Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kurzumtriebsplantagen - Bioenergie mit Zusatznutzen

14.01.2009
Noch gibt es sie bei uns kaum, doch sie könnten zu einem wichtigen Standbein der Energieversorgung werden: Kurzumtriebsplantagen mit schnellwachsenden Baumarten wie Pappeln oder Weiden.

Darüber hinaus haben sie das Potenzial, sich auch zu einem ökologischen Plus für die Landschaft zu entwickeln. Das zeigt eine Literaturstudie im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland (NABU).

Er sieht in dieser Landnutzungsform Chancen, da sie im Vergleich zum konventionellen Ackerbau als weitgehend extensive Form der Landbewirtschaftung betrachtet werden kann. Neben Vorteilen für Boden und Klima bieten diese Flächen besonders in stark ackerbaulich geprägten Gebieten eine strukturelle Bereicherung.

Unter Umweltschutzaspekten sieht die Studie gegenüber einjährigen Kulturen klare Vorteile: So besteht kaum Bedarf an Düngung, zumal auf bisherigen Ackerflächen, die einen großen Vorrat an Nährstoffen aufweisen. Die Nährstoffbindung wird deutlich verbessert. Die Nitrat-Auswaschung verringert sich gegenüber ackerbaulicher Nutzung wesentlich. Um einen anfänglichen Austragsschub von Nitrat zu begrenzen oder zu verhindern, empfehlen die Autoren der Studie, die Bodenbearbeitung im Frühjahr durchzuführen und so weit wie möglich zu reduzieren.

Deutliche Vorteile ergeben sich beim Klimaschutz, unter anderem bei den stark klimaschädlichen Lachgasemissionen, die sich deutlich verringern. Der insgesamt geringe Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verbessert ebenfalls die Klimabilanz. Besonders wichtig ist hier aber der Hauptaspekt der Plantagen, mit klimaneutraler Bioenergie fossile Energieträger zu ersetzen: Mit Kurzumtriebsplantagen lassen sich unter günstigen Bedingungen deutlich über zehn Tonnen Trockenmasse pro Jahr und Hektar erzeugen. Dies entspricht dem Heizwert von bis zu 5.000 l Heizöl. So ergeben sich kostengünstig hohe Treibhausgas-Einsparungen.

Unter Bodenschutzgesichtspunkten stellen die Plantagen eine hervorragende Möglichkeit zur Verhinderung von Bodenerosion dar. Außerdem verzögert sich bei Niederschlägen der oberflächliche Abfluss, Hochwasserspitzen werden abgeschwächt.

Gegenüber normaler landwirtschaftlicher Nutzung steigt allerdings der Wasserverbrauch. Vor allem in niederschlagsarmen Regionen kann dies zum Problem werden (verringerte Grundwasserneubildung). Daher sollten kurze Umtriebszeiten (2-3 Jahre) gewählt werden, die weniger wasserzehrend sind.

Kurzumtriebsplantagen bieten besonders in Landschaften mit überwiegend ackerbaulicher Nutzung zusätzliche Lebensräume und Trittsteinbiotope für Tier- und Pflanzenarten. Die Autoren erwarten von kleinstrukturierten Anlagen mit Bestandsblöcken unter 1 Hektar Größe positive Wirkungen auf die Artenvielfalt. Aus tierökologischer Sicht empfohlen wird ein Mosaik unterschiedlicher Umtriebsstadien, die Verwendung verschiedener Baumarten sowie ergänzende Strukturen im Randbereich wie Hecken, Steinhaufen usw. Standortheimische Baumarten sollten zumindest beigemischt werden.

Die Studie empfiehlt, analog zu Erstaufforstungen eine Flächenbewertung vorzunehmen und Vorrang- und Tabuflächen aus Sicht des Artenschutzes zu definieren (Sicherung von Magerrasen, Feuchtwiesen, Bachauen, Bodenbrütergebieten). Mit einem gezielten Management lassen sich so positive Effekte für die Verbesserung der Landschaftsstruktur erzielen.

Rainer Schretzmann | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de
http://www.nabu.de/themen/landwirtschaft/biomasse/10268.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe
20.04.2018 | Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

nachricht Nitrat-Problem der Landwirtschaft in Luft auflösen
29.03.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics