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Moderner Rohstoff aus uraltem Getreide - waxyGerste liefert hochwertige Stärke für die Industrie

19.08.2009
Gerste ist die älteste bekannte Getreideart überhaupt. Seit mehr als 12 000 Jahren dient sie als Nahrungsmittel, Futtergetreide oder zur Herstellung von Bier.

Mit der 2008 erstmals zugelassenen waxyGerste könnte sich das Nutzungsspektrum des Getreides deutlich erweitern. Denn die waxy-Sorten haben einen großen Vorteil: durch eine zufällige Mutation bilden sie in ihren Körnern Stärke mit einem extrem geringen Anteil an Amylose, die in Industriestärke unerwünscht ist.

Gleichzeitig liegt ihr Amylopektingehalt bei 95 Prozent. In den üblichen Gerstensorten ist das Verhältnis der beiden Stärkekomponenten mit etwa 25 zu 75 deutlich ungünstiger. Für die industrielle Nutzung ist ausschließlich das Amylopektin interessant, das bisher mit großem Energie- und Wasserbedarf aus der Getreidestärke isoliert werden muss.

Die waxy-Stärke besticht auch durch besondere physikalische Qualitäten. Sie besitzt eine wesentlich höhere Kleisterviskosität als übliche Stärken und neigt aufgrund ihrer hohen Wasserbindungskraft nicht zur Kristallisation. Damit bietet sie sich als ideale Komponente für Industrieklebstoffe und Bindemittel an. Zudem liefert sie 50 Prozent mehr Ballaststoffe (ß-Glucane) als übliche Sorten und hat einen aromatisch fruchtigen Geschmack. Das macht sie besonders interessant für die Lebensmittelindustrie.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern des Julius Kühn Instituts, Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz in Quedlinburg sind die Möglichkeiten der waxyGerste damit aber noch lange nicht erschöpft. Im Rahmen des Forschungsprojektes "Innovative Gerstensorten als nachwachsender Rohstoff" erarbeiten Partner aus Wissenschaft und Industrie zurzeit neue Anwendungsgebiete. Dazu gehören zum Beispiel die Eignung der waxy-Stärke als Biowerkstoff, als Bindemittel in der Papierindustrie, als Schleifmittel, Dämmstoff und als Erosionsschutz.

Die Chancen für eine Zukunft als nachwachsender Rohstoff stehen gut. Denn die bisher geprüften Sorten stellen nur geringe Ansprüche an die Böden, sind resistent gegen die häufigsten Pilzerreger und liefern ähnliche Erträge wie andere moderne Wintergerstensorten.

Jürgen Beckhoff | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.bmelv-forschung.de
http://www.bmelv-forschung.de/de/ergebnisse/forschungsreport

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