Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pflanzenschutzmittel werden mit Augenmaß eingesetzt

25.11.2011
Julius Kühn-Institut (JKI) veröffentlicht neuen Bericht zu Erhebungen aus dem deutschen Vergleichsbetriebsnetz Pflanzenschutz

Seit seinem Start 2007 sind im „Netz Vergleichsbetriebe Pflanzenschutz“ 35.000 Datensätze zusammengetragen und ausgewertet worden. Ziel der jährlichen Erhebungen ist es herauszufinden, ob Pflanzenschutzmittel in landwirtschaftlichen Praxisbetrieben in Deutschland sinnvoll eingesetzt werden und ob es Einsparpotenziale gibt.

An den Untersuchungen beteiligen sich alle Bundesländer. In repräsentativen Betrieben aus dem gesamten Bundesgebiet werden die Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln in Hauptkulturen und andere pflanzenschutzrelevante Informationen erfasst. Entgegen dem gängigen Vorurteil, es werde „zu viel gespritzt“, zeigt die Analyse der fachlichen Bewertungen durch die Pflanzenschutzdienste der Länder, dass die Maßnahmen überwiegend gezielt und maßvoll erfolgen. Es wird meist auf das regionale Auftreten von Schaderregern wie Pilze oder Insekten reagiert und nicht pauschal gehandelt.

„Die Betriebe führen - bis auf wenige Ausnahmen - die Behandlungen mit Augenmaß durch und versuchen Mittel einzusparen“, sagt Prof. Dr. Bernd Freier vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Kleinmachnow. Die Auswertung der so genannten Behandlungsindices (BI) zeige, dass im Ackerbau die Aufwandmengen für Herbizide, Fungizide und Wachstumsregler im Verlauf der Erhebung reduziert wurden, z. B. im Winterweizen im Mittel um 32 %, 42 % bzw. 55 %.

Der Anteil der Pflanzenschutzmittel-Anwendungen, die dem notwendigen Maß entsprachen, lagen im Durchschnitt der vier Jahre bei 88 % in Winterweizen, bei 89 % in Wintergerste, bei 86 % in Winterraps, bei 89 % im Freilandgemüsebau, bei 94 % im Obstbau (Tafelapfel), bei 98 % im Weinbau und bei 98 % im Hopfenbau. Trotz dieser positiven Bilanz gibt es laut Freier Einsparungspotenziale, zum Beispiel bei den Insektizidanwendungen in den drei Ackerbaukulturen Winterweizen, Wintergerste und Winterraps. Auch echte Teilflächenapplikationen waren im Ackerbau selten. Sie machten nur ca. 2 % aller Maßnahmen aus. „Hier sehen wir Handlungsmöglichkeiten, denn die gezielte Anwendung auf Teilflächen (Precision Farming) ist eine der Grundforderungen des Integrierten Pflanzenschutzes“, so Freier.

Schaut man sich die ermittelten Behandlungsindices an, sind die Unterschiede zwischen den Jahren sehr moderat. Zwischen den Regionen und vor allem zwischen den Feldern innerhalb einer Region gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Als Einflussfaktoren auf die Behandlungsindices analysierten die Wissenschaftler des JKI für die Ackerbaukulturen Schlaggröße und Betriebsgröße, Ackerzahl, Ertrag, Vorfrucht, Bodenbearbeitung, Aussaattermin, Resistenzeigenschaften der Sorte sowie die benutzten Entscheidungshilfen. Außerdem wurden die Kosten der Pflanzenschutzmittel-Anwendungen ermittelt, die ein wichtiges Argument für die Landwirte sind, die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln auf das notwendige Maß zu begrenzen. Die Ergebnisse aus dem „Netz Vergleichsbetriebe Pflanzenschutz“ liefern Argumente für die Beratung zum integrierten Pflanzenschutz in Deutschland. Der Integrierte Pflanzenschutz orientiert sich an dem Leitsatz, so viel wie nötig und so wenig wie möglich chemische Pflanzenschutzmittel einzusetzen - ein erklärtes politisches Ziel.

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Bernd Freier
Julius Kühn-Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Strategien und Folgenabschätzung
Stahnsdorfer Damm 81, 14532 Kleinmachnow
Tel.: 033203 / 48-322
E-Mail: bernd.freier@jki.bund.de
Hintergrundinfo:
Das Vergleichsbetriebsnetz ist ein gemeinsames Projekt des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), der Landeseinrichtungen des Pflanzenschutzes und des Julius Kühn-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Es wurde 2007 etabliert und ist Bestandteil des „Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ (NAP).
Erhebungsjahr 2010
http://pub.jki.bund.de/index.php/BerichteJKI/issue/archive
Im Ackerbau wurden 2010 die Pflanzenschutzmaßnahmen in 86 Betrieben mit insgesamt 766 Feldern (vorrangig Winterweizen, Wintergerste, Winterraps) analysiert, im Freilandgemüsebau in 20 Betrieben mit 53 Feldern (Weißkohl, Möhren, Spargel und Zwiebeln), im Obstbau (Tafelapfel) in 20 Betrieben mit 59 Anlagen und im Weinbau in 9 Betrieben mit 27 Bewirtschaftungseinheiten. Außerdem wurden die Pflanzenschutzmaßnahmen in zwei Hopfenanbau-Betrieben mit insgesamt 10 Anlagen ausgewertet. Die Daten und Expertenbewertungen wurden nach einer Plausibilitätsprüfung in einer Oracle-Datenbank abgelegt und statistisch analysiert.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de/de/startseite/veroeffentlichungen/berichte.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise