Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jungfernfahrt eines gigantischen Regendachs

27.04.2012
Ein gigantisches bewegliches Dach haben Agrarforscher der Universität Bonn konstruiert und gebaut.
Sie wollen damit ganze Felder vom Regen abschirmen, um etwa besonders trockenheitsresistente Weizen-, Rüben- und Gerstesorten zu finden. Mehr als ein Jahr haben die Wissenschaftler getüftelt, bis das mobile Regenschild sowie die dafür erforderlichen Schienen und Fundamente fertig gestellt waren. Mit einer „Jungfernfahrt“ stellten die Forscher nun unter Beweis, dass sich das rollende Dach tatsächlich mit einem Traktor bewegen lässt.

Vor der riesigen Metallkonstruktion wirkt der große Traktor ein bisschen wie eine winzige Ameise, die mit aller Kraft einen Fichtenzapfen in ihren Bau ziehen möchte. Der Maschinenführer gibt Gas, der Motor brummt, die Deichsel spannt sich und das 24 Tonnen schwere fahrbare Dach bewegt sich in den beiden Schienen Zentimeter für Zentimeter langsam vorwärts. Die beteiligten Wissenschaftler und Techniker auf dem Campus Klein-Altendorf der Universität Bonn jubeln über die gelungene Jungfernfahrt. „Es funktioniert“, freut sich Prof. Dr. Ralf Pude, Geschäftsführer des Außenlabors der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn. „Mit der Planung, Konstruktion und Realisation des fahrbaren Dachs lagen wir goldrichtig.“

Inmitten der Feldflur des Campus Klein-Altendorf haben Techniker und Wissenschaftler zwei 180 Meter lange Betonfundamente in den Boden eingelassen, auf dem sich die Schienen befinden. Darin laufen mehrere Rollen, die das elf mal 50 Meter große Dach tragen, das aus Metallstreben und Scheiben besteht. Ein Traktor zieht es dann mit einer Spezialdeichsel in den Schienen entlang. Da das Dach an der Seite Öffnungen besitzt, besteht ein Luftaustausch mit der Umgebung. „Damit können wir dann quasi unter Freilandbedingungen die unter dem Dach befindlichen Kulturen für eine gewisse Zeit Trockenstress aussetzen“, sagt Pude. Dann wird die Konstruktion etwa 60 Meter weiterbewegt und der nächste Abschnitt des Feldes einer künstlichen Trockenzeit ausgesetzt.

„Der Klimawandel führt absehbar zu mehr Dürren“, berichtet der Geschäftsführer. „Wir wollen deshalb trockenheitsresistente Sorten finden, die auch unter diesen Bedingungen gute Erträge liefern.“ Unter dem riesigen rollenden Regendach simulieren die Wissenschaftler der Universität Bonn ihr eigenes Wetter. Zahlreiche Hightech-Sensoren erfassen automatisch die Vitalität und das Wachstum der Pflanzen. „Das fahrbare Dach ist weltweit wohl einzigartig“, sagt Prof. Pude. „Damit wird der Campus Klein-Altendorf, der an drängenden Fragen der Menschheit arbeitet, weiter gestärkt.“ Die Forscher untersuchen dort etwa auch nachwachsende Rohstoffe für die energetische und stoffliche Nutzung. 96.000 Euro hat das fahrbare Dach gekostet. Die Mittel stammen aus dem Wettbewerb zur Regionale 2010, der mit EU-Geldern finanziert wird. Derzeit entstehen auf dem fast 180 Hektar großen Außenlabor der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn mit knapp 4.700 Quadratmetern Gewächshausfläche neue Gebäude und Forschungsinfrastruktur für insgesamt rund 15,4 Millionen Euro. 11,2 Millionen Euro stammen vom Land und 4,2 Millionen aus dem Wettbewerb zur Regionale 2010.

Kontakt:

Prof. Dr. Ralf Pude
Geschäftsführer der Außenlabore Agrar, Geodäsie, Ernährung
Leiter des Fachbereichs Nachwachsende Rohstoffe
Tel. 02225/9996313
E-Mail: r.pude@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de
http://www.cka.uni-bonn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie