Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie können Pflanzenproteine besser verwertet werden?

01.06.2012
Kann Europa seine Abhängigkeit von den massiven Sojaimporten verringern, die es für die Eiweißanreicherung von Futter und Lebensmitteln braucht?
Ja, aber dafür müsste es die ungenutzten 28 Millionen Tonnen Pflanzenproteine wiederverwerten, die bei seinem Ackerbau anfallen (Weizen, Mais, Raps, Erbsen, Saubohnen, Luzern, Kartoffeln,…). Dies ist das erklärte Ziel der neuen Innovationsplattform Improve (Gemeinschaftsinstitut für Pflanzenproteine), die ihre Tätigkeit im Januar 2013 in Frankreich aufnehmen wird.

Die Kosten des Projekts werden auf 35 Millionen Euro geschätzt, die im Rahmen des Programms für Zukunftsinvestitionen zu 15% übernommen werden sollen. Die Plattform wird in Dury in der Region Picardie angesiedelt und zielt auf die Strukturierung dieses noch unerforschten Bereichs ab.

“Es ist das erste Mal, dass ein Projekt so weit geht, um die Lücke in der Wertschöpfungskette der Pflanzenproteine zu schließen”, erklärt Boris Dumange, stellvertretender Geschäftsführer des Pôle de compétitivité (Kompetenzzentrums) für Industrie und Agrarressourcen (IAR), das das Projekt unterstützt.

Dies ist das Ergebnis einer öffentlich-privaten Partnerschaft, das Akteure der Verwertung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Tereos Syral, Siclaé, Sofiprotéol, Soufflet) und wissenschaftliche Experten (des nationalen Instituts für agrarwissenschaftliche Forschung – INRA, der Universität der Picardie Jules Verne, des Verwertungszentrums für Kohlenhydrate und natürliche Produkte) einbezieht.

Das gemeinsame Ziel ist die Verflechtung des komplementären Know-hows und die Bündelung von Mitteln und Kompetenzen, um innovative Lösungen anbieten zu können, mit denen der wachsenden Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln entsprochen werden kann und neue Märkte entstehen, wie in den Bereichen Biomaterialen, Kosmetika, grüne Chemie oder Biokraftstoffe. “Bisher machten wir Fortschritte eher aufs Geratewohl.
Wir wollen versuchen, künftig strukturierter vorzugehen”, so Anne Wagner, Forschungsdirektorin von Tereos Syral. “Mit Hilfe unserer akademischen Partner sind wir endlich in der Lage die technologische Bremse zu lösen und die funktionalen Eigenschaften von Pflanzenproteinen zu erforschen, die gegenwärtig nur aufgrund ihres Nährwerts genutzt werden.”

Das große öffentlich-private Projekt kommt für das INRA genau zur richtigen Zeit. “Wir haben bereits in den neunziger Jahren mit Studien begonnen; jedoch wurde dieser Bereich damals nicht unterstützt, und die Verbraucher waren noch nicht bereit”, erinnert sich Monique Axelos, Forschungsdirektorin am INRA. “Dieses Projekt […] ermöglicht es uns, unsere Forschung mit neuen Technologien voranzutreiben, um die Funktionen von Pflanzenproteinen besser zu verstehen. Wir müssen den Unternehmern die richtigen Schlüsseltechnologien liefern, damit sie das gesamte Potenzial der Pflanzenproteine ausschöpfen können”, betont sie.

Damit die Pflanzenproteine zu einem erlesenen Rohstoff für die Ernährungsindustrie werden, müssen zunächst zwei Probleme gelöst werden: Das Problem der Allergien, die für alle Eiweiße charakteristisch sind (auch für Milch), und das Problem des Geschmacks der Pflanzenproteine, den es zu überdecken gilt, damit sie die Verbraucher geruch- und geschmacklich stärker ansprechen. Bevor ihr Potential jedoch für andere Anwendungen ausgeschöpft werden kann, wie z.B. für oberflächenaktive Stoffe, Bio-Verbundwerkstoffe, Naturkosmetik, Klebstoffe oder Reinigungsmittel, muss zunächst ihre Löslichkeit, die das größte technologische Problem für ihre industrielle Anwendung darstellt, verbessert werden.

Quelle:

Artikel aus Les Echos – 15.05.2012 – http://www.lesechos.fr/entreprises-secteurs/innovation-competences/technologies/0202030535177-comment-mieux-valoriser-les-proteines-vegetales-323131.php

Redakteurin: Elodie Parisot, elodie.parisot@diplomatie.gouv.fr

Elodie Parisot | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft
06.12.2016 | Steinbeis-Europa-Zentrum

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entschlüsseln, wie Pflanzen ihre Blätter abwerfen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

"Wächter des Genoms": Forscher aus Halle liefern neue Einblicke in die Struktur des Proteins p53

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie