Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Fischereimanagement soll Europas Fischbestände sichern

15.10.2010
Immer wieder warnen die Kieler Meereswissenschaften vor den Konsequenzen einer Überfischung der Meere. Bereits heute gelten drei Viertel der marinen Fischbestände weltweit als überfischt, in Europa sind es laut EU Kommission sogar 88 Prozent.

Kieler Wissenschaftler haben jetzt Konzepte entwickelt, die den Zusammenbruch der Bestände verhindern können und der Fischerei gleichzeitig bessere Verdienstmöglichkeiten bieten. Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe der international führenden Fachzeitschrift Fish and Fisheries.

Lange galt Fisch als verlässliche Nahrungsquelle. Die Ozeane sind groß, und die Bestände der in ihnen lebenden Fische schienen unerschöpflich. Doch seit Jahrzehnten wird mehr Fisch aus dem Meer geholt als nachwachsen kann.

Das Ende ist absehbar: Fischarten wie Scholle, Hering oder Kabeljau sind in einigen Regionen schon jetzt fast verschwunden. Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ haben ein neues Konzept erarbeitet, das Strategien einer nachhaltigen Sicherung der Fischbestände Europas und eine Erholung bereits stark dezimierter Arten aufzeigt.

Der Artikel „Generic harvest control rules for European fisheries“ erscheint in dieser Woche in der führenden Fachzeitschrift Fish and Fisheries. Mit dem darin vorgeschlagenen Managementplan kann es gelingen, gefährdete Bestände zu stabilisieren und wieder aufzustocken. Dies würde langfristig 60 Prozent höhere Fänge von viermal größeren Beständen erbringen. Der Kieler Vorschlag unterscheidet sich stark von dem gegenwärtigen Plan der Kommission, der Fischerei auch bei sehr kleinen Bestandsgrößen und Fänge weit über dem maximalen nachhaltigen Ertrag erlaubt. Der Managementplan der Kieler Wissenschaftler sieht auch erstmals einen Sicherheitsspielraum für die Bestände und eine Gewinnmaximierung für die Fischer vor.

Der Vorschlag für ein neues Fischereimanagement in Europa entstand in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit von Experten der Wirtschaftswissenschaften, des Internationales Seerecht sowie der Marinen Ökologie aus Kiel, Rostock, Washington und Tasmanien. Dr. Rainer Froese, Fischereibiologe am IFM-GEOMAR, sieht einen Grund für das zukunftsweisende Ergebnis in der interdisziplinären Zusammenarbeit: „Wir haben in den Vorschlag die besten internationalen Erfahrungen mit Fischereimanagement eingebaut.“ Auch Prof. Martin Quaas, Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre der Christian-Albrechts Universität zu Kiel (CAU) und Leiter der Umwelt-, Ressourcen- und Ökologischen Ökonomik bestätigt: „In unserem Vorschlag haben wir ökologische und ökonomische Ziele zusammengebracht.“ Prof. Alexander Proelß, Leiter der Abteilung Seerecht am Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht an der CAU betont: „Mit unserem Vorschlag würde endlich das bereits existierende internationale Seerechtsübereinkommen aus dem Jahre 1982 umgesetzt.“

Der Vorstoß des IFM-GEOMAR sowie des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ findet auch politischen Rückhalt. „Die Studie liefert einen interessanten Diskussionsbeitrag, und sie ist es wert, dass sich auch der Internationale Rat für Meeresforschung damit befasst.“, urteilt Bundestagsmitglied Holger Ortel (SPD). Die Umweltverbände zeigen sich ebenfalls positiv beeindruckt. So sagt Dr. Iris Menn, Meeresbiologin bei Greenpeace: „Viermal größere Bestände sind ein wesentlicher Schritt zum Wiederaufbau unserer marinen Ökosysteme.“

Wenn sich alle einig sind, fehlt nur noch die Umsetzung des Konzeptes. Ob dies im europäischen Kontext auch zu verwirklichen ist, wird die Zukunft zeigen.

Originalarbeit:
Rainer Froese, Trevor A. Branch, Alexander Proelß, Martin Quaas, Keith Sainsbury, Christopher Zimmermann: Generic Harvest Control Rules for European Fisheries. Fish and Fisheries. DOI: 10.1111/j.1467-2979.2010.00387.x
Ansprechpartner:
Dr. Rainer Froese, IFM-GEOMAR, Marine Ökologie, Tel. 0431 600-4579, rfroese@ifm-geomar.de
Prof. Alexander Proelß, Leiter der Abteilung Seerecht am Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht an der CAU, Tel. 0431 880-2083, aproelss@internat-recht.uni-kiel.de
Prof. Martin Quaas, Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre der CAU und Leiter der Umwelt-, Ressourcen- und Ökologischen Ökonomik, Tel. 0431 880-3616, quaas@economics.uni-kiel.de

Maike Nicolai (Öffentlichkeitsarbeit IFM-GEOMAR), Tel. 0431 600-2807, mnicolai@ifm-geomar.de

Dr. Andreas Villwock | idw
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie