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Herausforderungen des Agrarsektors in Russland, der Ukraine und Kasachstan

19.11.2013
Ergebnisse eines Forums auf der AGRITECHNICA

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Technik & Management“ auf der AGRITECHICA in Hannover fand am 14. November 2013 ein Forum zum Thema „Möglichkeiten und Herausforderungen großbetrieblicher Landwirtschaft in Russland, der Ukraine und Kasachstan“ statt.

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des IAMO und Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialogs legten die Chancen und Risiken, die mit dem Einsatz großbetrieblichen Strukturen in der Agrarproduktion dieser Länder verbundenen sind, dar. Auf der Diskussionsveranstaltung, die Achim Schaffner, Fachgebietsleiter Ökonomie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), moderierte, wurde das Thema aus wissenschaftlicher, politischer wie auch praxisbezogener Perspektive beleuchtet.

In seinem einführenden Referat erläuterte der IAMO-Wissenschaftler Martin Petrick, dass in Russland etwa dreiviertel der Agrarflächen von Großbetrieben bewirtschaften werden. Die Flächenanteile großbetrieblicher Landwirtschaft in der Ukraine und Kasachstan lagen in den letzten Jahren bei unter 50 Prozent. Auch wenn die Großbetriebe dieser Länder im Vergleich zu kleineren Betrieben wie Bauern- und Hauswirtschaften bisher eine geringere Flächenproduktivität aufweisen, ist deren Gesamtproduktivität heute deutlich höher als noch zur Jahrtausendwende.

Die positive Entwicklung und Stabilisierung im Ackerbau sind seit der Transformationskrise insbesondere auf die Veränderungen der politischen und makroökonomischen Rahmenbedingungen, das vielfach vorteilhafte Verhältnis von Boden – Kapital – Arbeit, die Modernisierung der Maschinenbestände sowie den Anstieg des Agrarpreisniveaus zurückzuführen. Die durch teilweise hohe staatliche Förderungen und außerlandwirtschaftlichen Kapital finanzierten Agroholdings werden von der dortigen Bevölkerung aus der Tradition großbetrieblicher Landbewirtschaftung zwar begrüßt, stehen jedoch in Hinsicht des Fachkräftemangels, lokalen Managements sowie der bestehenden politischen und institutionellen Gegebenheiten vor großen Herausforderungen.

Am Beispiel der Tierhaltung legte Martin Petrick dar, dass in diesem Bereich ein erhebliches Entwicklungspotenzial besteht. Seit den letzten Jahren haben sich die Rinderbestände in Russland und Kasachstan sehr stark verringert und sind überwiegend in Hauswirtschaften übergegangen. Selbst die massiven staatlichen Förderungsmaßnahmen erzielten nur begrenzte Effekte, um den Rinderbestand zu steigern und die erheblichen Defizite in der Verarbeitungskette zu minimieren.

„Um die strukturellen Problembereiche im Agrarsektor dieser Länder lösen zu können, sind politische und institutionelle Maßnahmen erforderlich, die den Ausbau der Transportinfrastruktur, die Schaffung nachhaltiger Institutionen auf lokaler Ebene sowie die dortige Agrarforschung und Beratungsleistung unterstützen“, so Martin Petrick.

Anschließend legte Mariya Yaroshko, Deutsch-Ukrainischen Agrarpolitischen Dialog (APD), die aktuellen Trends aus der ukrainischen Agrarwirtschaft und -politik dar. Der Agrarsektor in der Ukraine bietet durch seine produktiven Böden, niedrigen Lohnkosten, vorteilhafte Besteuerung und der günstigen Lage zu internationalen Absatzmärkten ein hohes Leistungspotenzial und somit attraktive Bedingungen für internationale Investoren. Gleichzeitig hemmen jedoch die allgemeinen politischen Rahmenbedingungen, u. a. die hohe Volatilität in der Gesetzgebung und ineffiziente Verwaltung mit teilweise korrupten Machenschaften, sowie der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die schlechte Infrastruktur die Entwicklung eine nachhaltige Agrarproduktion. Die Anerkennung des EU-Ukraine Assoziierungsabkommens sowie einer weitreichenden und umfassenden Freihandelszone (Deep and Comprehensive Free Trade Area, DCFTA) würden für die ukrainische Landwirtschaft nicht nur konkrete wirtschaftliche Chancen bieten, sondern sind auch von großer politischer Bedeutung. Es ist anzunehmen, dass die Annährung an politische Grundwerte der EU bei den nationalen und internationalen Investoren und Händlern das Vertrauen festigen würde. „Für die Ukraine ist es das Beste, die Abkommen mit der EU zu unterzeichnen und gleichzeitig die bilateralen Partnerschaften mit den traditionellen Wirtschaftspartnern weiter auszubauen“, resümiert Mariya Yaroshko.

Auf dem Forum wurde insgesamt festgestellt, dass die großbetriebliche Landwirtschaft in Russland, der Ukraine und Kasachstan ein großes Leistungspotenzial aufweist. Dennoch steht der Agrarsektor dieser Länder insbesondere in Bezug auf die Verbesserung und Festigung der politischen und institutionellen Rahmenbedingungen wie auch die Finanzierungsmöglichkeiten und den Einsatz von Knowhow zukünftig noch vor erheblichen Herausforderungen.

Weiterführende Informationen

www.iamo.de - Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)

www.apd-ukraine.de - Deutsch-Ukrainischer Agrarpolitischer Dialog (APD)

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) widmet sich der Analyse von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie in den ländlichen Räumen. Sein Untersuchungsgebiet erstreckt sich von der sich erweiternden EU über die Transformationsregionen Mittel-, Ost- und Südosteuropas bis nach Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Darüber hinaus untersucht es die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Agrar- und Ernährungssektor sowie die Lebensumstände der ländlichen Bevölkerung. Für deren Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung im Jahr 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Prof. Dr. Martin Petrick
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Tel.: +49 345 2928-120
Fax: +49 345 2928-199
E-Mail: petrick@iamo.de
Ansprechpartnerin für die Medien
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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Tel.: +49 345 2928-330
Fax: +49 345 2928-499
E-Mail: presse@iamo.de

Daniela Schimming | idw
Weitere Informationen:
http://www.iamo.de

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