Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Reisproduktion in Südostasien unter wirtschaftlichem Druck

21.11.2014

Ein neuer agri benchmark Bericht analysiert wirtschaftliche Herausforderungen landwirtschaftlicher Betriebe in wesentlichen Reisregionen Südostasiens

Wird es in Zukunft schwierig sein, Arbeiter für die Reisfelder zu bezahlen, wenn die in den Städten mehr Geld verdienen können? Ist Reis auch künftig die profitabelste Kultur oder gibt es andere Feldfrüchte, mit denen Landwirte mehr Gewinn erzielen können?


Um diese und andere Fragen zu beantworten, haben Agrarökonomen aus Thailand, Vietnam, Kambodscha, Myanmar und Laos gemeinsam mit dem agri benchmark Cash Crop Team des Braunschweiger Thünen-Instituts für Betriebswirtschaft ein Expertennetzwerk „Reis“ aufgebaut. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) unterstützt die Partner finanziell bei der Datenerhebung von typischen Betrieben für das agri benchmark Reis Netzwerk. Der Bericht kann unter www.agribenchmark.org/cash-crop/publications-and-projects0/reports.html  heruntergeladen werden.

Wettbewerb um Arbeitskräfte gewinnt an Bedeutung

Reis-Produktionssysteme in Südostasien sind sehr arbeitsintensiv. Auch wenn wichtige Arbeitsschritte z.B. in thailändischen Betrieben schon mechanisiert sind, werden in der Reisproduktion mehr als 200 Arbeitsstunden pro Hektar eingesetzt. Europäische Weizenproduzenten benötigen im Vergleich nur ca. 10 Arbeitsstunden pro Hektar. Aufgrund des Wirtschaftswachstums im Industrie- und Dienstleistungssektor sind die Löhne in den untersuchten südostasiatischen Regionen in den letzten Jahren stark gestiegen. Daher stehen die Landwirte als Arbeitgeber vor der Herausforderung, wie sie auf den Arbeitsmärkten wettbewerbsfähig bleiben.

Um dieses Thema beurteilen zu können, vergleicht die agri benchmark Studie die Gewinne, die in der Reisproduktion pro Stunde erzielt werden, mit derzeitig gezahlten Löhnen. Während in typischen thailändischen Betrieben die Entlohnung mit ca. 3,50 USD pro Stunde am höchsten ist, liegt dieser Wert mit etwa 0,35 USD pro Stunde in typischen Betrieben in Kambodscha und Myanmar am niedrigsten. Dies entspricht den aktuellen Lohnsätzen, die im Industrie- und Dienstleistungssektor in den analysierten Regionen gezahlt werden. Da davon auszugehen ist, dass nicht-landwirtschaftliche Lohnsätze weiterhin so steigen wie bisher, wird die Erhöhung der Arbeitsproduktivität im Reisanbau eine wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste Herausforderung der Zukunft sein.

Die Arbeitsproduktivität lässt sich u.a. dadurch steigern, dass arbeitsintensive Tätigkeiten an Lohnunternehmer vergeben werden, die Maschinen anstelle von Handarbeit nutzen. Eine der Co-Autorinnen der Studie, Tanja Möllmann vom Thünen-Institut, betont, dass „dieses Thema für das agri benchmark Netzwerk sehr wichtig ist und dass wir unser Wissen darüber ausweiten werden. Gerade mögliche Herausforderungen bei der vermehrten Inanspruchnahme von Lohnunternehmen und die entsprechenden Lösungen sind Schwerpunkte unserer zukünftigen Arbeit.“

Attraktivität anderer Feldfrüchte steigt

Die Frage, ob Reis immer die wirtschaftlich attraktivste Kultur ist, bewegt heutzutage in vielen Ländern Südostasiens Landwirte und Experten. Diese Diskussion spiegelt sich auch in den Ergebnissen des agri benchmark Berichts: So ist z.B. für einen der typischen vietnamesischen Betriebe der Anbau von Mais ungefähr genauso profitabel wie der zweimalige Anbau von Reis (in der Region werden 3 Ernten pro Jahr eingebracht). Da der Anbau von Mais – anders als der von Reis – derzeit noch überwiegend per Hand erfolgt, sind die Kosten gegenwärtig noch relativ hoch.

Wenn in Zukunft mehr Maschinen eingesetzt werden, sinken die Produktionskosten des Maisanbaus und die Konkurrenzfähigkeit von Mais gegenüber Reis steigt weiter. „Das agri benchmark Reis Netzwerk wird weitere Analysen des innerbetrieblichen Wettbewerbs zwischen Reis und anderen Feldfrüchten durchführen, da dieser eventuell zu bedeutenden Veränderungen der Anbaustrukturen führen könnte“, erklärt Prof. Khiem Nguyen Tri, vietnamesischer Forschungspartner des Netzwerkes an der An Giang Universität.

David Dave, leitender Ökonom der FAO in Bangkok, unterstreicht die Bedeutung des Netzwerkes: „Ein besseres ökonomisches Grundverständnis der asiatischen Reisproduktionssysteme ist eine wichtige Grundlage, um genaue und zutreffende Auswertungen zu erstellen, die den FAO-Mitgliedsstaaten helfen, solide Lebensmittelpolitik einzuführen. Die FAO ist stolz darauf, das agri benchmark Netzwerk auch weiterhin in dieser Arbeit zu unterstützen.“

agri benchmark Cash Crop ist ein weltweites gemeinnütziges Netzwerk von Agrarökonomen. Sein Ziel ist es, verlässliche und nutzbare Analysen bedeutender Entwicklungen in der Globalen Getreideproduktion zu erstellen und zu verbreiten. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.agribenchmark.org

Kontakt:
Barbara Wildegger, Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Braunschweig. barbara.wildegger@ti.bund.de, Tel.: 0531 596 5108

Dr. Michael Welling | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen