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Muttermilch schützt Ferkel vor Parasitenerkrankung

23.05.2014

Eine bedeutende Erkrankung für neugeborene Schweine ist die sogenannte Saugferkelkokzidiose. Verursacher ist der Parasit Cystoisospora suis. Er infiziert ausschließlich Schweine und verursacht bei neugeborenen Ferkeln oft schwere Durchfallerkrankungen.

ParasitologInnen an der Vetmeduni Vienna entwickelten eine neue Strategie, um die Ferkel zu schützen. Sie infizierten die Muttersauen schon während der Trächtigkeit mit dem Erreger.


Milch immunisierter Mütter schützt die Ferkel vor Infektionen.

Foto: Lukas Schwarz / Vetmeduni Vienna

In der Mutter gebildete Antikörper und andere Abwehrstoffe gelangten über die Muttermilch in die Ferkel und schützten diese vor schweren Infektionen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Veterinary Parasitology veröffentlicht.

Antikörper gegen die Saugferkelkokzidiose werden gleich nach der Geburt über die Muttermilch auf die Ferkel übertragen. Dies fand Tierarzt und Parasitologe Lukas Schwarz gemeinsam mit seinen KollegInnen in einer Studie im Jahr 2013 heraus.

Diese Erkenntnis brachte die Forschenden vom Institut für Parasitologie auf die Idee, die Antikörpermengen gegen die Saugferkelkokzidiose in den Sauen zu erhöhen. Ziel war es, die Ferkel in den ersten Lebenstagen mit möglichst vielen Antikörpern aus der Muttermilch zu versorgen.

Ferkel infizierter Mütter sind weniger krank

Tatsächlich zeigten Ferkel von infizierten Müttern wesentlich mildere Krankheitsverläufe, als vergleichbare Ferkel von nicht infizierten Sauen. Die immunisierten Jungtiere hatten insgesamt weniger oder gar keinen Durchfall und wenn, dann über einen kürzeren Zeitraum. Zusätzlich schieden diese Ferkel auch weniger Parasiten aus.

„Eine Infektion mit Cystoisospora suis führt zu starken Durchfallerkrankungen bei den Ferkeln. Für erwachsene Schweine ist die Infektion absolut unproblematisch“, erklärt Erstautor Schwarz.

Muttersauen produzieren Antikörper für ihre Ferkel

Um die Antikörperproduktion gegen Cystoisospora suis im Körper der Mütter anzuregen, verabreichten die Forschenden den trächtigen Sauen zwei Wochen vor der Geburt infektiöse Stadien des Parasiten. In diesem Entwicklungsstadium werden die Parasiten mit dem Kot erkrankter Tiere in großen Mengen ausgeschieden und kleben dann auf dem Boden und den Einrichtungsgegenständen in vielen Schweineställen.

Sie werden von anderen Ferkeln über das Maul aufgenommen und siedeln sich im Darm an, befallen die Darmschleimhaut, vermehren sich und werden wieder ausgeschieden. Diese Stadien sind in der Umgebung mehrere Monate überlebensfähig und sehr schwierig abzutöten, so dass in einem betroffenen Betrieb immer wieder mit Neuinfektionen gerechnet werden muss. Auch Sauen nehmen die Parasiten auf, erkranken jedoch nicht sondern töten die Parasiten unter Bildung verschiedener Immunstoffe ab.

Antikörper, die gegen die Parasiten gebildet werden, werden über die Muttermilch in den ersten Lebensstunden in großen Mengen an die Ferkel weitergegeben und gelangen so ins Blut und in den Darm der Neugeborenen, die selbst noch keine eigenen Antikörper produzieren können. Diese mütterlichen Antikörper schützen Ferkel in den ersten Lebenswochen vor Infektionen. Je höher die Antikörperspiegel in der Milch der Sauen sind, desto besser ist die Schutzwirkung.

Je mehr Antikörper, desto weniger Durchfall

Ferkel mit milderen Symptomen hatten gleichzeitig höhere IgA-Spiegel im Blut. Diese Immunglobuline befinden sich nicht nur im Blut sondern vorwiegend im Darm und stellen dort eine Barriere für Krankheitserreger dar. Dieselben erhöhten IgA-Spiegel fanden die Forschenden im Blut der infizierten Mütter. „Bisher glaubte man, dass Immunglobuline keine Rolle beim Verlauf der Saugferkelkokzidiose spielen. Mit unserer Arbeit liefern wir erste Hinweise darauf, dass die Immunglobuline durchaus wichtig sein könnten. Welche Funktion die Antikörper genau haben, werden wir in weiteren Studien untersuchen“, führt Schwarz aus.

Schützende Milch als Grundlage für eine Impfung

Besonders hohe Mengen des IgA fanden die Forschenden in der frühen Muttermilch, dem sogenannten Kolostrum. Diese besonders nahrhafte Milch nehmen alle Säugetiere in den ersten Lebenstagen zu sich. Die sprichwörtliche „Milch-Impfung“ könnte als Grundlage für die Entwicklung einer Impfstrategie gegen die Saugferkelkokzidiose dienen.

„Es gibt zwar wirksame Medikamente gegen die Saugferkelkokzidiose, wir wollen den Parasiten aber mit Hilfe einer Immunreaktion in den Ferkeln bereits im Keim ersticken“, so Erstautor Lukas Schwarz.

Die Bedeutung der Saugferkelkokzidiose

Die Saugferkelkokzidiose ist eine schwere Parasitenerkrankung bei jungen Ferkeln und führt durch eine umfassende Zerstörung der Dünndarmschleimhaut zu starken Durchfällen, reduzierter Nährstoffaufnahme und damit zu langsamerem Wachstum der Tiere. Eine Infektion mit Cystoisospora suis kann auch tödlich verlaufen und führt zu signifikanten wirtschaftlichen Verlusten für Schweinezuchtbetriebe.

Der Artikel „ Superinfection of sows with Cystoisospora suis ante partum leads to a milder course of cystoisosporosis in suckling piglets” von Lukas Schwarz, Hanna Lucia Worliczek, Max Winkler und Anja Joachim erschien vor kurzem in der Fachzeitschrift Veterinary Parasitology. http://dx.doi.org/10.1016/j.vetpar.2014.04.026

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien

Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Augenmerk gilt der Tiergesundheit und der Lebensmittelsicherheit. Im Forschungsinteresse stehen die Gesundheit von Tier und Mensch sowie Themen der Tierhaltung und des Tierschutzes. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.200 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. http://www.vetmeduni.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr.med.vet. Lukas Schwarz
Universitätsklinik für Schweine
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 20577-6848
lukas.schwarz@vetmeduni.ac.at

Aussenderin:
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Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
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Weitere Informationen:

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Dr. Susanna Kautschitsch | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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