Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hör mal, wer da knabbert: Lauschangriff auf Lagerschädling

26.01.2012
Die Maus fiept, raschelt und knabbert vernehmbar, aber auch der Kornkäfer macht beim Fressen und Laufen arttypische Geräusche: Agrartechnik-Forscher der Uni Kassel entwickeln derzeit ein Messsystem, um Schädlinge in Getreidelagern an ihren Geräuschen zu erkennen.

Zwei Millionen Tonnen Getreide und Saatgut werden in Deutschland jährlich durch Schädlingsbefall vernichtet; in Entwicklungsländern schätzte die FAO 2009 die weltweiten Verluste in Getreidelagern durch tierische Schädlinge auf 10 bis 30 Prozent. Das entspricht einem jährlichen Verlust von 180 bis 360 Millionen Tonnen Getreide. Die Verluste sind zu einem bedeutenden Teil auf Insektenbefall zurückzuführen.


Bohnenkäfer auf Schwarzeaugenbohnen
Foto: U. Richter
Copyright: FG AT / Uni Kassel

Hier setzt die Forschung von Prof. Dr. Oliver Hensel und Dr. Uwe Richter im Fachgebiet Agrartechnik, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel in Witzenhausen, an. Sie wollen ein Messsystem entwickeln, das sowohl für Getreide- oder Saatgutsilos als auch in offenen Lagerungsformen, wie in Entwicklungsländern üblich, nutzbar ist.

Während die akustischen Signale von verschiedenen Schädlingen bereits von Biologen beschrieben und identifiziert wurden, ist der agrarwissenschaftliche Ansatz neu: Er zielt auf ein praktikables System, das an der Universität Kassel als Prototyp entwickelt und dann durch Industrieunternehmen produziert und verkauft werden soll.

Schädlingsinsekten erzeugen bei jeder Bewegung aufgrund ihres harten Außenskeletts (Exoskelett) arttypische Geräusche, auch sind bei fast allen Insektenarten verschiedenste individuelle akustische Kommunikationssignale beschrieben.

Dieser „Lärm“ liegt zwar meist unter der menschlichen Hörschwelle, kann aber durch heutige Technik präzise erfasst werden, sodass der emittierte Lärm ein direkter Indikator für das Vorhandensein von Schadinsekten ist.

Die Wissenschaftler im Fachgebiet Agrartechnik arbeiten an einem modularen System, das aus einer ‚Sensorlanze’, einem auch ausziehbaren Stab mit Senor, und einem Prozessrechner besteht. So sollen zum einen Handgeräte für flexible Messungen in kleineren Betrieben als auch ein Festeinbau in marktübliche Silos umgesetzt werden.

Durch eine stückweise Verlängerung der Sensorlanze kann das System an jegliche Größe von Silos angepasst werden. Durch die frühzeitige Erfassung und Klassifizierung des Schädlingsbefalls ermöglicht das Messsystem eine optimale Bekämpfung. So können sie etwa mit Wärme bekämpft werden statt des Einsatzes von Breitbandinsektiziden.

http://www.uni-kassel.de/uni/fileadmin/datas/uni/presse/anhaenge/
2012/Bohnenkaefer_beim_Fressen_20fach_verstaerkt.wav
Audiodatei: So hören sich Bohnenkäfer beim Fressen an.
Copyright: FG AT / Uni Kassel
Universität Kassel
FB 11 - Ökologische Agrarwissenschaften
Fachgebiet Agrartechnik
Prof. Dr.-Ing. Oliver Hensel
Tel.: 05542/98-1225
E-Mail: agrartechnik@uni-kassel.de
Dr.-Ing. Uwe Richter
Tel.: 05542/98-1620
E-Mail: judge@wiz.uni-kassel.de

Ellen Leeser | Universität Kassel
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Getreide, das der Dürre trotzt
19.09.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik