Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stand der Zulassungen von Neonikotinoid-haltigen Saatgutbehandlungsmitteln

02.04.2009
Die Zulassungen von Saatgutbehandlungsmitteln für Mais mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Neonikotinoide, namentlich Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam, ruhen weiterhin.

Am 15. Mai 2008 hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aufgrund der gravierenden Bienenvergiftungen in Süddeutschland das Ruhen angeordnet.

Am 11. Februar 2009 hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in einer Eilverordnung das Inverkehrbringen und die Aussaat von Maissaatgut geregelt, das mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln behandelt ist. Diese Eilverordnung sieht ein vollständiges Verbot der Einfuhr und des Inverkehrbringens sowie der Aussaat von Maissaatgut vor, welches mit Clothianidin, Imidacloprid oder Thiamethoxam behandelt wurde. Aus Vorsorgegründen erteilt das BVL zurzeit ebenfalls keine weiteren Zulassungen oder Zulassungsverlängerungen für Saatgutbehandlungsmittel mit Neonikotinoiden für andere Saaten.

Stand der Entwicklung
Im vergangenen Jahr vereinbarte das BVL gemeinsam mit der Industrie eine Qualitätssicherung für Maissaatgut und die Umrüstung von Sägeräten zur Minderung der Staubemission. Zu diesem Zweck hat das BVL in Zusammenarbeit mit dem Julius Kühn-Institut (JKI) einen Grenzwert für die Abriebfestigkeit von Saatgutbehandlungsmitteln an Maissaatgut in Höhe von 0,75 g Staub pro 100000 Korn festgelegt. Für Sägeräte gilt eine Minderung der Emission von Stäuben in Höhe von 90 % (nach einer Messvorschrift des JKI). Nur Sägeräte, die diese Norm erfüllen, werden in einer Liste des JKI geführt und dürfen für die Aussaat von Maissaatgut, das mit einem zugelassenen Insektizid gebeizt ist, verwendet werden. Die im Jahr 2008 erarbeiteten Daten zu Abrieb und Emission belegen die technische Machbarkeit einer Minderung der Exposition von Nichtzielorganismen auf angrenzenden Flächen um 99 % im Vergleich zur Maisaussaat im Frühjahr 2008.

Am 25. Juni 2008 hatte das BVL das Ruhen der Zulassungen von Saatgutbehandlungsmitteln für die Behandlung von Raps aufgehoben und dies mit einem Aussaatmonitoring verbunden. Die Ergebnisse dieses Monitorings stützen die Entscheidung des BVL: Es ergaben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass die Anwendung von Saatgutbehandlungsmitteln aus der Gruppe der Neonikotinoide an Rapssaatgut im Jahr 2008 zu einer Gefährdung von Honigbienen geführt hat. Sämtliche Staubwerte lagen deutlich unterhalb der bekannten Effektschwellen für Clothianidin bzw. Thiamethoxam. Aus Vorsorgegründen wird das BVL aber auch für Rapssaatgut noch weitergehende Regelungen zur Abriebfestigkeit und Staubfreiheit festlegen.

In Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. (BDP) wurde für die Saison 2009 ein Leitfaden für die Praxis zum Umgang mit behandeltem Saatgut erstellt, in dem Landwirte explizit aufgefordert werden, Maßnahmen zum Schutz der Honigbiene zu berücksichtigen.

Weiterer Forschungsbedarf
In den vergangenen Monaten wurde weiterer Forschungsbedarf aufgezeigt, der abgearbeitet werden muss. Hier sind vorrangig die Festlegung von Grenzwerten für die Abriebfestigkeit (Bestimmung des Feinstaubanteils von mit Pflanzenschutzmitteln behandeltem Saatgut mit Hilfe des Heubachtestes) für verschiedene Sorten und Kulturen, die notwendigen technischen Verbesserungen bei der Saatgutbehandlung und -reinigung, die Überprüfung der Drilltechnik (mechanische Systeme, pneumatische Saugluft- / Druckluftsysteme) im Hinblick auf die Emission von Stäuben sowie die Höhe der Driftwerte von Stäuben zu nennen. Der gegenwärtig intensiv diskutierte mögliche Expositionspfad über Guttation wird mit besonders hoher Priorität untersucht. D. h. es wird überprüft, in wie weit über die Ausscheidung von Wassertropfen durch Pflanzen eine Gefährdung von Bienen und anderen Nichtzielorganismen durch systemische Insektizide unter natürlichen Bedingungen möglich ist.
Vor dem Hintergrund der Informationen und neuen Daten aus dem Jahr 2008 zu Staubgehalten in Saatgutverpackungen wird die Anwendungssicherheit für Anwender, Umstehende und Anwohner durch wirkstoffbeladene Abriebstäube zum Zeitpunkt der Aussaat neu bewertet.

Die Abarbeitung des genannten Forschungsbedarfes wird von verschiedenen Stellen zurzeit aktiv betrieben. Von den Ergebnissen wird es abhängen, ob und ggf. für welche Saaten und unter welchen Bedingungen Neonikotinoide zukünftig zugelassen werden können.
Weiterführende Informationen
Die Berichte zu Pflanzenschutzmitteln 2008 - Sachstandsbericht zu den Bienenvergiftungen durch insektizide Saatgutbehandlungsmittel in Süddeutschland 2008 finden Sie unter http://www.bvl.bund.de/infomaterial.

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat am 11. Februar 2009 die Verordnung über das Inverkehrbringen und die Aussaat von mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln behandeltem Maissaatgut erlassen Die Verordnung finden Sie hier: http://bundesrecht.juris.de/maispflschmv/BJNR502300009.html.

Jochen Heimberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.bvl.bund.de/infomaterial
http://bundesrecht.juris.de/maispflschmv/BJNR502300009.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Arten verschwinden, Pflanzenfraß bleibt
07.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht DFG-Projekt: Biodiversität, Interaktion und Stickstoffkreislauf in Grünlandböden
31.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie