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Stand des biologischen Pflanzenschutzes in Deutschland - Julius Kühn-Institut publiziert Bericht

16.07.2014

Die Stärkung des biologischen Pflanzenschutzes ist ein erklärtes politisches Ziel der Bundesregierung und der Länder. Biologische Verfahren bekämpfen Schädlinge und Krankheitserreger mit einer hohen Selektivität.

Dabei gefährden sie Mensch und Naturhaushalt kaum. Sie sind daher auch ein wichtiges Instrument des Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP), um die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.

Der jetzt in der Schriftenreihe „Berichte aus dem Julius Kühn-Institut“ publizierte „Statusbericht Biologischer Pflanzenschutz 2013“ wurde in Zusammenarbeit mit den Pflanzenschutzdiensten der Länder vom Julius Kühn-Institut (JKI) zusammengestellt.

Der Bericht enthält auf über 100 Seiten Daten zum Stand biologischer Pflanzenschutzverfahren in der Praxis in den Jahren 2009 und 2010. Die erhobenen Daten zeigen, dass biologische Pflanzenschutzverfahren im Ökologischen Anbau wie auch im Integrierten Anbau vieler Kulturpflanzen inzwischen fest etabliert sind.

In den vergangenen 10 Jahren hat ihr Anteil je nach Kultur mehr oder weniger stark zugenommen. Unter die Lupe genommen wurde die Anwendung von zulassungspflichtigen biologischen Pflanzenschutzmitteln (Insektenviren, Bakterien, Pilze, Naturstoffe und Pheromone), Nützlingen (z. B. Insekten, Milben, Nematoden) und Pflanzenstärkungsmitteln.

Biologische Verfahren werden vor allem zur selektiven Bekämpfung von Schadinsekten in Gewächshauskulturen (z. B. im Gemüse- und Zierpflanzenanbau) eingesetzt. Ohne sie wäre heute der Anbau von Tomaten, Gurken oder Paprika hier nicht mehr möglich.

So wurden z. B. 2010 auf einer Gewächshausfläche von 2 750 ha Schlupfwespen gegen Blattläuse oder Weiße Fliegen und auf 1 800 ha Raubmilben gegen Spinnmilben ausgebracht. Bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten spielen biologische Verfahren bisher nur eine geringe und bei der Bekämpfung von Unkräutern überhaupt keine Rolle.

Im Freiland werden insgesamt weitaus weniger biologische Verfahren verwendet, dann allerdings auf wesentlich größeren Flächen. So setzten Landwirte die nützliche Schlupfwespe Trichogramma 2010 auf ca. 22 500 ha Mais zur Maiszünslerbekämpfung ein. Das Apfelwicklergranulovirus wird mittlerweile auf ca. 30 % der Apfelanbaufläche zur Bekämpfung der Obstmade ausgebracht.

Fest etabliert ist auch die Verwirrtechnik mit Pheromonen. Diese wird auf 60 000 ha, d. h. 60 % der Weinanbaufläche gegen den Einbindigen und den Bekreuzten Traubenwickler und auf ca. 10 % der Apfelanbaufläche gegen den Apfelwickler eingesetzt wird. Entsprechende Agrarumweltmaßnahmen ermöglichen einen finanziellen Ausgleich für den höheren Aufwand im Vergleich zu chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen.

„Die Anwendung biologischer Verfahren hat seit der letzten Erhebung im Jahr 2003 in einigen Bereichen deutlich zugenommen, es ist aber noch viel Luft nach oben“, so Prof. Johannes Jehle, Leiter des JKI-Instituts für Biologischen Pflanzenschutz. So wünschen sich die Praktiker vor allem verbesserte Verfahren, um Blattläuse und Thripse in verschiedenen Gewächshaus- und Freilandkulturen zu bekämpfen.

Die biologische Bekämpfung neu eingeschleppter, invasiver Schaderreger ist ebenfalls schwierig, da hier erst natürliche biologische Gegenspieler gefunden bzw. biologische Mittel entwickelt werden müssen. Und dies dauert wegen deren hohen Selektivität oft länger als bei chemischen Mitteln mit ihrer größeren Wirkungsbreite.

Müssen biologische Mittel zugelassen werden, scheitert die Einführung in die Praxis meist an den hohen Zulassungskosten, da die Produkte aufgrund ihrer selektiven Wirkung nur für einen kleinen Markt ausgelegt sind. Offensichtlich ist aufgrund der Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre, dass biologische Verfahren ein MEHR an Beratung benötigen und das Personal in den Betrieben entsprechend geschult werden muss. „Hier sollten weitere Anreize geschaffen werden, dass sich diese Situation in den kommenden Jahren verbessert. Dann könnte sich der biologische Pflanzenschutz in Deutschland besser etablieren“, so das Resümee von Prof. Jehle.

Hintergrundinformation:
Die Daten für den vorliegenden „Statusbericht Biologischer Pflanzenschutz“ wurden im Wesentlichen von den Pflanzenschutzdiensten der Länder auf freiwilliger Basis erhoben und zur Verfügung gestellt. In die Erhebung gingen auch Absatzzahlen von biologischen Pflanzenschutzmitteln von zahlreichen Zulassungsinhabern und Nützlingsproduzenten bzw. –vertriebsfirmen ein. Das Julius Kühn-Institut bzw. seine Vorgängereinrichtung, die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, dokumentierten vor Jahren (1995, 2000 und 2003) den Umfang des biologischen Pflanzenschutzes in Deutschland. Der neue Bericht kann kostenfrei von der Website des JKI heruntergeladen werden.

Ziele von Agrarumweltmaßnahmen sind neben dem Klimaschutz die Erhaltung oder die Verbesserung der biologischen Vielfalt, die Verbesserung der Bodenstruktur und die Verringerung der Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinträge. Zahlreiche biologische Pflanzenschutzverfahren bedienen diese Schutzziele und können gefördert werden.

Weitere Informationen:

http://pub.jki.bund.de/index.php/BerichteJKI/issue/archive - Statusbericht Biolog. Pflanzenschutz
http://www.nap-pflanzenschutz.de - Nationaler Aktionsplan ... Pflanzenschutz (NAP)
http://www.bmelv.de/DE/Landwirtschaft/Foerderung-Agrarsozialpolitik/_Texte/Agrar... - Agrarumweltmaßnahmen

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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