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Neues Bio-Siegel: Agrarforscher loben EU-weite Einheitlichkeit

29.06.2012
Ab Sonntag gilt EU-weit neues Bio-Siegel / Experten der Universität Hohenheim loben Standard / Label sollte besser beworben werden

Zum 1. Juli wird es in der ganzen EU verbindlich: Das neue EU-Bio-Siegel. Andere Siegel dürfen neben dem neuen abgedruckt werden, Pflicht wird in Zukunft aber das stilisierte Blatt auf grünem Grund.


Das neue Bio-Siegel symbolisiere eine Art "Hochzeit" Europas mit der Natur, heißt es.
© EU-Kommission

Lange galt die Übergangsfrist: Die deutsche Bio-Wabe galt als sicheres und bekanntes Label für Produkte aus ökologischem Landbau. „Das wird auch weiterhin so sein, schließlich sind die Produkte nach denselben Kriterien hergestellt“, sagt Prof. Dr. Christian Lippert, vom Fachgebiet Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich an der Universität Hohenheim. „Aber Pflicht für verpackte Öko-Lebensmittel ist ab dem 1. Juli nur noch das EU-Bio-Siegel.“

Das Fachgebiet Produktionstheorie und Ressourcenökonomik im Agrarbereich beschäftigt sich auch intensiv mit Zertifizierung und Kontrollen im ökologischen Landbau: Erst vor wenigen Tagen hat der EU-Rechnungshof in einem Bericht zum Bio-Kontrollsystem auf das hier durchgeführte CERTCOST-Projekt verwiesen. In dem Projekt werden unter anderem Kontrollsysteme für den ökologischen Landbau in der EU analysiert.

Kontrollen und Kriterien unverändert

Die Qualität der Produkte ist auch unter dem neuen Siegel weiter gesichert, betont Prof. Dr. Lippert: „Es gelten nach wie vor die gleichen Regeln für die Zertifizierung, die gleichen Kriterien für die Produkte und die Kontrollen sind genauso streng. Außerdem dürfen natürlich weiterhin andere Labels neben dem offiziellen EU-Bio-Siegel aufgedruckt werden.“

Die Rede ist von Labels wie Bioland, Demeter oder Naturland: Diese Verbände dürfen weiterhin ihre eigenen Siegel vergeben und neben dem EU-Siegel aufdrucken lassen. Auch an ihrer Gültigkeit ändert sich dabei nichts: „Die genannten Siegel bedeuten, dass die Produkte unter noch strengeren Auflagen hergestellt wurden“, so Prof. Dr. Lippert.

Vereinheitlichung erleichtert Betrieben das Arbeiten

Grund für die verbindliche Einführung des neuen Siegels ist eine Vereinheitlichung: Da die EU einen gemeinsamen Markt hat, auf dem Produkte aus verschiedenen Ländern gehandelt werden, müssen auch die Regeln für Produkte aus ökologischem Landbau einheitlich sein – und damit auch die Kennzeichnung.

„Ein Kunde muss in Deutschland auch erkennen können, ob der Apfel aus Griechenland oder die Tomate aus Spanien aus ökologischem Landbau stammt“, so Prof. Dr. Lippert. „Bisher konnten zwar Betriebe aus dem Ausland auch das deutsche Bio-Siegel verwenden. Aber ein einheitliches Siegel macht es für alle Beteiligten leichter.“

Neues Siegel bisher wenig bekannt

Der einzige Kritikpunkt des Hohenheimer Experten: „Das neue Siegel ist noch zu wenig bekannt. Als die deutsche Bio-Wabe eingeführt wurde, ist sie mit viel Aufwand und großen Kampagnen beworben worden. Das ist diesmal nicht der Fall.“ Bis das neue Siegel denselben Stellenwert beim Verbraucher hat, wie das alte deutsche Bio-Siegel, wird es nach Meinung von Prof. Dr. Lippert noch einige Zeit dauern.

Text: Sokoliuk / Klebs

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de

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