Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Huhn ohne Hoffnung? Neuste Ergebnisse genetischer Untersuchungen belegen die Bedrohung der seltenen Birkhühner

23.06.2014

Für Birkhühner ist die Partnersuche ein Problem. Auf dem Hühner-Heiratsmarkt herrscht zwar Polygamie, aber es gibt einfach zu wenig Auswahl auf dem Balzplatz! Die Folgen sind dramatisch: „Die genetische Vielfalt der heutigen Birkhühner hat sich mit der Abnahme der Bestände deutlich reduziert“, sagt Dr. Gernot Segelbacher.

Der Privatdozent, der vor sechs Jahren mit dem Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung ausgezeichnet wurde, hat jetzt seine Forschungsarbeiten über die genetische Vielfalt der letzten Birkhuhn-Populationen in Mitteleuropa im Vergleich zu den Vorkommen Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts vorgelegt. Birkhühner waren damals eine weit verbreitete Art – ihre Zahl ging in die Zehntausende.


Dr. Segelbacher mit einem Birkhuhn

Ingo Schneider

Das Ergebnis der Forschungsarbeit von Dr. Segelbacher zeigt die dramatische Entwicklung der heute seltenen Birkhühner auf: „Die deutlich geringere genetische Vielfalt lässt sich durch DNA-Analysen der Präparate wissenschaftlich belegen.“ Segelbacher lehrt und forscht an der Universität Freiburg.

Um den Beweis für die Bedrohung des Birkhuhns anzutreten, hat sich der Forscher als Feder-Sammler betätigt und für seine Untersuchungen die Mauser-Federn der letzten noch lebenden Birkhuhnvorkommen in Mitteleuropa genetisch untersucht und dann mit historischen Präparaten aus Dänemark, Schleswig-Holstein und Niedersachsen verglichen. Neben Material aus naturkundlichen Museen konnte Dr. Segelbacher auch auf Federn von ausgestopften Tieren zurückgreifen, die Jäger ihm zur Verfügung gestellt haben. „Ohne die Hilfe der Jäger und die finanzielle Unterstützung der Deutschen Wildtier Stiftung wäre die Arbeit nicht möglich gewesen“, betont Dr. Segelbacher.

„Das Forschungsergebnis ist eine letzte Warnung“, betont der Wissenschaftler. Ob das Birkhuhn noch zu retten ist, bleibt ungewiss. Durch das fortschreitende Trockenlegen von Flachmooren und Feuchtwiesen, durch den Rückgang der Heidegebiete und intensive Landnutzung in unseren Agrarlandschaften, verliert das Birkhuhn seine Lebensräume. Die letzten rund 200 Birkhühner Norddeutschlands stehen vor dem Aus.

Gernot Segelbacher hat seine „Liebe“ zu Birkhühnern schon vor Jahren als junger Forscher entdeckt. Das Birkhuhn ist ein „komischer“ Vogel. Das „Liebeslied“ der Hähne während der Balz hat nur zwei Strophen: Erst wird gekullert, dann geblasen, was ein bisschen wie Gurgeln und Zischen klingt. Die gefiederten Sänger sind auch kreative Tänzer. Beim Kullern trippeln sie mit gefächerten Schwanzfedern und abgespreizten Schwingen über den Balzplatz, um den Hennen zu imponieren. „Damit der eindrucksvolle Balz-Tanz der Birkhühner nicht eines Tages zum Toten-Tanz wird, müssen in Zukunft die Lebensräume der seltenen Hühnervögel erhalten werden“, fordert Segelbacher.

Weitere Informationen:

Für Interviews steht Ihnen unser Forschungspreisträger Dr. Segelbacher zur Verfügung. Sie erreichen ihn unter gernot.segelbacher@wildlife-uni-freiburg.de


Weitere Infos: Eva Goris, Pressesprecherin, Billbrookdeich 216, 22113 Hamburg, Telefon 040 73339-1874, E.Goris@DeutscheWildtierStiftung.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Eva Goris | Deutsche Wildtier Stiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie