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Schwarzrost an Weizen könnte in Deutschland zur Problemkrankheit werden

29.04.2014

Analysen des Julius Kühn-Instituts (JKI) weisen Rostpilzrassen mit hoher Virulenz in den Proben von deutschen Weizenfeldern aus dem Jahr 2013 nach. Aufgrund höherer Frühsommertemperaturen treten Schwarzrost-Epidemien in Zukunft häufiger auf, auch weil die Sporen, die mit dem Wind nach Europa getragen werden, die milden Winter vermutlich besser überleben.

Im Frühsommer 2013 trat in Deutschland zum ersten Mal seit Jahrzehnten Schwarzrost bei Weizen auf. Das Julius Kühn-Institut (JKI) sammelte daraufhin Proben. Gemeinsam mit Partnern vom United States Department of Agriculture in Minnesota und der dänischen Aarhus-Universität konnten die beteiligten Pilzrassen identifiziert werden. Demnach waren hauptsächlich zwei Rassen für die Epidemie in Deutschland verantwortlich.


Symptom Schwarzrost an alter Weizensorte

K.Flath/Julius Kühn-Institut

Die gefürchtete Rasse Ug99 war nicht dabei. Diese Ergebnisse stellte Dr. Kerstin Flath vom Julius Kühn-Institut erstmals bei der Jahrestagung der Borlaug Global Rust Initiative (BGRI) vor http://borlaug100.org/. Die Tagung fand vom 25. bis 28. März in Mexiko statt und ist die Plattform für Forscher, die sich mit Rosterkrankungen an Weizen − Braunrost, Gelbrost und Schwarzrost − befassen. Der Krankheitsausbruch in Deutschland hatte zur Einladung der JKI-Wissenschaftlerin geführt.

„Ursachen für den Ausbruch in Deutschland waren die hohen Temperaturen im Juni 2013 sowie die ungewöhnlich späte Entwicklung des Winterweizens aufgrund des kühlen Frühjahrs“, sagt Dr. Flath. 90 Weizenproben mit Schwarzrost hatten Pflanzenzüchter und Pflanzenschutzämter u. a. aus Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt eingesendet.

Trotz der aufwändigen Bestimmung der Pilzrassen ist der größte Teil der Proben inzwischen untersucht worden. Demnach sind die weltweit gefürchtete Rasse Ug99 und ihre Abkömmlinge nicht am Ausbruch in Deutschland beteiligt. Allerdings sind auch die festgestellten Rassen hochvirulent, d. h. sie konnten eine Vielzahl von vormals resistenten Weizensorten befallen.

„Von den 15 meist angebauten deutschen Weizensorten hatten nur zwei in unseren Blatttests den Erregern etwas entgegen zu setzen“, berichtet Dr. Flath. Sollten die diesjährigen Feldversuche die Labortests bestätigen, stehen die deutschen Landwirte vor neuen Herausforderungen.

„Alles deutet darauf hin, dass Schwarzrost-Epidemien in Deutschland aufgrund höherer Frühsommertemperaturen in Zukunft häufiger auftreten, auch weil die Sporen, die mit dem Wind nach Europa getragen werden, die milden Winter vermutlich überleben können“, so Dr. Kerstin Flath. Die Erreger, die erst nach der letzten Pflanzenschutzmittelgabe einfliegen, entziehen sich der regulären Fungizidbehandlung.

„Neue resistente Sorten wären deshalb ein guter Ansatz, die Schwarzrostpilze zu bekämpfen“, so das Fazit der JKI-Wissenschaftlerin. Dafür müssten Resistenzgene aus internationalen Sortimenten, die noch wirksam gegen die festgestellten Hauptrassen sind, in deutsche Weizensorten eingekreuzt werden. Diese Herangehensweise deckt sich auch mit den Arbeiten der JKI-Züchtungsforschung, deren Ziel es ist, neue wirksame Resistenzgene zu identifizieren und sie über molekulare Marker den Züchtungsunternehmen zugänglich zu machen.

Kontakt:
Dr. Kerstin Flath
Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland
Stahnsdorfer Damm 81, 14532 Kleinmachnow
Tel.:033203-48 236
E-Mail: kerstin.flath(at)jki.bund.de

Hintergrundinfo zur Borlaug Global Rust Initiative (BGRI):

Die Borlaug Global Rust Initiative (BGRI) wurde 2005 auf Anraten des international bekannten Pflanzenzüchters und Friedensnobelpreisträgers Dr. Norman E. Borlaug gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus allen Kontinenten, die sich der Aufgabe verschrieben haben, weltweit die Populationen der drei Rostarten Schwarz-, Gelb- und Braunrost zu beobachten, Epidemien zu analysieren und vor allem Gegenmaßnahmen zu treffen, da Rostkrankheiten, insbesondere in Entwicklungsländern, zu massiven Ernteverlusten und Hungersnöten führten.

Weiterführende Informationen:
Welchen Stellenwert der Kampf gegen Rostkrankheiten in der internationalen Entwicklungshilfe hat, zeigt sich auf den Seiten des UN-Informationsdienstes IRIN. Die Integrated Regional Information Networks greifen die auf der Borlaug-Konferenz präsentierten Ergebnisse in ihrem aktuellen Bericht auf, siehe dazu: http://www.irinnews.org/report/99877/mutant-wheat-fungus-alarms-food-experts

Stefanie Hahn | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

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