Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grazer WissenschafterInnen entdeckten neue Methode, um die Keimfähigkeit von Saatgut zu bestimmen

27.01.2010
Eine neue, sensationelle Methode, um gutes, keimfähiges Saatgut von abgestorbenen oder gealterten Samen zu unterscheiden, haben ForscherInnen aus Graz gemeinsam mit KollegInnen an den "Royal Botanic Gardens, Kew" in London entdeckt.

Univ.-Doz. Dr. Ilse Kranner (England) und Ao.Univ.-Prof. Dr. Gerald Kastberger vom Institut für Zoologie der Karl-Franzens-Universität Graz fanden eine Möglichkeit, die Qualität von Samen mittels Infrarot-Temperaturmessungen zu bestimmen - innerhalb von zwei Stunden nach Zugabe von Wasser.

Je nach Keimfähigkeit zeigen sich verschiedene charakteristische Temperaturverläufe. Am 25. Jänner 2010 wurde das bislang unbekannte Phänomen auf PNAS Online veröffentlicht.

Ihre Tests haben die WissenschafterInnen zuerst an Erbsensaat durchgeführt. "Kommt ein Same mit Wasser in Kontakt, löst sich der in ihm enthaltene, schnell verfügbare Zucker. Innerhalb von 60 bis 100 Minuten sinkt die Temperatur der Lösung dann um bis zu drei Grad Celsius", berichten die ForscherInnen von der erstmals gemachten Beobachtung. Ob keimfähig, tot oder gealtert - bei allen Erbsensamen zeigte sich diese Abkühlung. Unterschiede waren aber im Bezug auf den Zeitpunkt festzustellen. Bei abgestorbenen Samen fiel die Temperatur um zehn bis 15 Minuten früher als bei den keimfähigen, die gealterten brauchten am längsten. Nach dem ersten "Temperatursturz" halten lebende Samen ihre negativen Temperaturen, weil ständig Stärke in Zucker umgewandelt wird. Tote Samen können dies nicht oder nur schlecht - ihre Temperatur glich sich nach wenigen Stunden wieder an die Umgebungstemperatur an. Man wisse zwar schon länger, dass Samen mit schlechter Keimfähigkeit Probleme damit haben, ihre Reservestoffe abzubauen, aber dieses Versagen mit einer nicht-invasiven Methode völlig berührungsfrei diagnostizieren zu können, sei im wahrsten Sinn des Wortes "cool", so Kastberger.

Für eine präzise Interpretation der Sachverhalte war es dann notwendig, die Termperaturkurven hunderter einzelner Samen zu untersuchen und mit denen von Zuckern und anderen Reservestoffen in vitro zu vergleichen. Dafür wurden 22.000 digitale Einzelbilder für jeden einzelnen Samen mittels Bildverarbeitung analysiert. Neben den Erbsen untersuchten die WissenschafterInnen auch Samen von Weizen und Raps. Und auch diese Tests bestätigten die neuen Erkenntnisse. "Die Temperaturabnahme ist zwar entsprechend dem geringeren Volumen der Weizen- und Rapssaat schwächer, der zeitliche Verlauf im Prinzip aber der gleiche", so Kastberger. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass sich grundsätzlich alle Samen auf diese Weise hinsichtlich ihrer Keimfähigkeit beurteilen lassen, ist der Wissenschafter vom neuen Diagnoseverfahren begeistert, das noch dazu eine Treffsicherheit von bis über 90 Prozent aufweise. Die Entdeckung ist vor allem für die Forschung von großem Vorteil, da sie die Auswahl von optimalem Ausgangsmaterial an Samen für verschiedenste Studien ermöglicht. "Einige Forschungsgruppen haben bereits Interesse an unserem Verfahren bekundet", freut sich Kastberger

Publikation:
Noninvasive diagnosis of seed viability using infrared thermography
Ilse Kranner, Hugh W. Pritchard (Royal Botanic Gardens)
Gerald Kastberger, Manfred Hartbauer (Karl-Franzens-Universität Graz)
Fachartikelnummer: DOI: 10.1073/pnas.0914197107
Kontakt:
Ao.Univ.-Prof. Dr. Gerald Kastberger
Institut für Zoologie der Karl-Franzens-Universität Graz
Tel.: 0316/380-5612
E-Mail: gerald.kastberger@uni-graz.at

Gudrun Pichler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-graz.at

Weitere Berichte zu: Botanic Keimfähigkeit Saatgut Samen Temperatur Zoologie Zucker keimfähiges Saatgut

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau