Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Resistente Maiswurzelbohrer in den USA

19.03.2012
Fruchtwechsel, Insektizide, Gentechnik: Wissenschaftler fordern integrierte Schädlingsbekämpfung

In mehreren US-Bundesstaaten werden Maiswurzelbohrer resistent gegen ein Bt-Protein, das von bestimmten gentechnisch veränderten Bt-Maissorten produziert wird. 22 führende Wissenschaftler, die sich mit Schädlingsbekämpfung im Maisanbau beschäftigen, wandten sich deshalb Anfang März in einem gemeinsamen Brief an die US-Umweltbehörde EPA.

Sie kritisieren unter anderem ein unzureichendes Resistenzmanagement und die Vermarktungsstrategien der großen Firmen. Die Wissenschaftler plädieren für eine integrierte Schädlingsbekämpfung, die auch den Anbau von Bt-Mais umfasst.

Maiswurzelbohrerlarven an der Wurzel einer Maispflanze

Sind die Wurzeln durch Larvenfraß beschädigt, verlieren die Maispflanzen ihre Standfestigkeit und kippen um.

2011 erschienen die ersten wissenschaftlichen Veröffentlichungen, in denen Funde von resistenten Maiswurzelbohrern im Mittleren Westen der USA beschrieben wurden. Für Wissenschaftler kam diese Resistenzentwicklung nicht überraschend, da lange bekannt war, dass die Konzentration von Cry3Bb1 - ein speziell gegen den Maiswurzelbohrer gerichtetes Bt-Protein - in den entsprechenden gentechnisch veränderten Maissorten relativ niedrig ist. Das birgt das Risiko, dass nicht alle Schädlinge abgetötet werden und sich bei den überlebenden Resistenzen entwickeln. Andere Bt-Proteine in anderen Maissorten, etwa Cry1Ab in MON810-Pflanzen, werden dagegen in Konzentrationen gebildet, bei denen die vollständige Abtötung der Schädlinge gesichert ist. In Kombination mit ausreichend großen Ausweichflächen für die Schadinsekten, so genannten Refugien, konnte das die Resistenzbildung gegen Bt-Proteine in den letzten 15 Jahren aufhalten.

In ihrem Brief an die EPA vom März 2012 betonen die 22 Verfasser, das Bt-Konzept habe seit seiner Einführung einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, dass der Einsatz von Insektiziden verringert und die Einkommen von Landwirten gesteigert werden konnten. Es handele sich grundsätzlich um eine effektive und umweltverträgliche Methode zur Schädlingsbekämpfung. Eine Ursache für die Resistenzentwicklung beim Maiswurzelbohrer sehen sie in dem oft jahrelangen ununterbrochenen Anbau von Sorten mit ein und demselben Bt-Protein, eine andere in zu kleinen Refugienflächen. 2003 hatten einige US-Wissenschaftler von der EPA gefordert, für Cry3Bb1-produzierende Maissorten Refugienflächen von 50 Prozent vorzuschreiben, die EPA schrieb jedoch nur 20 Prozent vor. Im Zuge der Einführung von Maissorten mit Stacked genes, die noch ein anderes gegen den Maiswurzelbohrer gerichtetes Bt-Protein enthalten, wurde der vorgeschriebene Anteil der Refugienflächen weiter verkleinert und liegt heute bei zehn Prozent.

Die Wissenschaftler kritisieren außerdem, dass die neuesten Maissorten mit den höchsten Ertragspotenzialen fast ausschließlich als gentechnisch veränderte Varianten mit einem oder mehreren Bt-Genen angeboten werden. Das sei ein Hauptgrund dafür, dass Bt-Mais auch in Gegenden angebaut werde, in denen der Schädlingsbefall gering und der Anbau von Bt-Pflanzen eigentlich nicht angezeigt sei. Damit werde der Entwicklung resistenter Schädlinge Vorschub geleistet. Der wirtschaftliche Vorteil, den Bt-Mais eigentlich bringe, werde zunichte gemacht, wenn die Landwirte zusätzlich Insektizide einsetzen müssen.

Bei der Schädlingsbekämpfung könne man sich nicht langfristig auf eine einzige Methode stützen, schreiben die 22 Wissenschaftler. Sie plädieren für eine integrierte Schädlingsbekämpfung, die auf Maßnahmen wie Fruchtwechsel, den Einsatz von Insektiziden und auch den Anbau von Bt-Mais setzt.

Barbara Löchte | bioSicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.genius.de
http://www.biosicherheit.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics