstätigkeit durch Opposition und staatliche Regulierung. Kostentreibend waren insbesondere der Schutz der Versuchsfelder vor Gewalteinwirkung, Massnahmen zur Vorbeugung von Auswirkungen des gentechnisch veränderten Weizens auf die Umwelt (Biosicherheit), sowie die behördliche Begleitung und Überwachung der Feldversuche.

Die Zusatzkosten – so zeigt die Untersuchung – übersteigen die Kosten für die Forschungstätigkeit im engeren Sinn deutlich: Für jeden in die Forschung investierten Franken wurden zusätzlich 78 Rappen in den Schutz vor Vandalismus, 31 Rappen für die Biosicherheit und 17 Rappen für die behördliche Begleitung und Aufsicht aufgewendet.

Einrichtung von «protected sites»
Ganz bewusst befasste sich das Team nicht mit der Frage, ob und in welchem Ausmass diese zusätzlichen Kosten sinnvoll und vertretbar sind. Solche normativen Bewertungen müsse das politische Entscheidungssystem der Schweiz vornehmen, sagt Bernauer. Hingegen weist die Studie auf Möglichkeiten hin, wie die Zusatzkosten zu senken wären: Weil der Löwenanteil der finanziellen Aufwendungen auf den Schutz der Versuchsfelder vor Vandalismus zurückzuführen ist, bietet sich zum Beispiel die Einrichtung von so genannten «protected sites» an – also permanenten, gut geschützten Versuchsfeldern. Diese erfordern anfangs zwar eine beträchtliche Investition, machen danach aber Freilandversuche wesentlich kostengünstiger.

«Ohne Kostenreduktionen lassen sich in Zukunft in der Schweiz wahrscheinlich keine Freilandversuche mehr durchführen», sagt Bernauer. Weil momentan eine breite Palette von Pflanzen mit verschiedensten Eigenschaften in Entwicklung seien, müsse sich die Politik aber sorgfältig überlegen, was es bedeute, diese neuen Pflanzen nicht in der Schweiz testen zu können.

(*) Government regulation and public opposition create high additional costs for field trials with GM crops in Switzerland Transgenic Research, doi: 10.1007/s.11248-011-9486-x

(als PDF beim SNF erhältlich; E-Mail: pri@snf.ch)

Kontakt:
Prof. Thomas Bernauer
Zentrum für Vergleichende und Internationale Studien und
Institut für Umweltentscheidungen
ETH Zürich
Haldeneggsteig 4
8092 Zürich
Tel.: ++41 79 770 49 16
E-Mail: thbe0520@ethz.ch
Nationales Forschungsprogramm «Nutzen und Risiken der Freiset-zung gentechnisch veränderter Pflanzen» (NFP 59)
Im Rahmen des NFP 59 untersuchen Forschende in insgesamt 29 For-schungsprojekten die Nutzen und Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen in Bezug auf die ökologischen, sozialen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Verhältnisse in der Schweiz. Die Projekte starteten in der zweiten Jahreshälfte 2007 und schliessen bis Ende 2011 ab. Die Gesamtsynthese des Forschungsprogramms wird in der zweiten Jahreshälfte 2012 vorliegen.

www.nfp59.ch

Presse- und Informationsdienst SNF | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics