Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regenwaldschutz funktioniert wie Tempokontrollen

16.04.2015

Die Vernichtung des brasilianischen Regenwaldes hat sich deutlich verlangsamt: Mit rund 5000 Quadratkilometern jährlich beträgt der Verlust „nur“ noch rund ein Sechstel im Vergleich zum Jahr 2004.

Ein internationales Forscherteam unter Federführung des Zentrums für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn hat evaluiert, welche Schutzmaßnahmen besonders effizient sind. In den Bundesstaaten der brasilianischen Amazonasregion, die bei der Strafverfolgung besonders effektiv sind, ist eine deutlich geringere Entwaldung zu verzeichnen als anderswo. Die Ergebnisse werden nun im Fachjournal „PLOS ONE“ vorgestellt.

Lange war die Abholzung des Amazonas-Urwaldes in Brasilien in den Schlagzeilen der internationalen Presse. Die Regierung des Landes hat daraufhin erheblich in den Schutz der auch für Artenvielfalt und Erdklima wichtigen Regenwälder investiert.

„Seit Jahren ist ein deutlicher Rückgang bei der Abholzung zu verzeichnen“, sagt Robert-Bosch-Juniorprofessor Dr. Jan Börner vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn. Fielen nach der amtlichen Statistik Brasiliens im Jahr 2004 noch 27.772 Quadratkilometer der Wälder vorwiegend landwirtschaftlicher Nutzung zum Opfer, war die Abholzung 2012 bereits auf 4.656 Quadratkilometer zurückgegangen.

Abschreckung durch hohe Strafen und häufige Kontrollen

Die Regenwaldvernichtung wird insbesondere von großen Viehzüchtern und Farmern, aber auch Kleinbauern vorangetrieben. Neue Straßen begünstigen Holzentnahme und Rodung. Prof. Börner untersuchte mit einem internationalen Forscherteam der Universität Freiburg, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Institut für Angewandte Ökonomie (IPEA) in Brasilien rund 15.000 über das Amazonasbecken verteilte Gesetzesverstöße um zu messen, wie effektiv die Durchsetzung des Regenwaldschutzes war.

„Mit dem Schutz vor Abholzung verhält es sich im Prinzip genauso wie mit Geschwindigkeitsbeschränkungen im Straßenverkehr: Je höher die Strafen und je häufiger die Kontrollen, desto größer ist das Abschreckungspotenzial“, erläutert Börner.

Seit einigen Jahren ist die Polizei für die Überwachung des Amazonasregenwaldes mit GPS-Geräten ausgestattet. Verstöße gegen das Abholzverbot können deshalb genau geortet werden. Das Wissenschaftlerteam nutzte nun die Daten der Regierung, um zu messen, wie effektiv in den verschiedenen Regionen die Umsetzung der Schutzbestrebungen ist: Wo wurde wieviel Regenwald abgeholzt und wie viele Strafen wurden verhängt? Mit statistischen Methoden prüften die Forscher, ob die einzelnen Kontrollpunkte hinsichtlich dieser Fragestellung tatsächlich miteinander vergleichbar sind.

„Schließlich gibt es viele Gründe, warum eine Abholzung unterbleibt: Sind es Sanktionen oder haben Bauern aus wirtschaftlichen Gründen weniger Waldfläche in die Landwirtschaft integriert?“, erläutert der Juniorprofessor.

Der effektive Schutz des Regenwaldes hängt nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler vor allem davon ab, wie präsent die Polizei vor Ort ist, wie konsequent bestraft wird und wie gut die Strafverfolgungsbehörden bei der Ahndung von Verstößen zusammenarbeiten. Demnach setzen die Behörden in den brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Pará die Schutzbestrebungen besonders effektiv um.

„Die Staatsanwaltschaft in diesen Staaten hat den Druck stark erhöht: Sie führt schwarze Listen über Agrarbetriebe, die gegen die Schutzbestimmungen verstoßen“, berichtet der ZEF-Wissenschaftler. „Zum Beispiel Großhändler dürfen dann bei diesen Betrieben keine Waren mehr abnehmen.“

Satellitensystem offenbart illegale Abholzungen

Außerdem sei es wichtig, dass die Strafe der Tat auf den Fuß folgt. Brasilien hat deshalb ein effektives Satellitenüberwachungssystem aufgebaut, mit dem sich illegale Abholzungen nachweisen lassen. Durch die verbesserte Infrastruktur im Amazonasbecken können solche Verstöße binnen Tagen verfolgt und geahndet werden. Prof. Börner: „Die verschiedenen brasilianischen Behörden ziehen an einem Strang. Das ist für den Tropenwaldschutz von entscheidender Bedeutung.“

Unter anderem auch in Afrika und Asien schwinden die Regenwälder. „Brasilien zeigt, wie man mit Investitionen in Satellitensysteme und einer konsequenten Verfolgung von illegaler Abholzung zum Schutz der international wichtigen Regenwälder beitragen kann“, fasst der Forscher der Universität Bonn zusammen. Eine vielversprechende Strategie sei darüber hinaus, die Bauern für die Vermeidung von Abholzungen zu belohnen. Dabei müsse aber sichergestellt werden, dass diese finanziellen Anreize tatsächlich vor allem dem Regenwaldschutz zugute kämen.

Publikation: Post-crackdown effectiveness of field-based forest law enforcement in the Brazilian Amazon, Fachjournal „PLOS ONE“

Kontakt für die Medien:

Juniorprof. Dr. Jan Börner
Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF)
Universität Bonn
E-Mail: jborner@uni-bonn.de
Tel. 0228/731873

Weitere Informationen:

http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0121544 Veröffentlichung im Internet

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wenn Städte immer mehr an Boden gewinnen: Wie gelingt Land- und Gartenbau südlich der Sahara?
11.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungen

Berührungslose Schichtdickenmessung in der Qualitätskontrolle

25.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

„Microbiology and Infection“ - deutschlandweit größte Fachkonferenz in Würzburg

25.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur lückenlosen Qualitätsüberwachung in der gesamten Lieferkette

25.04.2017 | Verkehr Logistik