Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit mehr Tempo über den Acker

21.05.2010
Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts untersuchen, wie schnell Landwirte mit der Pflanzenschutz-Spritze übers Feld fahren dürfen

Die Unkrautbekämpfung in Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais steht an. In Getreide und Raps werden Pilzkrankheiten bekämpft. Deshalb sieht man jetzt Landwirte mit ihren Spritzgeräten über die Felder fahren. Die Pflanzenschutzmittel werden in vergleichsweise gemächlichem Tempo von maximal 8 bis 10 km/h ausgebracht.

Da Zeit sprichwörtlich Geld ist, stellt sich für Betriebe mit großen Flächen die Frage, ob man nicht auch mit höheren Geschwindigkeiten die Mittel ausbringen kann. Das ist auch wichtig, weil der Zeitraum, in dem die Behandlung zum Erfolg führt, für die meisten Krankheitserreger gering bemessen ist. Ob und unter welchen Voraussetzungen Landwirte das Tempo anziehen dürfen, um eben jenes Zeitfenster optimal zu nutzen, wird am Julius Kühn-Institut (JKI), dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Kleinmachnow untersucht. Dabei stellten die Ingenieure vom JKI fest, dass mit so genannten abdriftmindernden Düsen bei höheren Geschwindigkeiten genügend Wirkstoff in der Kultur ankommt. Allerdings kann bei zu hohen Fahrgeschwindigkeiten ein Teil der Pflanzenschutzmittel über die Grenzen der Feldfläche hinaus verweht werden. Dieser so genannten Abdrift gilt es entgegen zu wirken, indem die Fahrgeschwindigkeiten in den Feldrandbereichen weiterhin niedrig bleiben.

In den vergangenen drei Jahren wurden Winterweizenflächen mit verschiedenen Aufwandmengen und bei verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten sowohl mit speziellen Testmitteln als auch mit echten Pflanzenschutzmitteln behandelt.

Die Fahrgeschwindigkeiten betrugen 8, 16 und 24 km/h. Die Aufwandmengen variierten zwischen 100 und 200 l/ha. Die Pflanzen wurden in verschiedenen Entwicklungsstadien behandelt. Die Geräte waren mit leistungsstarken Pumpen und verschiedenen abdriftmindernden Düsen ausgestattet. „Diese spezielle Düsentechnik ist Grundvoraussetzung dafür, dass man die Geschwindigkeit überhaupt erhöhen kann“, stellt Hans-Jürgen Wygoda vom JKI klar. Mit den genannten Düsen konnte auch bei höheren Fahrgeschwindigkeiten noch eine gute Durchdringung der Pflanzenbestände erzielt werden. Die unteren Pflanzenteile wurden noch ausreichend benetzt.

„Das ist besonders für große Betriebe, wie sie in den neuen Bundesländern vorkommen, ein wichtiges Signal", sagt Ingenieur Wygoda. Denn es spare Kosten, wenn beispielsweise ein Gerät an einem Tag die doppelte Fläche behandeln könne. Das JKI hält aber eine differenzierte Empfehlung zur Fahrgeschwindigkeit für angebracht:

1.) Im Randbereich eines Schlages sind auch bei Verwendung abdriftmindernder Düsen unbedingt die Bestimmungen einzuhalten, die im Verzeichnis Verlustminderende Geräte genannt sind. Nach guter fachlicher Praxis beträgt die Fahrgeschwindigkeit 6 bis 8 km/h.

2.) Zum Inneren des Schlages hin, wenn die Gefahr der Abdrift nicht mehr besteht, kann auch mit höheren Fahrgeschwindigkeiten gearbeitet werden.

„Konkrete Empfehlungen, um wie viel Kilometer pro Stunde schneller gefahren werden darf, können wir erst 2011 geben. Dann liegen mindestens 3-jährige Ergebnisse mit Bonitur des Bekämpfungserfolges und Ertragsermittlung vor“, so Dr. Heinz Ganzelmeier. Der Leiter des Instituts für Anwendungstechnik im Pflanzenschutz am JKI erklärt, dass diese Ergebnisse auch eine wichtige Basis für eine Fortschreibung der Grundsätze für die „Gute fachliche Praxis“ sind. „Mit unserer Versuchsanstellung über einen großen Geschwindigkeitsbereich erwarten wir deutliche Effekte. Sie ermöglichen Aussagen, in welchem Maße die Fahrgeschwindigkeit erhöht werden kann, ohne dass die Qualität der Applikation, d.h. die Verteilungsqualität und das Eindringverhalten darunter leiden.“

Hintergrundinfo:
Abdriftmindernde Düsen sind inzwischen Stand der Technik und dürften heutzutage kaum in einer Feldspritze fehlen. Die Landwirte nutzen diese Technik vorrangig, um die Abdrift auf Nachbarkulturen oder angrenzende Oberflächengewässer und Biotope zu vermeiden. Auch im Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel werden die abdriftmindernden Düsen berücksichtigt. Mit abdriftmindernden Düsen kann der Landwirt die Spritzabstände zu gefährdeten Objekten vermindern, ohne das Risiko zu erhöhen. Auch bleiben weniger Flächen unbehandelt, die sonst potenzielle Infektionsquellen darstellen und Ertragsverluste nach sich ziehen.
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Wygoda (Standort Kleinmachnow) Tel.: 033203 / 48-218
Dr. Heinz Ganzelmeier (Standort Braunschweig) Tel.: 0531 / 299-3251
Institut für Anwendungstechnik im Pflanzenschutz am
Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
E-Mail: at@jki.bund.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Plant3, Zukunftsstrategie für Landwirtschaft, Fischerei und Weiterverarbeitung in Nordosdeutschland
25.05.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Die letzten Urwälder Europas
25.05.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics