Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr Kartoffeln für Westafrika durch Produktion von gesundem Pflanzgut

31.07.2013
Julius Kühn-Institut hilft Partnern aus der Republik Benin mit Know-How zu Kartoffelkrankheiten und entwickelt mit Kollegen der Université Abomey-Calavi verfahrenstechnische Grundlagen der landeseigenen Pflanzgutproduktion

Kartoffeln ergeben pro Pflanzfläche mehr Kalorien als alle Getreidearten. Sie enthalten viele lebenswichtigen Mineralien und Vitamine und sind eine wichtige Einnahmequelle für die Bauern in ländlichen Gebieten Westafrikas. Die deutsche Entwicklungshilfe zielt daher darauf ab, die Kartoffelproduktion in Hungersnotgebieten der Welt zu etablieren und die Erträge zu steigern.


Feldbonitur auf Kartoffelkrankheiten in Benin
Foto: Lindner/Julius Kühn-Institut

In den vergangenen drei Jahren konnte sich Dr. Kerstin Lindner vom Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig in der Republik Benin ein Bild von den Produktionsverhältnissen vor Ort machen. Zusammen mit Dr. Daniel Chougourou von der Université Abomey-Calavi untersuchte sie den Gesundheitsstatus der in Benin produzierten Kartoffelknollen. Nur wenn man weiß, unter welchen Krankheiten die Kartoffeln leiden, lassen sich geeignete Gegenmaßnahmen etablieren.

Das Projekt zur „Schaffung von phytopathologischen und verfahrenstechnischen Grundlagen zur Einführung einer einfachen Methode für die Kartoffelpflanzgutproduktion in Benin“ wurde zwischen 2011 und 2013 im Rahmen einer „Bilateralen Agrarforschungskooperation“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Benin gefördert und über die BLE finanziert.

„Wir haben festgestellt, dass die Kartoffeln sehr häufig durch Ralstonia solanacearum, dem Erreger der Schleimkrankheit, befallen sind“, berichtet Dr. Lindner. In Europa ist R. solanacearum ein meldepflichtiger Quarantäneschaderreger, dessen Einschleppung und Verbreitung verhindert werden muss. Weitere Krankheitserreger, die den Kartoffeln in Benin zusetzen, sind Dickeya solani und Pectobakterium atrosepticum. Der Befall mit den Hauptkartoffelviren PVY, PVA, PLRV und PVS fällt recht moderat aus, berichtet die Spezialistin für Kartoffelviren des JKI weiter. Bei den Pilzkrankheiten dominierte die Dürrfleckenkrankheit (Alternaria spp.). Insgesamt wurden in Braunschweig 20 kg Kartoffelknollen und umfangreiches Blattmaterial von Kartoffelpflanzen aus den diversen Anbaugebieten Benins untersucht.

„Ein erklärtes Ziel Benins ist es, die Kartoffelflächen auszudehnen, um den hohen Eigenbedarf aus eigener Kraft zu decken“, berichtet Dr. Lindner. „Dafür haben wir mit unseren Untersuchungen zum phytosanitären Status der Kartoffeln eine wichtige Grundlage gelegt.“ Jetzt ist vor Ort noch einiges zu tun, so die Einschätzung der JKI-Wissenschaftlerin: Um die Schleimkrankheit einzudämmen, muss unter anderem die Art der Bewässerung verändert werden.

Zudem müssen die Beteiligten mehr Wert auf gesundes Pflanzgut legen, um Dickeya solani vorzubeugen. Parallel zur Erhöhung der produzierten Kartoffelmenge gilt es die Lagerkapazität aufzustocken, die nicht nur zur einfachen Aufbewahrung, sondern auch zur Kühlung der Kartoffeln nötig ist. Dadurch würde zudem die Voraussetzung zur zwischenzeitlichen Lagerung von Pflanzkartoffeln aus eigener Produktion geschaffen.

Wünschenswert ist sicher eine engere Zusammenarbeit der Universität mit den staatlichen Landwirtschaftszentren und schließlich den Landwirten selbst. „Aufklärung vor Ort ist wichtig“, bringt es Dr. Lindner auf den Punkt. Derzeit betreut ein Doktorand der Université Abomey-Calavi die Kartoffelproduktion vor Ort. Nach der diesjährigen Ernte ist ein gemeinsamer Austausch zwischen Agrarwissenschaftlern und Landwirten geplant. Außerdem wird empfohlen, den Kontakt zum Internationalen Kartoffelinstitut in Lima (Peru) herzustellen. Ein landeseigenes Zuchtprogramm anzuschieben, dem sich mehrere westafrikanische Länder anschließen könnten, wäre ein langfristiges Ziel.

Kontakt zur Wissenschaftlerin:
Dr. Kerstin Lindner
Julius Kühn-Institut – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Institut für Pflanzenschutz in Ackerbau und Grünland
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
E-Mail: kerstin.lindner@jki.bund.de
Tel.: 0531/299-4515
Publikation: Lindner et al. "Kartoffelproduktion in Benin - ein Beitrag zur Verringerung von Hunger und Armut in Westafrika", Journal für Kulturpflanzen, 64(8), S.295-305
Hintergrundinfo zur Situation in Benin:
Der Anbau von Kartoffeln wurde in den 1950er Jahren durch die Französische Kolonialmacht eingeführt. Mittlerweile ist die Frucht, die als Gemüsekultur angesehen wird, fester Bestandteil des Speiseplanes der Bevölkerung Benins. Die Nachfrage ist größer als die Produktion im eigenen Land. Deshalb werden Kartoffeln aus Frankreich importiert. Die Produktion erfolgt derzeit ausschließlich in den Departments Alibori (Malanville und Karimama) und Atakora (Ouassa Pehunco). Die Erträge liegen mit 14 - 18 t/ha im Vergleich zum restlichen Westafrika recht hoch, reichen aber bei weitem nicht an die Erträge in Deutschland von 35 – 50 t/ha heran. Der gesamte Kartoffelsektor, beginnend mit der Beschaffung des Saatgutes bis hin zur Vermarktung, wird von wenigen Privatpersonen dominiert.

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.bmz.de/de/presse/aktuelleMeldungen/2013/juni/130604_Hans-Juergen-Beerfeltz-Die-Kartoffel-muss-nach-Afrika/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Firmen räumen bei der IT, Mobilgeräten und Firmen-Hardware am liebsten in der Urlaubsphase auf

28.07.2017 | Unternehmensmeldung

Dunkel war’s, der Mond schien helle: Nachthimmel oft heller als gedacht

28.07.2017 | Geowissenschaften

8,2 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

28.07.2017 | Förderungen Preise