Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gute Aussichten für die ostdeutsche Landwirtschaft

16.09.2008
Die Landwirtschaft hängt stärker als andere Wirtschaftszweige von klimatischen Bedingungen ab. Im Auftrag der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) haben Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) nun die Auswirkungen des Klimawandels auf die ostdeutsche Landwirtschaft untersucht.

Nach ihrer Einschätzung ist das Risiko gering, dass die Anbauflächen in den ostdeutschen Bundesländern an Wert verlieren, wie der Studienleiter Frank Wechsung am vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz der BVVG in Berlin sagte. Mithilfe geeigneter Anpassungsmaßnahmen könnten die negativen Auswirkungen des Klimawandels ausgeglichen und Erträge möglicherweise sogar gesteigert werden.

Aufgrund des Klimawandels sind Witterungsextreme wie Stürme, Starkniederschläge, Überschwemmungen und länger andauernde Trockenphasen häufiger zu erwarten. Witterungsextreme können lokal für massive Ernteausfälle sorgen, über ihr künftiges Auftreten lassen sich jedoch bislang keine zuverlässigen Aussagen treffen. Über die Entwicklung von Temperatur und Niederschlag können dagegen Projektionen berechnet werden. Diese Faktoren haben über einen längeren Zeitraum betrachtet auch größeren Einfluss auf die Entwicklung landwirtschaftlicher Erträge.

Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe hat mithilfe des Szenarienmodells STAR II berechnet, dass die Jahresmitteltemperatur in Ostdeutschland bis zur Mitte des Jahrhunderts um bis zu 2,7 Grad Celsius steigen könnte. Die jährliche Niederschlagssumme könnte demnach zur Mitte dieses Jahrhunderts nur geringfügig abnehmen. Es müsste jedoch mit einer Niederschlagsumverteilung gerechnet werden, schreiben die Autoren. Die Niederschläge in den Sommermonaten nehmen voraussichtlich ab, in den Wintermonaten nehmen sie hingegen wahrscheinlich zu. Dieser Trend kann bereits beobachtet werden. Er setzt sich als Tendenz fort, wird aber nach den Projektionen sporadisch durch relativ feuchte Phasen mit vergleichsweise hohen Sommerniederschlägen unterbrochen.

Aufbauend auf diesen Szenarien haben Frank Wechsung und Andrea Lüttger abgeschätzt, dass in den nächsten 20 bis 30 Jahren die exemplarisch betrachteten Mais- und Weizenerträge in Ostdeutschland bei diesen klimatischen Veränderungen wahrscheinlich im Mittel stabil bleiben werden. Bis zur Mitte des Jahrhunderts ist allerdings mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen, insbesondere an Standorten im östlichen küstenfernen Flachland. Der Maisanbau ist davon stärker betroffen als der von Weizen.

Da das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) auch einen Düngungseffekt hat, kann in allen östlichen Bundesländern beim Winterweizen mit leichten Ertragsgewinnen und beim Mais mit nur geringen trockenstressbedingten Verlusten gerechnet werden. Der Düngungseffekt wirkt sich jedoch nur bei optimaler Stickstoffversorgung der Pflanzen aus. Für die Landwirte könnte das Mehrkosten bedeuten.

"Kurzumtriebplantagen mit Zitterpappeln sind eine gute Anbaualternative für Landwirte, um über längere Zeiträume ein Einkommen zu sichern", sagt Petra Lasch vom Forschungsbereich Klimawirkung und Vulnerabilität des PIK, eine der Autorinnen. Denn es sei zu erwarten, dass die schnell wachsende Baumart, die auch als Aspe (Populus tremula) bezeichnet wird, unter den angenommen Klimaänderungen steigende Erträge liefere. Dies sei auch auf den vom Klimawandel naturgemäß stärker betroffenen, leichten und sandigen Standorten mit geringerem Wasserrückhaltevermögen zu erwarten. Agrarholz profitiere stärker von steigenden Temperaturen und erhöhter CO2-Konzentration als andere Kulturen.

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) müsse die Chancen und Risiken des Klimawandels gleichermaßen untersuchen und darstellen, schreibt der Direktor Hans Joachim Schellnhuber in einem Vorwort zur Studie. Die Untersuchung zeige positive wie negative mögliche Auswirkungen auf die ostdeutsche Landwirtschaft auf und werde diesem Auftrag damit gerecht. Die gute Nachricht für die ostdeutsche Landwirtschaft laute, dass es sich weiterhin lohne, zu investieren. "Und das auch unter den Bedingungen des Klimawandels", schreibt Schellnhuber.

Die Autoren kommen abschließend zur Einschätzung, dass der Wert von Ackerland für die Rohstoff- und Biomasseproduktion eher zu- als abnehmen wird. Der globale Nachfrageschub beeinflusse den Marktpreis positiv. Selbst wenn Erträge in Ostdeutschland regional abnehmen, würden die monetären Verluste durch Preisanstiege wahrscheinlich überkompensiert.

Patrick Eickemeier | PIK Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.pik-potsdam.de
http://www.bvvg.de/
http://www.pik-potsdam.de/~wechsung/bvvg/zusammenfassung11_9.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Im Focus: Wissenschaftler beleuchten den „anderen Hochtemperatur-Supraleiter“

Eine von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) geleitete Studie zeigt, dass Supraleitung und Ladungsdichtewellen in Verbindungen der wenig untersuchten Familie der Bismutate koexistieren können.

Diese Beobachtung eröffnet neue Perspektiven für ein vertieftes Verständnis des Phänomens der Hochtemperatur-Supraleitung, ein Thema, welches die Forschung der...

Im Focus: Tests der Quantenmechanik mit massiven Teilchen

Quantenmechanische Teilchen können sich wie Wellen verhalten und mehrere Wege gleichzeitig nehmen, um an ihr Ziel zu gelangen. Dieses Prinzip basiert auf Borns Regel, einem Grundpfeiler der Quantenmechanik; eine mögliche Abweichung hätte weitreichende Folgen und könnte ein Indikator für neue Phänomene in der Physik sein. WissenschafterInnen der Universität Wien und Tel Aviv haben nun diese Regel explizit mit Materiewellen überprüft, indem sie massive Teilchen an einer Kombination aus Einzel-, Doppel- und Dreifachspalten interferierten. Die Analyse bestätigt den Formalismus der etablierten Quantenmechanik und wurde im Journal "Science Advances" publiziert.

Die Quantenmechanik beschreibt sehr erfolgreich das Verhalten von Partikeln auf den kleinsten Masse- und Längenskalen. Die offensichtliche Unvereinbarkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

Anbausysteme im Wandel: Europäische Ackerbaubetriebe müssen sich anpassen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Einblicke in die Welt der Trypanosomen

16.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Maschinensteuerung an Anwender: Intelligentes System für mobile Endgeräte in der Fertigung

16.08.2017 | Informationstechnologie

Komfortable Software für die Genomanalyse

16.08.2017 | Informationstechnologie