Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Russische Weizenproduktion – Vorteile durch Subventionen und niedrige Pachten

19.08.2013
agri benchmark Cash Crop Conference in Russland

Viele westliche Weizenanbauer machen sich Gedanken über die zukünftige Konkurrenz durch russische und ukrainische Agrarunternehmen. Um sich vor Ort über aktuelle Entwicklungen im russischen Ackerbau zu informieren fand vom 1. bis 4. Juli die jährliche agri benchmark Cash Crop Conference in Woronesch, Russland, statt.

Die aktuellen agri benchmark-Ergebnisse von überdurchschnittlich gut geführten, großen russischen und ukrainischen Agrarbetrieben zeigen, dass deren Hauptvorteil die niedrigen Pachten sind. Die Kosten für Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmittel sind hingegen pro Tonne nicht erheblich geringer als in gut bewirtschafteten Betrieben der EU, den USA oder Australiens. Auf der Konferenz schälten sich die folgenden Faktoren heraus, die für die russische und ukrainische Weizenproduktion charakteristisch sind:

• Erheblich geringere Erträge (zumindest verglichen mit großen Teilen der EU),
• Eher niedrige Arbeitsproduktivität, was die sehr niedrigen Löhne kompensiert,
• Relativ schlechte Produktivität der eingesetzten Düngemittel.
Flächenpreise und -pachten betragen hingegen nur 1/10 oder noch weniger von dem, was Landwirte in vergleichbaren Teilen der Welt zahlen.

„Niedrige Pachten sind ein Zeichen dafür, dass es keine so große Konkurrenz gut ausgebildeter Landwirte mit Zugang zu Kapital gibt wie zum Beispiel in Brasilien, der EU oder den USA“, sagt Dr. Yelto Zimmer, Agrarökonom am Braunschweiger Thünen-Institut für Betriebswirtschaft und Koordinator des Netzwerks. Außerdem deuten sie auf hohe Investitionsrisiken hin.

Gleichzeitig wird die russische Landwirtschaft massiv von der Politik unterstützt – die Summe aller politischen Unterstützungsmaßnahmen ist auf demselben Niveau wie in der EU. Im Durchschnitt der letzten Jahre waren die betrieblichen Agrarsubventionen sogar höher als die Gewinne. Ein Großteil dieser Subventionen wird bisher als Zinszuschuss gezahlt. Dadurch werden die Produzenten ermutigt, stark in neue Maschinen zu investieren. In der Folge haben sich die Betriebe seit 2005 stark verschuldet (+ 250 %), und das, obwohl die Gewinne erheblich zugenommen haben (+120 %).

Der Beitritt Russlands zur WTO in 2012 wird zu einem Umbruch in der Subventionspolitik führen, da Zinszuschüsse und Förderungen für Düngemittel und Diesel zumindest teilweise abgeschafft werden. Gleichzeitig dürfte die russische Ölsaaten-Produktion und deren Export einen zusätzlichen Boom erfahren, weil die derzeitigen Exportzölle für Sonnenblumen und Raps um etwa zwei Drittel auf 6,5 % gesenkt und für Sojabohnen komplett abgeschafft werden.

---
agri benchmark Cash Crop ist ein weltweites Non-Profit-Netzwerk von Agrarökonomen, die sich zum Ziel gesetzt haben, praxisrelevante Informationen und Analysen der Entwicklungen der weltweiten Agrarproduktion zu erarbeiten. Es wird vom Thünen-Institut und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) koordiniert. Ausführliche Informationen erhalten Sie unter http://agribenchmark.org/cash_crop.html
Weitere Informationen:
Dr. Yelto Zimmer, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig
E-Mail: yelto.zimmer@ti.bund.de, Tel.: +49 531 596 5155

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut
Weitere Informationen:
http://agribenchmark.org/cash_crop.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten