Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magnetische Weihnachtskarpfen: UDE-Zoologen beobachten Erstaunliches in der Badewanne

07.12.2012
Mit Kartoffeln und Meerrettich, dampfgegart oder aus dem Bräter: zu Weihnachten landen traditionell wieder viele Karpfen auf der Festtafel.

Nicht jedoch, ohne vorher quicklebendig in großen Bottichen oder gar der eigenen Badewanne auszuharren. Das haben Zoologen der Universität Duisburg-Essen (UDE) für ein großangelegtes Experiment genutzt und die Körperausrichtung der Fische untersucht. Verblüffendes Ergebnis:


Fotobeweis: Die 360°-Grafik verdeutlicht die Nord-Süd-Präferenz der Weihnachtskarpfen.

Grafik: © Vlastimil Hart

Die Karpfen ziehen keinesfalls orientierungslos ihre Bahnen, sondern richten sich am Magnetfeld der Erde aus. Die Erkenntnisse von PD Dr. Sabine Begall, Prof. Dr. Hynek Burda und ihren Prager Kollegen wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift PLOS ONE publiziert.

Als Versuchsorte dienten den Forschern die tschechischen Fischmärkte im Advent. Hier werden jedes Jahr bis zu sechs Millionen Karpfen aus großen Bottichen verkauft – was einem halben Fisch pro Kopf entspricht. Mehr als 14.000 Fischen haben die Forscher ganz genau auf die Flossen geschaut: „An 30 verschiedenen Orten wurden rund 700 Fotos erfasst, vermessen und analysiert“, erklärt Prof. Dr. Hynek Burda den aufwändigen Versuch. Die Aufnahmen zeigten, dass die Karpfen ihre Körperachse tendenziell nordsüdlich ausrichten, selbst auf engstem Raum.

Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift PLOS ONE publiziert und ist hier online abrufbar: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0051100

Inspirieren ließen sich die Autoren von ihren früheren Arbeiten zu Kühen, Hirschen und jagenden Füchsen. Anhand von Satellitenbildern und Naturbeobachtungen konnten sie bereits belegen, dass alle die Nord-Süd-Ausrichtung bevorzugen. Und jetzt schwimmt auch der Karpfen in diese Lieblingsrichtung. „Weder die Wasserströmung, das Licht oder andere Faktoren, die berücksichtigt wurden, können das begründen“, sagt Burda. Die Magnetfeldwahrnehmung sei die einfachste und zugleich einzige Erklärung.

Was dieses Verhalten bedeutet, können die Forscher nur spekulieren: Die Magnetausrichtung könnte das Wohlbefinden der Fische positiv beeinflussen oder die Bewegungen im Schwarm synchronisieren. „Auf jeden Fall wird damit deutlich, dass die Magnetorezeption nicht nur bei Langstreckenwanderungen eingesetzt wird, sondern auch im Alltagsleben“, sagt Burda. Mit dem Karpfen, einem robusten Fisch, haben die Zoologen nun ein neues Tier, um den Magnetsinn weiter zu erforschen.

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0051100
http://www.uni-duisburg-essen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Nordatlantisches Wetterphänomen beeinflusst extreme Samenjahre bei Bäumen in Europa
16.01.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feldarbeiten der größten Bodeninventur Deutschlands sind abgeschlossen
15.01.2018 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Im Focus: The first precise measurement of a single molecule's effective charge

For the first time, scientists have precisely measured the effective electrical charge of a single molecule in solution. This fundamental insight of an SNSF Professor could also pave the way for future medical diagnostics.

Electrical charge is one of the key properties that allows molecules to interact. Life itself depends on this phenomenon: many biological processes involve...

Im Focus: Wie Metallstrukturen effektiv helfen, Knochen zu heilen

Forscher schaffen neue Generation von Knochenimplantaten

Wissenschaftler am Julius Wolff Institut, dem Berlin-Brandenburger Centrum für Regenerative Therapien und dem Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungen

Fachtagung analytica conference 2018

15.01.2018 | Veranstaltungen

Tagung „Elektronikkühlung - Wärmemanagement“ vom 06. - 07.03.2018 in Essen

11.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

2. Hannoverscher Datenschutztag: Neuer Datenschutz im Mai – Viele Unternehmen nicht vorbereitet!

16.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Ein „intelligentes Fieberthermometer“ für Mikrochips

16.01.2018 | Informationstechnologie

Diagnostik der Zukunft - Europäisches Projekt zur Erforschung seltener Krankheiten startet

16.01.2018 | Förderungen Preise