Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwanzbeißen bei Schweinen - Nicht nur eine Frage von Langeweile

12.10.2011
Schwanzbeißen stellt ein großes Problem in der Schweinehaltung dar. Artgenossen beißen und verletzen sich gegenseitig.

Eine Maßnahme gegen das Schwanzbeißen war das Kürzen (Kupieren) der Schwänze bei Ferkeln, wobei damit nicht die Ursache für dieses Verhalten beseitigt wird.

Seit 2008 darf nach aktuellem EU-Recht und nach der aktuellen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen nicht mehr routinemäßig durchgeführt werden, sondern nur noch in begründeten Ausnahmefällen.

Als eine Ursache für das Schwanzbeißen gelten Charakter- und Verhaltensmerkmale, die sich in aggressivem und gestresstem Verhalten untereinander äußern. Langeweile und Beschäftigungsmangel fördern dieses Verhalten. Frühes Absetzen beispielsweise führt dazu, dass das Saugbedürfnis auf andere Körperteile, meistens die Schwänze, von Artgenossen umgeleitet wird. Diese Art des verhaltensbedingten Schwanzbeißens wird in einem Beitrag der "Tierärztlichen Umschau" als primärer Kannibalismus bezeichnet.

Eine Schlüsselrolle nimmt nach Ansicht der Autoren aus dem Landwirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen aber der so genannte sekundäre Kannibalismus ein. Dieser kann als Ausdruck einer überforderten Anpassungsfähigkeit der Schweine an moderne Haltungs- und Fütterungsbedingungen angesehen werden. Mangelndes Sättigungsgefühl und Störungen der Magen-Darm-Gesundheit führen zu vermehrter Unruhe und Aggressionen.

Hochenergetisches Futter, meist flüssig verabreicht, versorgt die Tiere zwar optimal mit Energie, sättigt aber nicht nachhaltig. Flüssigfutter passiert den Magen innerhalb weniger Minuten, während rohfaserreiche Nahrung über Stunden im Magen verbleibt. Nach Ansicht der Autoren führen die heutigen Fütterungsformen zu artuntypischem Futteraufnahmeverhalten und können Fehlverhalten wie Schwanzbeißen oder Flankenbeißen bei Artgenossen fördern.

Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt vor, dass jedes Schwein jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem Beschäftigungsmaterial haben muss. Dazu eignen sich nach der EG-Richtlinie u. a. Heu, Holz oder Stroh. Ergänzende Gaben von Strukturmaterial in Form von Raufutter, Rübenschnitzel oder Silage können sich positiv auf das Verhalten der Tiere auswirken. Neben der Fütterung sind die Haltungsbedingungen zu optimieren und auch in der Züchtung sollten Verhaltensmerkmale Berücksichtigung finden.

Nach Nordrhein-Westfalen verlangt künftig auch Niedersachsen von jedem Ferkelaufzucht- und Mastbetrieb eine tierärztliche Bescheinigung als Voraussetzung für ein Kupieren der Schwänze. Niedersachsen hat dazu kürzlich ein Merkblatt herausgegeben, das u. a. beschreibt, was Tierhalter vorbeugend gegen Schwanzbeißen tun können. Es ist Teil des "Tierschutzplans Niedersachsen".

Renate Kessen | www.aid.de
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics