Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den kleinen Unterschied im Fokus - Präzisionslandwirtschaft für die Ernährungssicherung von morgen

12.02.2010
Die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln in ausreichender Menge und Qualität ist angesichts der wachsenden Weltbevölkerung eine globale Herausforderung.

Für die Ernährungssicherung von morgen wird Präzisionslandwirtschaft zu einer Schlüsseltechnologie. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim und von der University of Nebraska-Lincoln in einem Artikel, der im Fachmagazin Science am 12. Februar 2010 veröffentlicht wurde.

Präzisionslandwirtschaft verbindet Sensoren, Systeme der Informationsverarbeitung und Automationstechniken mit dem Ziel, die Produktion von Lebensmitteln durch Berücksichtigung der Variabilität des Agrarökosystems zu optimieren. Die neuen Produktions- und Managementtechniken setzen auf Unterschiede statt auf Durchschnitt: Bewirtschaftungsmaßnahmen innerhalb eines Feldes oder einer Herde von Nutztieren werden so gestaltet, dass sie individuell auf die Standortbedingungen und das einzelne Tier angepasst sind. Dies ermöglicht einen effizienteren Einsatz von Produktionsmitteln wie Dünger oder Futter und verringert gleichzeitig die Umweltbelastung. Die Aufzeichnung der gewonnenen Informationen ermöglicht zudem, den Produktionsprozess bis zu jedem Quadratmeter Boden bzw. bis zur Geburt jedes einzelnen Tieres zurückverfolgen zu können.

Bereits heute sind "intelligente", d.h. mit Sensortechnik, Computern und Satellitennavigation ausgestattete Traktoren im Einsatz, die bei der Fahrt über das Feld z.B. den Zustand des Pflanzenbestandes erfassen, mit Geodaten kombinieren und damit punktgenau auf Boden und Nährstoffbedarf der Pflanzen mit abgestimmten Düngemittelgaben reagieren können.

In ihrem Artikel umreißen die Wissenschaftler Robin Gebbers vom Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim und Viacheslav Adamchuk von der University of Nebraska-Lincoln neue Entwicklungen für die Präzisionslandwirtschaft und betonen deren Potenzial zur Sicherung der Lebensmittelversorgung.

"Es geht nicht nur darum, die Rentabilität der Betriebe und die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern. Vielmehr gilt es, die knapper werdenden natürlichen Ressourcen schonend und effizient für eine nachhaltige Produktion von Lebensmitteln und Agrarrohstoffen einzusetzen und dabei die Umweltbelastungen zu reduzieren," erläutert Robin Gebbers. "Werden künftig die von der Erzeugung bis zum Einzelhandel gewonnenen Informationen konsequent genutzt, ist es möglich, die Lebensmittelproduktion zu optimieren - mit einem Minimum an Reststoffen und Kosten."

Die Daten ermöglichen es beispielsweise Landwirten, sowohl unnötige als auch ertragssteigernde Maßnahmen zu identifizieren, sie erlauben ein besseres Monitoring und damit einen besseren Schutz des Agrarökosystems, und nicht zuletzt sind sie Voraussetzung für die Rückverfolgbarkeit der Lebensmittelproduktion. Noch müssen Lücken in der Datenkommunikation geschlossen werden. Der in Deutschland entwickelte Datenstandard agroXML kann künftig den nahtlosen Austausch von Informationen zur Nahrungsmittelproduktion zwischen Landwirten, Zulieferern, Verarbeitern, Behörden, Handel und Verbrauchern auch über nationale Grenzen hinweg erleichtern.

Präzisionslandwirtschaft wird heute weltweit betrieben, und dies nicht nur in Acker-, Obst-, Wein- und Gemüsebau sondern auch in der Tierhaltung. Sensoren, die den Gesundheitszustand und den Futterbedarf jedes einzelnen Tieres erfassen, um beispielweise Futterrationen individuell zu gestalten, haben mittlerweile auf breiter Ebene Eingang in die Praxis gefunden.

Originalveröffentlichung in Science VOL 327, pages 828 -831 (www.sciencemag.org)
Robin Gebbers and Viacheslav I. Adamchuk: Precision Agriculture and Food Security

Die Forschung des Leibniz-Instituts für Agrartechnik Potsdam-Bornim des ATB zielt auf die ressourceneffiziente und CO2-neutrale Nutzung biologischer Systeme zur Erzeugung von Lebensmitteln, Rohstoffen und Energie in Anpassung an Anforderungen von Klimaschutz und -wandel. Zu diesem Zweck entwickelt das ATB verfahrenstechnische Grundlagen für eine nachhaltige Landbewirtschaftung und stellt innovative technische Lösungen für Landwirtschaft und Industrie bereit. Die Aktivitäten des Instituts konzentrieren sich auf umweltverträgliche, tiergerechte und wettbewerbsfähige Produktionsverfahren, auf Qualität und Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln sowie auf nachwachsende Rohstoffe und Energie im ländlichen Raum.

Kontakt:
Dr. Robin Gebbers - Abteilung Technik im Pflanzenbau
Tel.: (0331) 5699-413, E-Mail: rgebbers@atb-potsdam.de
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.
Max-Eyth-Allee 100, 14469 Potsdam

Helene Foltan | idw
Weitere Informationen:
http://www.atb-potsdam.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik