Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Öko-Landwirtschaft trägt zur Verringerung von Antibiotikaresistenzen bei

19.05.2009
Langzeitstreit bei Legehennenhaltung ist entschieden

Ist Öko-Legehennenhaltung wirklich besser als eine Legebatterie? Oder bezahlt man die "glücklichen Hennen" der Bio-Haltung mit mehr Krankheitserregern in Eiern und Hühnerbeständen?

Tierhygieniker der Technischen Universität München (TUM) haben diese Streitfrage endlich gelöst - und geben Entwarnung: Hennen und Eier vom Biohof sind nicht keimbelasteter als die aus konventionellen Betrieben. In Ökohaltung gefundene Bakterienstämme sind darüber hinaus auch viel seltener resistent gegen Antibiotika. Und das ist für den Verbraucher ein klarer Gesundheitsvorteil.

Die Frage nach dem idealen Legehennen-Haltungskonzept sorgt seit Jahren für hitzige Diskussionen: Befürworter ökologischer Haltungssysteme pochen auf den Tierschutz, etwa die im Gegensatz zur Legebatterie tiergerechte Haltung mit Scharrmöglichkeit und genügend Auslauf. Zudem sollen die starken Beschränkungen der Öko-Haltung beim Arzneimitteleinsatz im Vergleich zu konventionellen Systemen die Ausbildung von Antibiotikaresistenzen reduzieren.

Aus Sicht des Verbrauchers gelten Bio-Produkte häufig von vornherein als gesünder. Die Gegner alternativer Haltungssysteme wenden ein, dass Öko-Eier und Hühnerbestände haltungsspezifisch vermehrt mit Krankheitserregern belastet sein sollen. Bislang existierten jedoch kaum wissenschaftliche Studien, um den Langzeitstreit zu schlichten.

"Hier wollten wir endlich für Klarheit sorgen" so Prof. Johann Bauer vom Lehrstuhl für Tierhygiene der TUM. Der Tierarzt vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan untersuchte deshalb im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Eier und Legehennen aus konventioneller wie auch aus ökologischer Haltung, um einen möglichen Einfluss der Haltungsform auf Tiergesundheit und Produktqualität zu erfassen. Dafür fuhren seine Mitarbeiter quer durch Bayern: Sie besuchten je zehn verschiedene Biobetriebe und zehn konventionelle Legehennenhaltungen - und das jeweils viermal, im Abstand von vier Monaten. Bei jedem Bauernhof-Besuch nahmen sie per Wattestäbchen jeweils einen Kloakenabstrich von zehn Legehennen und sammelten zusätzlich zehn Eier nach dem Zufallsprinzip ein.

Auf diese Weise kamen insgesamt 800 Tupfer und 800 Eier zusammen. Alle Proben wurden zunächst im Labor bakteriologisch analysiert: "Wir haben sie also auf Nährböden ausgestrichen, in den Brutschrank gesteckt - und dann ermittelt, welche Keime gewachsen sind", erklärt Prof. Bauer. Die Werte sind keine Überraschung: Das Team entdeckte zum Beispiel auf 3 % der Kloakentupfer Salmonellen und auf 2 % Listerien. Allerdings fand das Forscherteam diese Verhältnisse bei Öko- und Normal-Betrieben gleichermaßen. Und kein einziges Ei war im Inneren mit Salmonellen verseucht. Das heißt: Legehennen und Eier aus ökologischen Haltungssystemen sind - im Gegensatz zur bisherigen Befürchtung - nicht häufiger mit Krankheitserregern kontaminiert als bei der konventionellen Haltung.

Die TUM-Tierärzte gingen dann noch einen Schritt weiter: Sie untersuchten, wie resistent die isolierten Bakterienstämme gegen Antibiotika waren; solche, die in der Hühnerzucht häufig verwendet werden, aber auch reine Menschen-Medikamente. Dazu pipettierten sie die aus den Proben erstellten Bakterien-Suspensionen von den Hühnerfarmen auf spezielle Test-Platten, auf denen sich 31 verschiedene Antibiotika in verschiedenen Konzentrationen befanden. Anhand dessen konnten sie auswerten, welche Bakterienstämme noch auf welche Medikamente reagierten. Der Vergleich der Resistenzsituation zeigte deutlich: In Öko-Betrieben lag der Anteil antibiotikaresistenter Bakterien signifikant niedriger als in konventionellen Betrieben.

"Somit leistet die ökologische Tierhaltung nicht nur einen Beitrag zum Tierschutz, sondern trägt darüber hinaus auch wesentlich zur Sicherung der weiteren Wirksamkeit von Antibiotika bei Mensch und Tier bei" so Prof. Bauer vom TUM-Lehrstuhl für Tierhygiene. Denn es ist bekannt, dass Bakterien vom Tier auf den Menschen (und natürlich auch umgekehrt) übergehen können. Je weniger Antibiotikaresistenzen diese Bakterien aufweisen, umso besser können sie im Krankheitsfall therapiert werden.

Kontakt:
Technische Universität München
Wissenschaftszentrum Weihenstephan
Lehrstuhl für Tierhygiene
Prof. Dr. med. vet. Johann Bauer
Telefon: 08161 / 71 - 3312
Fax: 08161 / 71 - 4516
Email: Johann.Bauer@wzw.tum.de
Literatur:
Schwaiger K., Schmied E.-M., Bauer J. (2008): Comparative Analysis of Antibiotic Resistance Characteristics of Gram-negative Bacteria Isolated from Laying Hens and Eggs in Conventional and Organic Keeping Systems in Bavaria, Germany. Zoonoses Public Health. 55, 331-41.

Online einsehbar unter http://www3.interscience.wiley.com/journal/121357914/abstract

Schwaiger K., Schmied E.-M., Bauer J. (2009): Comparative Analysis on Antibiotic Resistance Characteristics of Listeria spp. and Enterococcus spp. Isolated From Laying Hens and Eggs in Conventional and Organic Keeping Systems in Bavaria, Germany. Zoonoses Public Health. In Press.

Vorab online einsehbar unter http://www3.interscience.wiley.com/journal/122311660/abstract

Dr. Ulrich Marsch | idw
Weitere Informationen:
http://portal.mytum.de/welcome

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie