Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltige Rinderhaltung hat noch Potenzial

16.07.2015

Wald-Weidesysteme nicht nur für tropische Länder interessant / Internationales Agrarökonomen-Netzwerk ‚agri benchmark‘ tagte in Kolumbien

Auch in Regionen, die stark von Klimawandel, langanhaltender Trockenheit und extremer Hitze betroffen sind, lässt sich die Rinderproduktion erfolgreich anpassen und optimieren. Dies ist eine der Hauptaussagen der diesjährigen agri benchmark Beef and Sheep Konferenz, die vom 11. – 17. Juni 2015 von den kolumbianischen Partnern FEDEGAN (Colombian Cattle Ranchers Federation) und CIPAV (Research Centre for Sustainable Agricultural Production Systems) in Valledupar, Kolumbien, ausgerichtet wurde. Im Expertennetzwerk agri benchmark haben sich Agrarökonomen zusammengeschlossen, um Produktionssysteme und deren Wirtschaftlichkeit zu analysieren.

Mit Ausnahme von USA, Argentinien, Brasilien, China, Kasachstan, Australien und Südafrika war die Rentabilität der Rinderproduktion in 2014 geringer als im Jahr zuvor. In Kanada und den USA konnte sich auch die Mutterkuhhaltung aufgrund stark gestiegener Absetzerpreise verbessern.

Insgesamt sind die Aussichten für 2015 vor dem Hintergrund der relativ geringen Futterkosten und der weiteren, kurzfristigen Nachfragezunahme von Rindfleisch positiv. Die politischen Rahmenbedingungen bleiben wichtig, aber einzelne politische Maßnahmen, zum Beispiel in den Bereichen Umwelt, Lebensmittelsicherheit und Tierwohl, haben offenbar weniger Einfluss auf die Profitabilität als gesamtwirtschaftliche Bedingungen wie Zölle, Wechselkurse, Ölpreise und Zinssätze.

„Kolumbien kann Rindfleisch kostengünstig produzieren, gleichzeitig sind dort aber auch die Preise für Rindfleisch niedrig. Dadurch ist die Rentabilität nicht besser als in anderen Ländern“, folgert Dr. Claus Deblitz vom Braunschweiger Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, Koordinator des agri benchmark Beef and Sheep Netzwerkes.

Basierend auf dem internationalen Benchmarking typischer Mutterkuh- und Rindermast-Betriebe schätzt er die Situation für das südamerikanische Gastgeberland wie folgt ein: „Es gibt ein deutliches Verbesserungspotenzial in den Bereichen Futterqualität und Anzahl abgesetzter Kälber, aber auch bei den Tageszunahmen, Verlustraten und der Arbeitsproduktivität."

Die Wirtschaftlichkeit der Schafproduktion nahm 2014 in den meisten Ländern verglichen mit dem Vorjahr zu, konnte aber in vielen Fällen das hohe Niveau von 2012 nicht erreichen. Obwohl in Tunesien und Südafrika die Gewinne abnahmen, ist der Gesamtausblick für die Schafproduktion in den meisten Ländern generell positiv.

Neben dem Austausch von Wirtschaftlichkeitsergebnissen und jüngsten Entwicklungen in dem globalen Schaf- und Rindersektor war Nachhaltigkeit das beherrschende Thema der diesjährigen Konferenz. Mehrere Redner stellten während der Konferenz das Konzept und das Potenzial der sogenannten „intensiven Wald-Weidesysteme“ dar.

Hierbei handelt es sich um Umtriebs-Weidesysteme, die aus verschiedenen Schichten von sehr produktiver Weide, Leguminosensträuchern und Bäumen bestehen. Enrique Murgueitio, Direktor des CIPAV, zeigte, dass Wald-Weidesysteme nicht nur in den Tropen funktionieren können, sondern auch in Ländern mit subtropischem oder sogar moderatem Klima.

Ernesto Reyes, internationaler Livestock Manager von agri benchmark, präsentierte erste Analysen eines laufenden Projekts zu Wald-Weidesystemen. Diese Systeme seien in dreifacher Hinsicht vielversprechend: Neben einer Steigerung der Produktivität und Rentabilität zeigten sich sowohl verbesserte Umwelteffekte (Indikatoren für Bodenqualität, Emissionswerte, Wasserverfügbarkeit und Nährstoffversorgung) als auch ein höheres Tierwohl. Jedoch seien relative hohe Kapitalanforderungen, begrenzter Zugang zu Kapital, nicht hinreichende Managementfertigkeiten sowie fehlende Beratung Gründe dafür, warum Wald-Weidesysteme – besonders bei Kleinbauern – bisher nicht weiter verbreitet sind.

José Felix Lafaurie, Präsident von FEDEGAN, machte deutlich, dass die Entwicklungsstrategie des kolumbianischen Rindersektors für die nächsten 10 Jahre auf dem System der Wald-Weidehaltung basiert. Ziel sei es, deutlich höhere Mengen von Rindfleisch nachhaltig zu erzeugen und Landflächen, die momentan für die Produktion verwendet würden, wieder in natürliche Vegetation zu überführen. Hierdurch könnte Kolumbien ein bedeutender Exporteur von „grünem“ Rindfleisch werden. Ben Thomas (Meat and Livestock Australia) erklärte, dass starke Qualitätsprogramme und Marketingstrategien Grundlagen sind, um ein erfolgreiches Exportland zu werden. Anne Kinsella (TEAGASC, Irland) verdeutlichte am Beispiel von Irland, dass ein Land trotz relativ hoher Produktionskosten ein erfolgreicher Rindfleischexporteur von Tieren aus Weidehaltung und somit mit einem grünen Image sein kann.

Hsin Huang, Generalsekretär des International Meat Secretariat (IMS), berichtete von Beteiligungen des IMS an verschiedenen hochrangigen Aktivitäten für nachhaltige Tierproduktion, wie der Global Agenda for Sustainable Livestock. Außerdem ist das IMS am Global Roundtable for Sustainable Beef beteiligt. Huang hob hervor, dass „… die Vorteile von Fleisch wie ein hoher Nährstoffgehalt und die Mehrfachnutzung tierischer Produkte von der Öffentlichkeit oft ignoriert werden.“ Laut FAO-Statistiken sei etwa 80 Prozent des Tierfutters nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. Besonders Wiederkäuer wie Schafe und Rinder würden hauptsächlich Grasland nutzen, das nicht mit der Nahrungsmittelproduktion für Menschen konkurriere.

„Nachhaltigkeitskonzepte müssen das Wohl der Tiere beinhalten. Die Indikatoren hierfür müssen wissenschaftlich fundiert und sowohl ressourcen- als auch ergebnisorientiert sein“, sagte Lesley Mitchell von der weltweit operierenden Nichtregierungs-Organisation World Animal Protection. Mitchell zeigte weiter, dass Anstrengungen in Bereich Tierwohl am besten zu erreichen seien, wenn mit und nicht gegen die Industrie gearbeitet würde – Projekte in Brasilien und China, bei welchen eine möglichst schonende Schlachtung durchführt wird, verdeutlichten dies.

Das Netzwerk agri benchmark wird seine Analysen auch künftig weiter um Nachhaltigkeitsaspekte erweitern und sich in Projekten engagieren, welche die Hauptkompetenzen des Netzwerkes, Produktionssysteme und ihre Wirtschaftlichkeit, um Analysen von Ressourcenplanung, Landnutzungsänderungen und Tierwohl ergänzen.


Kontakt:
Barbara Wildegger
Thünen-Institut für Betriebswirtschaft, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531 596-5108
Mail: barbara.wildegger@ti.bund.de
Information zum agri benchmark Netzwerk: www.agribenchmark.org


Dr. Michael Welling
Pressesprecher
Thünen-Institut
Bundesallee 50
38116 Braunschweig

Tel: 0531 596-1016
Fax: 0531 596-1099
Mail: pressestelle@ti.bund.de
Web: www.ti.bund.de

Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei – kurz: Thünen-Institut – besteht aus 14 Fachinstituten, die in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Technologie forschen und die Politik beraten.

Dr. Michael Welling | Thünen-Institut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Erstmals Studie zu Hai- und Rochenarten in deutschen Meeren
19.04.2017 | Bundesamt für Naturschutz

nachricht Wenn Städte immer mehr an Boden gewinnen: Wie gelingt Land- und Gartenbau südlich der Sahara?
11.04.2017 | Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Im Focus: Wonder material? Novel nanotube structure strengthens thin films for flexible electronics

Reflecting the structure of composites found in nature and the ancient world, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have synthesized thin carbon nanotube (CNT) textiles that exhibit both high electrical conductivity and a level of toughness that is about fifty times higher than copper films, currently used in electronics.

"The structural robustness of thin metal films has significant importance for the reliable operation of smart skin and flexible electronics including...

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Forschungsexpedition „Meere und Ozeane“ mit dem Ausstellungsschiff MS Wissenschaft

24.04.2017 | Veranstaltungen

3. Bionik-Kongress Baden-Württemberg

24.04.2017 | Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für Netzleittechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact beteiligt sich an Berliner Start-up Unternehmen für Energiemanagement

24.04.2017 | Unternehmensmeldung

Phoenix Contact übernimmt Spezialisten für industrielle Kommunikationstechnik

24.04.2017 | Unternehmensmeldung