Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mastitis ist nicht gleich Mastitis - Der Euterinfektion den Kampf ansagen

26.06.2013
Die Gesundheit des Euters ist für das Wohlbefinden von Milchkühen von entscheidender Bedeutung.

Deshalb gilt es, der Entzündung eines solch großen Organs besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Neben dem Leid für das Rind sind auch die ökonomischen Folgen für den Landwirt relevant.

Schätzungen zufolge erkranken 15 Prozent der Rinderbestände an Mastitis. Allein bei Milchkühen wird in Deutschland der wirtschaftliche Schaden durch Mastitiden pro Jahr auf 255 Millionen Euro geschätzt.

Dabei ist Mastitis nicht gleich Mastitis. Die Infektion erfolgt zwar im Regelfall als aufsteigende, bakterielle Besiedlung der Milchdrüse über den Strichkanal. Doch der Krankheitsverlauf ist vor allem abhängig von der Spezies des Erregers. Das zeigte eine Untersuchung des Instituts für Genombiologie am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN).

Demnach werden zwei typische Infektionsverläufe unterschieden: Bei einer akuten Mastitis, ausgelöst durch Darm-Bakterien wie Escherichia coli, verläuft die Krankheit häufig mit starken Symptomen. Die Immunabwehr im Euter überwindet jedoch nicht selten die Eindringlinge vollständig und reinigt die Milchdrüse.

Der Befall mit Bakterien wie Staphylococcus aureus oder Streptococcus uberis führt hingegen oft nur zu einer schwachen Entzündungsreaktion, der sogenannten subklinischen Mastitis, bei der häufig dauerhaft hohe Zellzahlen in der Milch vorhanden sind. Der Krankheitsverlauf ist unauffällig, das Abwehrsystem greift nur verzögert und nicht in vollem Umfang. In der Folge können sich die Keime vermehren und sich auch in den Zellen des Euters einnisten.

Auf diese Weise bleiben sie nicht nur über einen längeren Zeitraum unentdeckt, sondern sind damit einer nachhaltigen Antibiotikabehandlung entzogen. Neben dem nur geringgradigen Immunverhalten verhindern die Keime der S. aureus die sonst übliche Signalweiterleitung in weitere Körperzellen. S. uberis verursachen hingegen keinerlei Abwehrsignal, sie verfügen über eine Art Tarnkappe und bleiben daher unerkannt.

Ein weiteres Experiment zur Genomanalyse wurde anhand von Jungrindern und deren spezifischen Genom-Informationen vorgenommen. Nach dem ersten Abkalben zeigten Tiere mit der eher "unvorteilhaften" Genom-Information sehr schnell erste Anzeichen für eine gestörte Eutergesundheit, während sich ihre Artgenossen mit der "vorteilhaften" genetischen Ausstattung als völlig unauffällig erwiesen.

Offenbar hat nicht nur die Art des Keims, sondern auch die genetische Prädisposition der Milchkuh Einfluss auf die Qualität des Immunverhaltens. Mastitis ist somit eine vielgestaltige Erkrankung, deren Heilung sowohl von der Art des Erregers, als auch vom Abwehrvermögen des Tieres abhängt.

Künftig könnte somit die Selektion und Zucht der Milchkühe gezielt anhand des genetischen Merkmals für ein verbessertes Abwehrvermögen erfolgen. Auch für die Therapie der Tiere mit der schlechteren genetischen Veranlagung sind diese Erkenntnisse von Bedeutung.

Weitere Informationen:

Die erregerspezifische Behandlung von Mastitis durch Streptococcus agalactiae, Staphylococcus aureus und Streptococcus uberis erläutert das aid-Heft "Eutergesundheit - Grundlage der Qualitätsmilcherzeugung", Bestell-Nr. 61-1275, Preis: 4,00 Euro,

www.aid-medienshop.de

Anke Klabunde | www.aid.de
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

nachricht Rinderhaltung: Europäische Agrarwissenschaftler betreten Neuland in der Forschungskooperation
16.02.2018 | Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics