Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pferdemütter sind während der Geburt völlig entspannt

11.06.2014

Geburten sind nicht bei allen Spezies mit Stress und Schmerzen für die Mutter verbunden.

Christina Nagel von der Vetmeduni Vienna untersuchte erstmals, was im Körper von Stuten während der Geburt genau vor sich geht. Die Forscherin wies nach, dass sich Pferdemütter während der Geburt in einem Zustand der Ruhe und Entspannung befinden, ganz anders als zuvor angenommen. Die Ergebnisse wurden im Journal Theriogenology veröffentlicht.


Eine Pferdegeburt bedeutet für die Stute das Gegenteil einer Stressreaktion.

Foto: Vetmeduni Vienna

Das Forschungsteam hat bei 17 Stuten des Brandenburgischen Staatsgestütes in Neustadt (Deutschland) Pferdegeburten genau beobachtet und während des Abfohlens kontinuierlich ein Elektrokardiogramm bei den Müttern aufgezeichnet. Zur Bestimmung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin entnahmen die Forschenden Speichel- und Blutproben bei den Tieren. „Die normale Pferdegeburt ist das Gegenteil einer Stressreaktion“, fasst Christina Nagel die Ergebnisse der Studie zusammen.

Kreislaufbelastung bleibt während der Geburt gering

Prinzipiell verlaufen Pferdegeburten sehr rasch. Der aktive Teil der Geburt, bei dem es aufgrund der Wehen zur Austreibung des Fohlens kommt, ist bei der Stute stark ausgeprägt. Mit nur 10 bis 20 Minuten Dauer, verläuft die Geburt beim Pferd deutlich kürzer als beim Menschen oder bei Kühen.

„Überraschenderweise kam es während der Geburt der Fohlen zu keiner Zunahme der mütterlichen Herzfrequenz. Stattdessen setzten bei den meisten der untersuchten Stuten immer wieder einzelne Herzschläge sogar ganz aus“, erklärt Nagel. Ursache dafür ist eine verzögerte Erregungsleitung im Herzen. Beim Menschen entsprechen solche, als AV-Blocks (atrioventrikuläre Blocks) bezeichnete, Herzrhythmusstörungen einem Krankheitsbild. Bei Pferden kommen AV-Blocks dagegen auch in Ruhesituationen, z.B. im Stall, regelmäßig vor und sind ein Aus¬druck von Entspannung. In Bewegung, z.B. beim Reiten, schlägt das Pferdeherz dann schneller und regel-mäßig.

Die Geburt bei Stuten steht unter dem Einfluss des, auch als „Ruhenerv“ bezeichneten, parasympathischen Nervensystems. Der Parasympathikus ist Teil des autonomen Nervensystems, das unbewusste Reaktionen des Körpers steuert. Sein Gegenspieler, das sympathische Nervensystem, bereitet den Organismus hingegen auf Stressreaktionen vor.

Eine Pferdegeburt kommt ohne „Adrenalinstoß“ aus

Auch die Freisetzung von Stresshormonen bleibt bei Stuten während der Geburt gering. Anders als erwartet trat der sprichwörtliche „Adrenalinstoß“ bei den untersuchten Stuten nicht auf. Die Geburt bewirkte also keine hormonelle Stressreaktion. Auch die Sorge der Stute um das neugeborene Fohlen stellte keine Belastung für das Tier dar. Im Gegenteil, der Kontakt mit dem gesunden Neuge¬borenen war mit einer messbaren Erleichterung bei den Stuten verbunden.

Pferdegeburten setzen absolute Ruhe voraus

„Geburten setzen bei der Stute einen Zustand von Ruhe und Entspannung voraus. Das stellt in freier Wildbahn einen Überlebensvorteil dar. Die Stute kann die Geburt nämlich so lange hinauszögern, bis die Umwelt als sicher und gefahrlos empfunden wird. Dann läuft die Geburt des Fohlens aber extrem schnell ab“, erklärt Christine Aurich, die Leiterin der Forschungsinstituts. „Alle untersuchten Stuten bekamen ihr Fohlen in der Nacht, wenn es im Stall besonders ruhig war.“

Service:
Der Artikel „Parturition in horses is dominated by parasympathetic activity of the autonomous nervous system“, von Christina Nagel, Regina Erber, Natascha Ille, Mareike von Lewinski, Jörg Aurich, Erich Möstl und Christine Aurich wurde in der Fachzeitschrift Theriogenology veröffentlicht. http://dx.doi.org/10.1016/j.theriogenology.2014.03.015

Die Untersuchungen wurde am Graf-Lehndorff-Institut für Pferdewissenschaften, einer gemeinsamen Forschungseinrichtung der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt in Neustadt (Dosse), Deutschland, durchgeführt.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Christina Nagel
Klinische Abteilung für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-6408
christina.nagel@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Weitere Informationen:

http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2014/pfe...

Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Entspannung Fohlen Geburt Körper Nervensystems Stressreaktion Stuten Theriogenology Vetmeduni

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Acht europäische Länder im Kampf gegen den Asiatischen Laubholzbockkäfer
06.01.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Kleinbauern in Afrika: Clevere Milchkühlung – dank Solar auch ohne Stromanschluss
02.01.2017 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltweit erste Solarstraße in Frankreich eingeweiht

16.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie