Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Globale Waldflächen: Wie viel Wald gibt es wirklich?

17.09.2008
Geograph der Universität Jena inventarisiert globale Waldflächen für die Vereinten Nationen

Seit Jahrzehnten schreiten die weltweiten Waldverluste weiter voran - das Tempo allerdings hat sich leicht verringert. Das zumindest sagt der aktuelle Waldzustandsbericht der Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen.

Seit 1946 führt die FAO regelmäßig eine globale Waldinventur durch, bei der die Waldflächen eines jeden Landes bestimmt und in einem Waldzustandsbericht zusammengefasst werden. Dieser basierte bisher ausschließlich auf Daten, die die nationalen Forstbehörden der FAO lieferten.

Für den kommenden Waldzustandsbericht des Jahres 2010 beschloss die FAO erstmals die Nutzung von Radarsatelliten zur Klassifikation von tropischen Waldgebieten, innerhalb des sogenannten Remote Sensing Survey (RSS). RSS meint die Erfassung der Erdoberflächen durch Fernerkundung, wie zum Beispiel durch Radarinstrumente. Dipl.-Geogr. Ralf Knuth von der Friedrich-Schiller-Universität Jena wertet im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der FAO in dem Projekt "FRA-SAR 2010" diese Radardaten aus.

Es ist der deutsche Fernerkundungssatellit TerraSAR-X, der dem Geographen aus seiner rund 500 Kilometer hohen Umlaufbahn extrem detaillierte Radar-Daten bei Tag und Nacht und nahezu unabhängig von jedem Wetter liefert. Während sich die Erde unter dem Satelliten hinwegdreht, tastet TerraSAR-X die Erdoberfläche ab. "Die häufige Bewölkung vor allem in tropischen Gebieten lässt die optische Satellitenmessung an ihre Grenzen geraten", weiß Ralf Knuth. Darüber hinaus sind anhand der TerraSAR-X Radardaten Objekte bis auf zwei Meter erkennbar: "Wir können so natürliche Waldflächen von Plantagen unterscheiden, sogar einzelne Baumkronen erkennen und Baumhöhen ableiten", berichtet der Promotionsstudent vom Lehrstuhl für Fernerkundung.

Per Stichprobenerhebung auf einem Gebiet von zehn mal fünf Kilometern liefert das Radar exakte Bilder der Erdoberfläche, die so genau sind, dass Waldflächen deutlich erkennbar sind. Der bewaldete Flächenanteil des Stichprobengebietes wird dann auf die Fläche des jeweiligen Landes hochgerechnet. Infolge sind nicht nur genauere Aussagen über den globalen Waldanteil möglich, sondern auch über die Nutzung der Landflächen und das Voranschreiten von Abholzungen.

"50 Stichproben werde ich selbst untersuchen", berichtet Knuth, der gerade erste Daten der östlich von Australien liegenden Inselrepublik Vanuatu auswertet. Bei fünf Stichproben wird er die Daten des japanischen Radarsensors ALOS-PALSAR und des europäischen Radarsystems der ESA, Envisat-ASAR, zusätzlich einbeziehen. "Wenn wir die Daten aller drei Radare zusammenführen, gelingt es uns bestimmt, Aussagen über die Biomasse von tropischen Wäldern zu treffen", weiß der Geograph von der Universität Jena. Weitere 300 Satellitenszenen werden zwar am Jenaer Institut für Geographie vorbereitet, sollen jedoch von den Ländern selbst ausgewertet werden. Dafür möchte Ralf Knuth einen Leitfaden verfassen, der in Kombination mit Trainingskursen der FAO die beteiligten Organisationen der Länder bei der Verarbeitung der Daten anleitet.

"Die Experten der Vereinten Nationen entscheiden letztendlich, welche Flächen nach ihren Kriterien als bewaldet gelten und welche nicht", erklärt Ralf Knuth. Streitfälle gibt es dabei genug: So diskutieren Experten, ob Kokosplantagen in Afrika und Weihnachtsbaumplantagen in Nordeuropa mit zu den natürlichen Waldflächen gezählt werden oder nicht. Hinter den Streitigkeiten verbergen sich auch politische Absichten: Ein riesiges Schlupfloch im Kyoto-Protokoll, durch dass sich die Staaten ihrer Verantwortung zur Reduzierung des CO2-Verbrauchs entziehen konnten, bestand in der bisherigen Ungenauigkeit der Angaben der Länder über ihre Waldflächen. "Dank des RSS können die Flächen nun exakter ausgewiesen werden" so Ralf Knuth. Das Jenaer Projekt "FRA-SAR 2010" könnte somit dazu beitragen, das ein oder andere Schlupfloch zu schließen.

Kontakt:
Dipl. Geogr. Ralf Knuth
Institut für Fernerkundung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Grietgasse 6, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948971
E-Mail: ralf.knuth[at]uni-jena.de

Katrin Czerwinka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
http://www.frasar2010.uni-jena.de/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Bürgerforschungsprojekt SAIN: Urban Farming gemeinsam voranbringen
18.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Projekt "HorseVetMed": Forscher entwickeln innovatives Sensorsystem zur Tierdiagnostik
17.01.2018 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

10th International Symposium: “Advanced Battery Power – Kraftwerk Batterie” Münster, 10-11 April 2018

08.01.2018 | Event News

See, understand and experience the work of the future

11.12.2017 | Event News

Innovative strategies to tackle parasitic worms

08.12.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie