Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue globale Forschungsallianz zur Bekämpfung landwirtschaftlicher Treibhausgasemissionen

06.01.2010
Während sich die Mächtigen dieser Welt bemühten, eine Einigung zur Bekämpfung des Klimawandels zu erreichen, konzentrierte man sich auf zwei Nebenschauplätzen in Kopenhagen, Dänemark, darauf, wie Landwirtschaft und industrielle Biotechnologie die Reduzierung der Treibhausgasemissionen unterstützen können.

Maive Rute, die neue Direktorin für Lebensmittel, Landwirtschaft, Fischerei und Biotechnologie der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission, war in beide Veranstaltungen stark eingebunden. Vor ihrer Abreise nach Kopenhagen teilte sie CORDIS-Nachrichten die zur Diskussion vorgeschlagenen Themen mit.

Wie Maive Rute wissen ließ, wird einer der Höhepunkte ihrer Reise der Start einer neuen globalen Forschungsallianz (Global Research Alliance) zu landwirtschaftlichen Treibhausgasen sein. "Wenn wir die aus den verschiedenen Sektoren der Wirtschaft stammenden Treibhausgasemissionen betrachten, so produziert die Landwirtschaft leider einen großen Anteil dieser Emissionen", betonte sie.

Ein Großteil dieser Emissionen gehe auf das Konto der Nutztierhaltung, aber auch bestimmte Bearbeitungspraktiken lösten die Freisetzung von Kohlendioxid aus dem Boden aus. Außerdem werde viel abgeholzt, um für Landwirte freies Land zu schaffen. Doch obwohl die Landwirtschaft die Emissionen verringern solle, stehe sie überdies in der Pflicht, Nahrungsmittel, Treibstoff und Fasern für die wachsende Weltbevölkerung heranzuschaffen.

Direktorin Rute stellte fest, dass es viele Bereiche gebe, in denen landwirtschaftliche Treibhausgasemissionen reduziert werden könnten. Dazu gehörten die Präzisionslandwirtschaft und landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen mit geringem Betriebsmittelaufwand sowie technologische Lösungen. So könne man zum Beispiel das von Viehbeständen erzeugte Gas auffangen und in Biogas umwandeln. Eine weitere Möglichkeit seien Veränderungen in der Ernährung der Tiere mit dem Ziel, dadurch die Emissionen zu reduzieren.

"So stehen uns verschiedene Optionen zur Verfügung und wir müssen nun schauen, welcher Mix uns auf der einen Seite bei der Verringerung der Treibhausgasemissionen helfen könnte, uns aber andererseits auch noch genügend Nahrung für die wachsende Bevölkerung liefert", so Maive Rute.

Die neue Allianz ist eine Initiative, die ihre Basis in Neuseeland hat (ein sehr hoher Anteil der neuseeländischen Treibhausgasemissionen kommt aus der Landwirtschaft). Die Gründungsmitglieder der Allianz sind: Australien, Chile, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Ghana, Indien, Irland, Japan, Kanada, Kolumbien, Malaysia, die Niederlande, Neuseeland, Schweden, die Schweiz, Spanien, Uruguay, Vietnam, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten.

Die Europäische Kommission sei gleichsam stark an der Initiative beteiligt und plane sie zum Beispiel mit Sekretariatsaufgaben zu unterstützen. Direktorin Rute ist jedoch der Ansicht, dass der wichtigste Beitrag der EU zu dem Programm die langjährige Erfahrung bei der Zusammenführung nationaler Forschungsprogramme zur Bewältigung gemeinsamer Probleme, zum Beispiel durch das ERA-NET-Programm und nun durch die Initiativen für gemeinsame Programmplanung sein werden.

Während der Veranstaltung werde der Ständige Ausschuss für Agrarforschung (SCAR) der EU seine Vorschläge dazu vorlegen, auf welche Weise die EU die europäische Forschung zu Landwirtschaft, Nahrungsmittelsicherheit und Klimawandel koordinieren könne.

Die Koordination der Mittel und Aktivitäten sei von entscheidender Bedeutung: In den letzten Jahren hätten die landwirtschaftlichen Forschungsbudgets sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene keine hohe Priorität erhalten, da die Nahrungsmittelsicherheit kein Problem dargestellt habe. Mit dem Klimawandel stehe die Landwirtschaft vor ganz neuen Herausforderungen. Kulturpflanzen müssten Dürren und extremen Witterungsverhältnissen besser standhalten. Derzeit auf die Tropen beschränkte Krankheiten könnten unter wärmeren Bedingungen in den Norden nach Europa wandern.

Ein weiterer Sektor, der in Hinsicht auf die Verringerung der Treibhausgasemissionen eine Menge zu bieten habe, sei die industrielle Biotechnologie. "Es stehen interessante Technologien zur Verfügung, die wir bereits heute nutzen können", betonte Maive Rute gegenüber CORDIS-Nachrichten. "Wir sollten versuchen, das geschaffene Wissen zu verwerten und uns zu eigen zu machen sowie es in der Industrie besser auszunutzen."

"Darüber hinaus - und das ist die Rolle, die ich auf europäischer Ebene sehe - müssen wir neue Bereiche, in denen Lösungen gefunden werden können, vorantreiben und entdecken."

Ein solcher Bereich betreffe die Biokraftstoffe. Man müsse vom Einsatz der Nutzpflanzen als Biokraftstoffe auf Abfallstoffe wie z. B. Rückstände aus der Landwirtschaft und zu anderen Produktionsverfahren umsteigen, sagte Direktorin Rute.

Ein gutes Beispiel dafür, wie die industrielle Biotechnologie Emissionen senken könne, seien die zum Wäschewaschen verwendeten Waschmittel. Da Kleidung jetzt bei 30°C statt bei 60°C gewaschen werden kann, lassen sich auch die Emissionen drastisch reduzieren, erklärte Maive Rute. Einen Blick in die Zukunft wagend fügte sie hinzu, dass die industrielle Biotechnologie Reinigung der verschmutzten Umwelt und der industriellen Abwässer beitragen könnte.

"Auch dort bietet die Biotechnologie Lösungen und wir finanzieren die Forschung, um diese interessanten Möglichkeiten aufzudecken."

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

nachricht BMEL verstärkt Maßnahmen im Kampf gegen das Eschentriebsterben
11.09.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie