Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökonomisch rentabel: Eiweißpflanzen in der Landwirtschaft

18.03.2015

Bohnen, Erbsen und Lupinen bieten ökologische und betriebswirtschaftliche Vorteile. Trotzdem gelten sie häufig als nicht rentabel genug. Eine Studie des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung weist nach, dass Körnerleguminosen wirtschaftlich erfolgreich in landwirtschaftliche Anbausysteme in Europa integriert werden können.

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes Legume Futures haben Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) eine Analyse der Effekte von Körnerleguminosen auf die Wirtschaftlichkeit von Anbausystemen veröffentlicht.

Sara Preißel und ihre Kollegen schlussfolgern, dass der Beitrag von Eiweißpflanzen zur Bodenfruchtbarkeit und insbesondere den Erträgen nachfolgender Getreidekulturen ein bedeutsamer Bestandteil der Wirtschaftlichkeit ist. Eine bessere Wertschätzung dieser Effekte ist nötig, um die Nutzung von Körnerleguminosen zu optimieren.

Einfache Deckungsbeitragsrechnungen, wie sie meist in Anbauplanung und Beratung genutzt werden, unterschätzen den Beitrag der Körnerleguminosen zum Betriebsergebnis. Solche negativen Einschätzungen haben zum stetigen Rückgang des Leguminosenanbaus in Europa, mit negativen Auswirkungen auf die ökologische Leistung des Anbaus, beigetragen.

Die Autoren haben 19 ökonomische Studien in Europa im Detail analysiert und schlussfolgern, dass Wirkung auf Fruchtfolgedeckungsbeiträge häufig positiv ausfällt: in 35 von 53 einbezogenen Bewertungen hatte die Integration von Körnerleguminosen in die Fruchtfolge einen positiven bis neutralen Effekt.

Nach Analyse von 29 Fruchtfolgeexperimenten erbrachten nach Körnerleguminosen angebaute Getreidekulturen meist um 0.5 - 1.6 t/ha höhere Erträge als nach Getreidevorfrüchten. Diese Ertragswirkung ist geringfügig höher als die anderer Blattfrüchte, und wird ergänzt durch Einsparmöglichkeiten bei der Stickstoffdüngung.

Weiterhin bestehen bedeutende gesamtbetriebliche Effekte. So reduziert eine Integration von Körnerleguminosen den Zeit- und Energiebedarf für die Bodenbearbeitung, bis hin zur Ermöglichung eines pfluglosen Anbaus der Folgefrucht. Als Resultat daraus berechnen einige Studien verringerte Arbeits- und Maschinenkosten als wichtigen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit.

Dr. Peter Zander, der die ökonomische Forschung im Projekt Legume Futures leitet: “Unsere Bewertungen sind über die traditionellen Deckungsbeiträge hinaus gegangen um eine ganzheitlichere Bewertung der betriebswirtschaftlichen Effekte einer Integration von Körnerleguminosen vorzunehmen. Wir konnten zeigen dass damit Leguminosen-basierte Anbausysteme in weitaus mehr Situationen als konkurrenzfähig mit anderen Anbauoptionen, teilweise auch anderen Blattfrüchten, bewertet werden“.

Erstautorin Sara Preißel: „In Europa ist viel zu den Fruchtfolgeeffekten von Körnerleguminosen geforscht worden, die Zusammenstellung dieser Experimente zeigt die Höhe und wirtschaftliche Bedeutung, aber auch die Variabilität der Vorfruchteffekte je nach Standort und Jahr. Dies unterstreicht den hohen Anspruch den die Auswahl der für ihren Standort und Betriebsausrichtung passenden Kultur an Landwirte stellt.“

Prof. Christine Watson vom SRUC in Schottland (koordinierende Partnerorganisation von Legume Futures) ermisst den weiteren Kontext: “Das ZALF-Team hat einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der gesamtbetrieblichen Effekte diverserer Fruchtfolgen mit Leguminosen geleistet. Wenn wir diese Effekte mit öffentlichen Anreizen für die nicht vermarktbaren Vorteile verbinden, gibt es gute Aussichten für eine Wiederbelebung des Leguminosenanbaus. Wir brauchen aber weiterhin auch Fortschritte in der Pflanzenzüchtung und eine standortspezifische Weiterentwicklung von Anbausystemen“.

Prof. Bernhard C. Schäfer von der Fachhochschule Südwestfalen, Agrarwirtschaft Soest: „Mit der jetzt veröffentlichten Studie ist es in bisher einzigartiger Weise gelungen, eine Vielzahl von Versuchen und ökonomischen Studien zum Anbau von Körnerleguminosen in Europa zusammenzuführen. So wird der Nachweis geführt, dass die Leistungsfähigkeit von Körnerleguminosen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit und der Wohlfahrtswirkungen für den landwirtschaftlichen Betrieb vielfach unterschätzt wird. Für die Praxis ist dies ein wichtiger Hinweis, die aktuellen Vorgaben des Greenings zu nutzen und eigene Erfahrungen mit diesen Kulturen zu sammeln. Für die Wissenschaft ergibt sich die Herausforderung die Instrumente für eine umfassende ökonomische Bewertung für die Praxis zu vereinfachen und sich neben der Optimierung der Anbausysteme, der Intensivierung des Zuchtfortschrittes auch um die Verwertung von Körnerleguminosen zu kümmern.“

Die Forschung wurde in dem akademischen Journal Field Crops Research veröffentlicht und ist frei zugänglich unter: http://authors.elsevier.com/sd/article/S0378429015000301

Magnitude and farm-economic value of grain legume pre-crop benefits in Europe: a review. Field Crops Research 175 (2015) 64-79.
Autoren: Sara Preissel, Moritz Reckling, Nicole Schläfke und Peter Zander.

Das Projekt: Legume Futures
Leguminosen-unterstützte Anbausysteme für Europa (Legume Futures) ist ein internationales Forschungsprojekt gefördert von der Europäischen Union im Rahmen des Framework 7 Programme (FP7) unter der Fördernummer 245216 (FP7-KBBE-2009-3). Der Legume Futures Forschungsverbund besteht aus 20 Partnern in 13 Staaten. Weitere Informationen: www.legumefutures.de.

Weitere Informationen:

http://www.zalf.de
http://www.legumefutures.de

Monique Luckas | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

nachricht BMEL verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen das Eschentriebsterben
11.09.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie