Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitscheck für Fische

02.07.2010
Fische in Zuchtbetrieben sind einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse breiten sich Krankheitserreger dort schnell aus. Künftig sollen in den Fischen implantierte drahtlose Miniatursensoren Erkrankungen vermeiden helfen: Sie überwachen und diagnostizieren den Gesundheitszustand der Tiere.

Die Aquakultur ist weltweit der am stärksten wachsende Lebensmittelbereich. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO wächst die Produktion von Fischen, Muscheln und Schalentieren in kontrollierter Aufzucht seit 1990 jährlich um etwa neun Prozent. Die Gründe hierfür sind die überfischten Meere und der gestiegene Fischverbrauch einer wachsenden Weltbevölkerung.


Das Mikrosensorsystem misst unter anderem den Hautwiderstand, die Körpertemperatur, den Blutdruck sowie die Herz- und Atemfrequenz von Fischen. © Fraunhofer IZM

Doch das Gesundheitsrisiko von Fischen in Aquakulturen ist hoch: Begünstigt durch die engen Platzverhältnisse und die oftmals überschrittenen empfohlenen Besatzdichten können sich Parasiten und Krankheiten dort besonders schnell ausbreiten. Infektionen werden oft mit Antibiotika bekämpft, deren Rückstände auf den Tellern der Verbraucher landen. Um diesem Problem schon im Vorfeld zu begegnen, haben die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin im Projekt »FischFIT-Monitoring« ein winziges Sensorsystem entwickelt. Dieses überwacht und diagnostiziert die Gesundheit und das Verhalten von Fischen in Aquakulturen permanent. Projektpartner sind die ELBAU Elektronik Berlin, das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin sowie das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte an der Humboldt-Universität.

»Bei unserem FischFit-Monitor handelt es sich um ein Mikrosensorsystem mit drahtloser Datenkommunikation, das fünf einzelne Sensoren vereint. Unter die Haut der Fische implantiert, messen die Sensoren nicht nur den Hautwiderstand, den Blutdruck, die Herz- und Atemfrequenz sowie die Körpertemperatur, sondern auch das Schwimmverhalten und die Bewegungsaktivität. Sie ermitteln also etwa, wie schnell ein Fisch schwimmt oder ob er sich hektisch bewegt. Anhand der Messdaten können wir Verhaltensauffälligkeiten rasch erkennen und Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Tiere ziehen«, erklärt Dr. Volker Großer, Gruppenleiter am IZM. »Bislang vorliegende Sensorsysteme messen in der Regel lediglich die Körpertemperatur der Fische und des Wassers. Oftmals werden Fische in Aquakulturen gar nicht überwacht.«

Das aus tierverträglichem Material bestehende Mikrosensorsystem zeichnet sich durch eine Besonderheit aus: Sein Energiespeicher lässt sich drahtlos unter Wasser wieder aufladen. Die empfangenen Messdaten leitet die Basisstation, die als Lese- und Schreibgerät fungiert, per Bluetooth oder Kabel an den Computer mit der Auswertungssoftware weiter. Über den Laptop bezieht die Basisstation auch den Strom. »Der FischFit-Monitor eignet sich ausschließlich für Süßwasser-Aquakulturen, also für den Einsatz in Teichen, Flüssen und künstlichen Zuchtbecken. Salzwasser stört die Funkverbindung zwischen Sensor und Lesegerät. Das Lesegerät muss in Zuchtanlagen am Beckenrand befestigt werden. In Flüssen und Teichen ist es an den Fütterungsstationen anzubringen. Der FischFit-Monitor funktioniert selbst unter extremen Umwelteinflüssen«, führt Großer aus.

Der derzeit vorliegende Demonstrator ist vier Zentimeter lang, zwei Zentimeter breit und acht Millimeter hoch. Er soll jedoch noch beträchtlich verkleinert werden. Er wurde bereits in Karpfen implantiert, die ersten Datenübertragungstests waren erfolgreich. Künftig wollen die Forscher das System auch für die Edelfischzucht, etwa bei Stören nutzen. Denkbar sei auch, den FischFit-Monitor in angepasster Form bei Säugetieren einzusetzen, vor allem bei Nutztieren wie Rindern und Schweinen.

Dr. Volker Großer | Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/07/fischsensor.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Rinderhaltung: Europäische Agrarwissenschaftler betreten Neuland in der Forschungskooperation
16.02.2018 | Leibniz-Institut für Nutzierbiologie (FBN)

nachricht Entwaldung in den Tropen
15.02.2018 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Im Focus: Das VLT der ESO arbeitet erstmals wie ein 16-Meter-Teleskop

Erstes Licht für das ESPRESSO-Instrument mit allen vier Hauptteleskopen

Das ESPRESSO-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile hat zum ersten Mal das kombinierte Licht aller vier 8,2-Meter-Hauptteleskope nutzbar gemacht....

Im Focus: Neuer Quantenspeicher behält Information über Stunden

Information in einem Quantensystem abzuspeichern ist schwer, sie geht meist rasch verloren. An der TU Wien erzielte man nun ultralange Speicherzeiten mit winzigen Diamanten.

Mit Quantenteilchen kann man Information speichern und manipulieren – das ist die Basis für viele vielversprechende Technologien, vom hochsensiblen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Auf der grünen Welle in die Zukunft des Mobilfunks

16.02.2018 | Veranstaltungen

Smart City: Interdisziplinäre Konferenz zu Solarenergie und Architektur

15.02.2018 | Veranstaltungen

Forschung für fruchtbare Böden / BonaRes-Konferenz 2018 versammelt internationale Bodenforscher

15.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

17.02.2018 | Energie und Elektrotechnik

Stammbaum der Tagfalter erstmalig umfassend neu aufgestellt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Strategien zur Behandlung chronischer Nierenleiden kommen aus der Tierwelt

16.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics