Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Suche nach Stecknadel im Heuhaufen erfolgreich – Gen für Virusresistenz in Gerste isoliert

28.01.2014
Forschern des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) und des Julius Kühn-Instituts (JKI) ist es gelungen aus den ca. 5,1 Mrd. Basenpaaren des Gerstegenoms, welches deutlich größer ist als das Genom des Menschen (3 Mrd. Basenpaare), ein einzelnes Gen zu isolieren, welches für die Resistenz gegen Gelbmosaikviren verantwortlich ist.

Gerste (Hordeum vulgare L.) ist weltweit eine der bedeutendsten Kulturarten. Insbesondere in Europa und Asien verursachen jedoch die Viren des Gelbmosaikviruskomplexes (Bymoviren) erhebliche Ertragsverluste von bis zu 50%, die aufgrund der Übertragung der Viren durch einen bodenbürtigen Pilz mit Pflanzenschutzmitteln nicht verhindert werden können.


Gelbmosaikvirusresistente (Mitte) und anfällige Gerste (rechts/links) auf einem BaMMV/BaYMV-Befallsstandort gegen Ende des Winters. ()

Quelle: Antje Habekuß/Julius Kühn-Institut

Forschern um Dr. Nils Stein (Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung, IPK) und Dr. Frank Ordon (Julius Kühn-Institut, JKI) ist es nun gelungen aus den ca. 5,1 Mrd. Basenpaaren des Gerstegenoms, welches damit deutlich größer ist als das Genom des Menschen (3 Mrd. Basenpaare), ein einzelnes Gen zu isolieren, welches für die Resistenz gegen diese Viren verantwortlich ist.

Gefördert durch das Bundesforschungsministerium (BMBF), gelang es den beteiligten Forschergruppen zu zeigen, dass natürlich auftretende Defekte (Deletionen, Basenaustausche) in dem Gen HvPDIL5-1, das für das Protein Disulfid Isomerase kodiert, für die Resistenz der Gerste gegenüber Barley yellow mosaic virus (BaYMV) und Barley mild mosaic virus (BaMMV) verantwortlich sind. Das Gen liegt auf dem vierten Gerste-Chromosom. Insgesamt besitzt Gerste sieben Chromosomen. Die Disulfid Isomerasen sind für die korrekte Faltung von Eiweißen verantwortlich und hoch konserviert im Pflanzen- und Tierreich. Möglicherweise stellen sie daher universelle Anfälligkeitsfaktoren für Virusinfektionen in unterschiedlichen Organismen dar – ihr Funktionsverlust bewirkt Resistenz, weil virale Eiweiße nicht mehr korrekt gefaltet, stabilisiert oder transportiert werden und das Virus seinen Entwicklungszyklus so nicht mehr vollenden kann.

Mit der Isolierung dieses Gens konnte somit ein neuer Resistenzmechanismus gegen pflanzenpathogene Viren identifiziert werden, der zukünftig eine zielgerichtete Züchtung auf Resistenz gegen Bymoviren in Gerste, aber u.U. auch in anderen Pflanze-Virus-Krankheitssystemen ermöglicht.

Einzelheiten zur Isolation dieses Gens wurden Anfang dieses Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), USA, veröffentlicht.

Hintergrundinfo zur Gelbmosaikvirose der Gerste und ihre Bedeutung in Deutschland:

Gerste ist mit insgesamt ca. 1,57 Mio ha Anbaufläche in 2013, von denen ca. 360.000 ha auf Sommergerste entfallen, die nach Weizen bedeutendste Getreideart in Deutschland. Während Sommergerste insbesondere als Rohstoff in der Brauerei genutzt wird, dient Wintergerste überwiegend als Futtermittel. Die Gelbmosaikvirose der Gerste, die durch verschiedene Stämme des Barley yellow mosaic virus (BaYMV) und des Barley mild mosaic virus (BaMMV) verursacht wird, wurde erstmals 1978 in Deutschland nachgewiesen. Seit dieser Zeit hat sie sich, bedingt durch eine ständige Ausweitung der Befallsflächen und aufgrund erheblicher Ertragsverluste, die durchaus im Bereich von 40-50% liegen können, zu einer der bedeutendsten Krankheiten der Wintergerste entwickelt. Neben deutlichen züchtungsbedingten Ertragssteigerungen über die vergangenen Jahrzehnte ist es der Gerstenzüchtung gelungen, Resistenz gegen die Gelbmosaikvirose in deutsche Sorten einzulagern, so dass heute der überwiegende Teil der zugelassenen Wintergerstesorten resistent ist. Dies erlaubt einen ökonomisch sinnvollen Wintergerstenanbau auf Befallsflächen, was auch der weiteren Einengung der Fruchtfolge entgegenwirkt. Gegenüber dieser Resistenz, welche auf Mutationen in dem auf Chromosom 3 der Gerste lokalisierten Gen Hv-eiF4E beruht, wie von der obengenannten Forschergruppe bereits 2005 gezeigt werden konnte, sind jedoch inzwischen virulente BaMMV und BaYMV aufgetreten, so dass in der Nutzung von HvPDIL5-1 bzw. in der markergestützten Kombination beider Gene, die an unterschiedlichen Stellen in den Entwicklungszyklus der Viren eingreifen, eine Option zu sehen ist, den Wintergerstenanbau in Deutschland langfristig zu sichern.

Ihre wissenschaftlichen Ansprechpartner:
Dr. Nils Stein
Abteilung Genbank / Leiter der Arbeitsgruppe Genomdiversität
Vorsitzender des International Barley Genome Sequencing Consortium (IBSC),
Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung
Corrensstraße 3, 06466 Stadt Seeland/OT Gatersleben
Tel.: 039482-5522
E-Mail: stein(at)ipk-gatersleben.de
Dir. u. Prof. Prof. Dr. Frank Ordon
Julius Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Leiter des Institutes für Resistenzforschung und Stresstoleranz
Erwin-Baur-Str. 27
06484 Quedlinburg
Tel.: 03946-47601
E-Mail: frank.ordon(at)jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft
06.12.2016 | Steinbeis-Europa-Zentrum

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie